Neue Pisa-Ergebnisse

Wie zufrieden sind Luxemburgs Schüler?

Luxemburgs Pisa-Schüler sind testängstlicher und weniger leistungsmotiviert als der OECD-Durchschnitt.
Luxemburgs Pisa-Schüler sind testängstlicher und weniger leistungsmotiviert als der OECD-Durchschnitt.
Foto: Guy Jallay

(mig) - Wie zufrieden sind Luxemburgs Schüler mit dem Leben? Ist die Schule ein Wohlfühlort? Empfinden sie ein Zugehörigkeitsgefühl? Wie sind die Beziehungen zu Lehrern, Mitschülern, Eltern? Sind sie Opfer von Mobbing oder Gewalt? Antworten zum schulischen Wohlbefinden der 15-Jährigen liefert der dritte Berichtband der Pisa-Studie 2015, der jetzt erschienen ist.

Für Luxemburg ergab die Untersuchung ein starkes Gefälle zwischen sozioökonomisch gut situierten und benachteiligten Schülern. Die sozioökonomisch benachteiligten Schüler sind leistungsschwacher und laut der Erhebung unzufriedener mit ihrem Leben, sie sind testängstlicher, haben ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl und fühlen sich von ihren Eltern nicht optimal unterstützt.

Lebenszufriedenheit

Was die Lebenszufriedenheit angeht, liegt Luxemburg mit einem Mittelwert von 7,4 auf einer Skala von 0 bis 10 mit dem OECD-Durchschnitt gleichauf. Etwas mehr als ein Drittel der befragten 15-Jährigen in Luxemburg (36,1 Prozent) gab an, sehr zufrieden zu sein (OECD: 34,1 Prozent). Luxemburg weist aber starke geschlechtsspezifische Unterschiede auf. So gaben nur 29 Prozent der Mädchen an, sehr zufrieden zu sein. Bei den Jungen waren es 39 Prozent.

Mobbing und Gewalt

Was die Mobbing- und Gewalterfahrungen angeht, schneidet Luxemburg besser als der OECD-Durchschnitt ab. 15,7 Prozent der Luxemburger Schüler berichten, dass sie im Monat mindestens ein paar Mal Opfer von Mobbing oder Gewalt werden (OECD: 18,7 Prozent). Von Gewalt berichten 3,5 Prozent, von Mobbing 8,9 Prozent der Jugendlichen. Mädchen haben eher mit "bösen Gerüchten" zu kämpfen als mit physischer Gewalt. 

Am häufigsten von solchen Vorfällen betroffen sind Schüler mit Migrationshintergrund sowie leistungsschwache Schüler.

Prüfungsangst bei benachteiligten Schülern

Fast die Hälfte der Luxemburger Schüler gab an, Angst vor Prüfungen zu haben (48,8 Prozent). Damit liegt Luxemburg unter dem OECD-Durchschnitt von 53,7 Prozent. Bei den Mädchen ist die Angst vor schlechten Noten größer als bei den Jungs (56,3 gegenüber 40,5 Prozent).

Sozioökonomisch benachteiligte Schüler berichten häufiger von Prüfungsangst als die gut situierten Schüler. Das ist in Luxemburg ganz besonders ausgeprägt (55,9 gegenüber 41,6 Prozent). Im OECD-Durchschnitt liegen die Werte weniger weit auseinander (56,4 gegenüber 50,2 Prozent).

Insgesamt gilt: Je größer die Testangst, desto geringer die Leistungen und die Lebenszufriedenheit der Schüler. Das trifft auch auf Luxemburg zu, wo die Testängstlichkeit im "Enseignement secondaire technique" (EST) verbreiteter ist als im "Enseignement secondaire" (ES).

Die Luxemburger Schüler sind im Vergleich zum OECD-Durchschnitt weniger leistungsmotiviert (68 gegenüber 74 Prozent). Sozioökonomisch begünstigte und sozioökonomisch benachteiligte Schüler weisen große Motivationsunterschiede auf, wobei diese Unterschiede in Luxemburg weniger stark ausgeprägt sind als im OECD-Durchschnitt. 

Starkes Zugehörigkeitsgefühl

Die meisten Schüler der teilnehmenden Länder empfinden ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Schule (OECD: 80,3 Prozent, Luxemburg: 78,5 Prozent), wobei dieses Gefühl bei den benachteiligten Schülern weniger ausgeprägt ist. In Luxemburg fühlen sich 74,1 Prozent der benachteiligten Schüler zugehörig. Bei den begünstigten Schülern liegt der Mittelwert bei 83,4 Prozent. Auch hier gilt: Je leistungsschwacher, desto geringer das Zugehörigkeitsgefühl. In Luxemburg sind es die Schüler des Régime préparatoire, bei denen dieses Gefühl am geringsten ausgeprägt ist (66 Prozent). Im EST fühlen sich immerhin schon 76 Prozent zugehörig, im ES sogar 84 Prozent.

Elterliche Unterstützung

Die Studie macht auch die Auswirkung elterlicher Unterstützung und Fürsorge auf die Schüler deutlich. So weisen Schüler, deren Eltern sich kümmern und Zeit mit ihnen verbringen, bessere Leistungen und eine größere Lebenszufriedenheit auf. In Luxemburg gaben 80,8 Prozent der Eltern an, Zeit mit ihrem Kind zu verbringen und sich mit ihm zu unterhalten, 87,4 Prozent gaben an, die Hauptmahlzeit zusammen mit ihrem Kind einzunehmen. Damit liegt Luxemburg über dem Durchschnitt der 18 am Elternfragebogen teilnehmenden Länder (70 Prozent, 82 Prozent).

Ferner zeigt die Studie, dass sportlich aktive Schüler zufriedener sind, weniger Angst vor Prüfungen haben und weniger oft die Schule schwänzen. In Luxemburg gaben 7,1 Prozent der Jugendlichen an, sich nicht sportlich zu betätigen (OECD: 6,6 Prozent).

Die Daten zu Lebenszufriedenheit, Testängstlichkeit, Leistungsmotivation,  Zugehörigkeitsgefühl zur Schule, Unterstützung der Eltern, Mobbing und physischen Aktivitäten wurden per Fragebogen ermittelt und spiegeln die Sicht der Jugendlichen wider.