Neue Langzeitprognosen: Die Renten sind (nicht mehr lange) sicher
(CBu) - Noch gebe es keinen Grund zur Sorge, sagt Sozialminister Romain Schneider (LSAP). Bis zum Jahre 2040 sei das staatliche Rentensystem noch "abgesichert". Bis auf Weiteres übersteigen also die Beitragszahlungen noch die Ausgaben. Und die Pensionskassen verfügen über eine satte Reserve von rund 16,5 Milliarden Euro.
Das ist allerdings nur die eine Seite, der am Freitag vorgestellten neuesten Zahlen der "Inspection générale de la sécurité sociale" (IGSS). Nach 2040 könnten die Reserven im System nämlich schon aufgebraucht sein. "Der Druck auf das Rentensystem nimmt zu und wird in den kommenden Jahren spürbar sein", sagt IGSS-Direktor Thomas Dominique. "Wir müssen uns fragen, ob wir bei der zu erwartenden Entwicklung die Finanzierung längerfristig noch sicherstellen können."
"Rentenmauer noch nicht in Sicht"
Die nüchternen, aber klaren Worte beziehen sich auf aktuelle Prognosen, die die IGSS diese Woche dem Minister vorgestellt hat. Demnach werden schon im Jahre 2023 die Ausgaben die Einnahmen im System übersteigen. Parallel würde die aktuell noch auf 16,5 Milliarden Euro bezifferte Rentenreserve bis zum Jahre 2040 komplett aufgebraucht sein. Falls die Politik bis dahin nicht gegensteuert, wäre das Rentensystem defizitär und radikalere Reformmaßnahmen würden sich aufdrängen.
Davon will der Minister vorerst aber nichts wissen. Er beschwichtigt einerseits, indem er sagt, dass das aktuelle System gesund und sicher sei. Die sogenannte "Rentenmauer" sei auch "noch nicht in Sicht", so Romain Schneider.
Gleichzeitig mahnt er aber Schlussfolgerungen aus den neuesten Prognosen an. Eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Beteiligung der IGSS und der Berufskammern soll noch im kommenden Jahr umfassende Reformvorschläge unterbreiten. Die Pensionsreform von 2012 habe zwar zu messbaren Verbesserungen im System geführt. An weiteren Anpassungen komme man mittelfristig aber nicht vorbei.
Die Grenzen des aktuellen Systems
Die im Rentenbericht der IGSS enthaltenen Prognosen basieren übrigens auf Zahlen von Eurostat bzw. auf der Perspektive des mittlerweile bekannten "1,1-Millionen-Einwohnerstaats". In diesem Szenario hätte man es im Jahre 2060 mit insgesamt 805.000 in das System einzahlenden Versicherten und fast 500.000 Menschen mit Rentenansprüchen zu tun. Die Einnahmen würden dann 8,34 Prozent des BIP ausmachen und die Ausgaben 12,36 Prozent.
Sowohl beim Wirtschaftswachstum als auch bei der Beschäftigungsentwicklung geht man von einer leicht stagnierenden Tendenz aus.
Aktuell bzw. im Jahre 2015 zahlen laut IGSS genau 393.510 Personen in die Rentenkassen ein, um 164.679 Pensionen zu finanzieren. Oder anders formuliert: 4,92 Milliarden Euro an Einzahlungen der Versicherten stehen 3,99 Milliarden an Rentenauszahlungen gegenüber.
Zur Erinnerung: Das luxemburgische Rentensystem funktioniert nach dem sogenannten Umlageverfahren. Das heißt, die eingezahlten Mittel der Beitragszahler werden unmittelbar zur Finanzierung der Leistungen der Rentenbezieher eingesetzt bzw. ausbezahlt. Der globale Beitragssatz liegt aktuell bei 24 Prozent, wobei die Arbeitnehmer, die Arbeitgeber und der Staat jeweils 8 Prozent einzahlen.
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