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Neues Elterngeld: brutto ist nicht gleich netto
Politik 2 Min. 15.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Reform des Elternurlaubs

Neues Elterngeld: brutto ist nicht gleich netto

Keine einfache Rechenaufgabe: Bis zu 3.200 Euro zahlt der Staat während der Elternzeit. Davon müssen Steuer- und Sozialversicherungsabgaben abgezogen werden. Und ferner ist Arbeitszeit ausschlaggebend.
Reform des Elternurlaubs

Neues Elterngeld: brutto ist nicht gleich netto

Keine einfache Rechenaufgabe: Bis zu 3.200 Euro zahlt der Staat während der Elternzeit. Davon müssen Steuer- und Sozialversicherungsabgaben abgezogen werden. Und ferner ist Arbeitszeit ausschlaggebend.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 15.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Reform des Elternurlaubs

Neues Elterngeld: brutto ist nicht gleich netto

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Mit der Reform des Congé parental wird das Elterngeld bis zu 3.200 Euro monatlich erreichen. Für bare Münze sollte man diese Summe nicht nehmen. Das Ersatzeinkommen ist steuer- und sozialversicherungspflichtig.

(BB) -  Die Reform des Elternurlaubs soll es Müttern und Vätern leichter machen, eine Auszeit für die Familie zu nehmen. So wird die bisherige Entschädigung für die Elternzeit finanziell aufgewertet. Geldfragen und die Sorge der Familien, nicht mehr über die Runden zu kommen, sollen bei der Wahl für einen Elternurlaub weniger ins Gewicht fallen, hatte Familienministerin Corinne Cahen erklärt.

Wer es beim Thema Geld dennoch näher wissen will, wird im Gesetzentwurf auf Besonderheiten aufmerksam. Das in Aussicht gestellte Ersatzeinkommen von monatlich bis zu 3.200 Euro sollte man nicht für bare Münze nehmen.

Doch zunächst zu den Bruttozahlen. Prinzipiell gilt, dass der bisherige Pauschalbetrag von 1.778 Euro beim Congé parental entfällt. Er wird durch ein „revenu de remplacement“ ersetzt. Elternteile, die monatlich weniger als 3.200 Euro verdienen, erhalten künftig eine staatliche Unterstützung, die ihrem Monatseinkommen entspricht. Bei einem höheren Arbeitsentgelt gilt die maximale Bruttoentschädigung von 3.200 Euro.

3.200 Euro ja, aber ...

Soweit zum Prinzip, für das es allerdings eine nicht unwesentliche Ergänzung gibt: Das Ersatzeinkommen ist steuer- und sozialversicherungspflichtig. Brutto- und Nettosummen weichen also voneinander ab. Für den Nettobetrag müssen die Abgaben noch abgerechnet werden.

In dem Sinn ist auch der Fachbegriff des „revenu de remplacement“ zu verstehen. Das Ersatzeinkommen wird auf Basis des Gehalts der vorherigen zwölf Monate berechnet. Elternteile, die bis zu 3.200 Euro verdienen, dürften im Congé parental demnach ein gleiches Nettoeinkommen wie in der Arbeitszeit erhalten. Höhere Einkommen fängt der Ersatz nur teilweise auf.

Entscheidend ist außerdem, ob die Mütter und Väter vollzeitig beschäftigt sind. Auch das beeinflusst die Berechnungen.

Genaue Zahlen und Fallbeispiele lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls noch nicht ermitteln. Dafür gibt es zu viele verschiedene Fälle und Parameter, erklärte die Präsidentin der Familienkasse, Myriam Schanck, auf Nachfrage hin. Eine Auskunft für Eltern, die sich auf neue Elternurlaubsformen einstellen wollen, ist so (noch) nicht möglich.

Sonderklausel beim Mindestlohn

Ob ledig oder verheiratet, ob im Vollzeit- oder Teilzeitjob, letztlich werden der Familienstand und das Arbeitsverhältnis ausschlaggebend fürs tatsächlich verfügbare Elterngeld sein. Weiter ist eine Sonderklausel bei Mindestlohnbeziehern vorgesehen, damit das neue Elterngeld nach Sozialbeiträgen nicht weniger ausmacht als der bisherige Pauschalbetrag.

Die vielen Feinheiten machen es für die Familien jedenfalls nicht leicht, sich einen genauen Überblick zu verschaffen. Eine ausführliche öffentliche Kampagne für die Eltern und die Arbeitgeber steht ihrerseits noch aus.

„Infokampagne ist unabdingbar“

Eine Informationskampagne tut not, betont der beigeordnete Generalsekretär des christlichen Gewerkschaftsbunds LCGB. Die Reform des Elternurlaubs beinhalte positive Elemente zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf, ausschlagend sei aber das Kleingedruckte.

„Für werdende Eltern und Personen, die den zweiten Elternurlaub im neuen System beantragen möchten, ist die Reform nicht sehr leserlich. Es kommt aber gerade auf die Details an. Eine breite Infokampagne, damit jeder seine finanzielle Situation und die verschiedenen Zeitmodelle gut einstufen kann, ist unabdingbar“, gibt Christophe Knebeler zu bedenken.

Für alle Fragen soll es bald mehr Klarheit geben, beteuert seinerseits das Familienministerium. Eine Kampagne sei in Ausarbeitung.

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