Neue Pflegeversicherung

Nicht nur Gute-Nacht-Geschichten

Die neue Pflegeversicherung soll nun voraussichtlich zum Anfang 2018 in Kraft treten.
Die neue Pflegeversicherung soll nun voraussichtlich zum Anfang 2018 in Kraft treten.
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(BB) - Zum 1. Januar 2017 hätte die neue Pflegeversicherung in Kraft treten sollen. Nun soll es Anfang 2018 sein. Alles werde gut, heißt es von politischer Seite. Trotz Nachbesserungen am Gesetzentwurf erheben die Pflegedienstleister weiterhin Einwände und Bedenken.

Bei den anfänglich restriktiv ausgelegten Stunden zur geistigen und körperlichen Förderung gebe es zwar Fortschritte, räumt Copas-Präsident Marc Fischbach ein. Auf der Generalversammlung des Dachverbands von Pflegeheimen und Hilfsnetzwerken hat er am Donnerstag eine gemischte Bilanz gezogen. Ein Großteil der Forderungen der Copas  sei von der Politik gehört worden. So sind zum Beispiel großzügigere Pauschalen vorgesehen, damit Pflegebedürftige entweder eine individuelle Betreuung von fünf Stunden beziehen oder sich bis zu 20 Stunden an Gruppenaktivitäten beteiligen können.

Allerdings: Die Copas vermisst immer noch ein Programm mit Vorsorgemaßnahmen, das die Autonomie älterer Menschen möglichst lange aufrechterhält. Insgesamt seien die Folgen von nicht mehr gewährten oder stark herabgesetzten Hilfsangeboten zu wenig durchdacht, kritisiert der Dachverband.

Nachtwachen im Angebot

Neu ist, dass fortan Nachtwachen von der Pflegeversicherung übernommen werden könnten. Die dafür entsprechenden Personalressourcen einfach nur hin und her zu schieben, sei allerdings nicht möglich, warnt die Copas. Dabei verweist der Verband auf unqualifizierte Mitarbeiter, die zurzeit pflegebedürftigen Personen bei den Einkäufen helfen und deren Leistungen künftig nicht mehr übernommen werden. Diese rund 160 Einkaufshilfen für die Nachtwachen einzusetzen, sei aber kaum realistisch.

„Für die Nachtwachen brauchen wir gut geschultes Personal. Auf Anhieb, und aus arbeitsvertraglicher Perspektive, ist das nicht so leicht zu 
bewerkstelligen“, erklärt der Copas-Präsident.

Ein ungutes Gefühl hat der Dachverband nicht zuletzt bei den Berechnungsgrundlagen für die Pflegeleistungen. Dass der Staat die Tarife und Leistungen je nach Wirtschaftslage ohne Weiteres einfrieren kann, sei schlicht inakzeptabel, urteilt Fischbach scharf. Denn letztlich würde die Pflege von wirtschaftlichen Entwicklungen abhängig gemacht.

Die Reform der Pflegeversicherung kann die Copas also nicht überzeugen. Fischbach bleibt skeptisch: „Pflegebedürftige riskieren, Verschlechterung zum jetzigen System zu erleiden.“