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Neue Heime für 1300 Flüchtlinge
Politik 4 Min. 22.09.2015 Aus unserem online-Archiv
In ehemaligen Krankenhäusern und Luxexpo-Halle

Neue Heime für 1300 Flüchtlinge

Die Halle 6 der Luxexpo und mehrere andere Gebäude werden derzeit zu Wohnungen für Flüchtlinge ausgebaut.
In ehemaligen Krankenhäusern und Luxexpo-Halle

Neue Heime für 1300 Flüchtlinge

Die Halle 6 der Luxexpo und mehrere andere Gebäude werden derzeit zu Wohnungen für Flüchtlinge ausgebaut.
Foto: Chris Karaba
Politik 4 Min. 22.09.2015 Aus unserem online-Archiv
In ehemaligen Krankenhäusern und Luxexpo-Halle

Neue Heime für 1300 Flüchtlinge

Angesichts des Zulaufs von Flüchtlingen errichtet Luxemburg mehrere neue Flüchtlingsheime. Vier Wohnheime quer durchs Land und drei Containerdörfer können dann mehr als 1300 Menschen aufnehmen.

(vb/ml) – Angesichts des Zulaufs von Flüchtlingen errichtet Luxemburg mehrere neue Flüchtlingsheime. Vier Wohnheime quer durchs Land und drei Containerdörfer können dann mehr als 1300 Menschen aufnehmen.

Seit Anfang September ist Luxemburg mit einer Flüchtlingswelle konfrontiert. Mittlerweile sind 398 Menschen aus den Krisenstaaten hierzulande angekommen, die Hälfte davon waren Syrer (184), betonte Familienministerin Corinne Cahen. Insgesamt sind 13 Minderjährige ohne Begleitung nach Luxemburg gekommen.

Ein Großteil der Syrer dürften als Flüchtlinge anerkannt werden. Ziel sei es, diesen Menschen so schnell wie möglich eine Rückkehr in das normale Leben zu ermöglichen, so Cahen. Personen, die in Luxemburg Asyl beantragen, sollen künftig bereits nach sechs Monaten einer Arbeit nachgehen können. Das betreffende Gesetz, das derzeit eine Frist von neun Monaten vorsieht, wird abgeändert.

Cahen zufolge sei die Regierung gut auf den Andrang von Flüchtlingen vorbereitet gewesen. Die jetzt vorhandenen Flüchtlingsheime werden voraussichtlich bis Ende September voll sein. Weil die Flüchtlingsströme aus Syrien, dem Irak und Afghanistan danach nicht aufhören werden, haben das „Haut Commissariat à la Protection Nationale“ und das Flüchtlingsbüro Olai einen Notfallplan ausgearbeitet. Derzeit gebe es keinen Grund sich Sorgen über die Aufnahmekapazität von Flüchtlingen zu machen, betonte Cahen. Die Herausforderung bestehe darin, den Winter zu überbrücken, bis dass die drei Containerdörfer errichtet sind.

Die Flüchtlingsheime im Einzelnen:

  • Strassen, ehemaliges Logopädiezentrum, 300 Betten, Eröffnung: Mittwoch, 23. September.
  • Luxemburg-Stadt, ehemalige Maternité am CHL. 130 Betten. Eröffnung: Ende September
  • Luxexpo, Halle 6, 360 Betten, Eröffnung: Anfang Oktober
  • Ettelbrück, Gebäude B des CHNP, 220 Betten, Eröffnung: Ende Oktober

Zusätzlich werden die Flüchtlinge in drei Containerdörfern in Steinfort, Diekirch-Herrenberg und in Mamer untergebracht. In einem Container stehen normalerweise zwei Betten, so dass insgesamt 300 Flüchtlinge in Containern wohnen werden. Im absoluten Notfall können vier Betten in einen Container gestellt werden, so dass die Kapazität auf 600 Betten steigt. 

Containerdörfer im Sommer 2016 betriebsbereit

Infrastrukturminister François Bausch sagte, der Staat tue alles, um die nötigen Prozeduren für die Ausweisung der Flächen für Containerdörfer zu beschleunigen. Im Prinzip hätten die Standorte zum Teil im Rahmen des allgemeinen Bebauungsplans neu klassifiziert werden müssen.

Um Zeit zu sparen wird das Landesplanungsministerium demnächst eine großherzogliche Verordnung ausarbeiten, die eine Prozedur beinhaltet, wie sie im Rahmen des "Plan d'occupation du sol"festgelegt ist.  In der Regel dauert diese Prozedur sechs Monate, das Ministerium will es in vier bis fünf Monaten schaffen.

Die Containerdörfer sollen im Frühsommer 2016 betriebsbereit sein. Zielsetzung sei es, die notleidenden Menschen nicht über einen längeren Zeitraum in den Containern unterzubringen, sondern sie möglichst schnell über das ganze Land in feste Strukturen zu verteilen, so Bausch. Innenminister Dan Kersch steht mit den Gemeinden in engem Kontakt, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

Besondere Förderung für Flüchtlingskinder

Unter den Flüchtlingen sind auch viele Kinder, die alle hier eingeschult werden, obwohl sie kein Wort Luxemburgisch sprechen. Für sie hat das Unterrichtsministerium eine besondere Betreuung vorgesehen. Wie Minister Claude Meisch erklärte, werden für die Jugendlichen von zwölf bis 14 Jahren besondere "Classes d'accueil" in den Lyzeen eingerichtet. 

In den Grundschulen gibt es ebenfalls "Classes d'accueil".  Die Flüchtlingskinder sollen jedoch nicht mehr als ein Jahr lang in einer "Willkommensklasse" unterrichtet werden. Um die Qualität der "Classes d'accueil" in den Grundschulen zu überwachen, wird ein zusätzlicher Schulinspekteur eingestellt.

Der normale Schulbetrieb soll nicht auf den Kopf gestellt werden, unterstrich Meisch. Deshalb bekommen die Gemeinden pro Flüchtlingskind, das zu einem späteren Zeitpunkt in eine reguläre Klasse integriert wird, zwei Schulstunden zusätzlich angerechnet. Auch außerhalb der Schule sollen die Kinder gefördert werden, und zwar mit einer Betreuung bis in den Nachmittag. 

Ähnlich wie in der Grundschule werden auch im Sekundarunterricht neue spezielle Klassen für Flüchtlingsschüler geschaffen, u.a. eine im Lycée Technique du Centre und zwei weitere in der Europaschule in Mamer, für die allerdings der "Lycée Technique Josy Barthel" zuständig sein wird. Nach Aussagen von Claude Meisch sind heute rund 300 Flüchtlingskinder an den Luxemburger Schulen. Bis zu 900 Kinder könne das Schulsystem aufnehmen.

Auch für Erwachsene wird eine Sprachförderung angeboten. Bei den Lehrkräften vertraut der Staat auf Freiwillige, hauptsächlich pensionierte Lehrer und Lehrbeautrage. Die Flüchtlinge bekommen grundlegende Sprachkurse ("Meng éischt 100 Wierder op Lëtzebuergesch"), später auch Kurse in Französisch oder Deutsch. Erwachsene, die über Fachkenntnisse verfügen, sollen z.B. über ein Praktikum Zugang zur Berufswelt bekommen.

Für Menschen, die freiwillig bereit sind, auf irgend eine Art und Weise Flüchtlinge zu unterstützen, wird kommende Woche eine Hotline eingerichtet.

Mehr zum Thema:

- Dossier zur Flüchtlingspolitik in Luxemburg


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