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Neue Diskriminierungen durch Pandemie
Politik 2 Min. 08.04.2021

Neue Diskriminierungen durch Pandemie

Der Black Lives Matter Protest vom 5. Juni 2020 in Luxemburg-Stadt. Die ethnische Herkunft sei das zweithäufigste Diskriminierungsmotiv, so CET.

Neue Diskriminierungen durch Pandemie

Der Black Lives Matter Protest vom 5. Juni 2020 in Luxemburg-Stadt. Die ethnische Herkunft sei das zweithäufigste Diskriminierungsmotiv, so CET.
Chris Karaba
Politik 2 Min. 08.04.2021

Neue Diskriminierungen durch Pandemie

Morgan KUNTZMANN
Morgan KUNTZMANN
Das Centre pour l’égalité de traitement stellt seinen Jahresbericht vor und bemängelt den Informationszugang für Menschen mit Behinderungen.

„Menschen, die bereits vor der Pandemie nicht in die Gesellschaft integriert waren, wurden durch die Pandemie noch mehr ausgeschlossen“, fasste am Dienstag die Direktorin des Zentrums für Gleichbehandlung, Nathalie Morgenthaler, während der Präsentation des Jahresberichts 2020 die Situation zusammen. Die Diskriminierung begann bereits bei der Einsicht in die Ergebnisse der Coronatests per Captcha. 

Personen mit visuellen Behinderungen, die mithilfe eines Screenreaders auf die Inhalte ihres Monitors zugreifen, konnten das Captcha auf der Seite der „Laboratoires réunis“ nicht erkennen. Dieses Problem konnte schnell gelöst werden, doch es folgten noch weitere. 


Diskriminierung: Wahrnehmung in der Bevölkerung
Das CET hat das Diskriminierungsbarometer 2020 veröffentlicht. Viele Menschen leiden noch immer unter den Folgen von Diskriminierung.

Patrick Hurst, Präsident des CET, traf selbst auf von Menschen gemachten Barrieren. „Die geografische Lage der Corona-Testzentren führt dazu, dass sie schlecht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden sind. Dazu kommt, dass der Adapto-Beförderungsdienst für Menschen mit Behinderungen nicht für solche Fahrten vorgesehen ist. Nur Fahrten von A nach B sind erlaubt“, so Hurst. In den Cipas, den Wohn- und Pflegeheime für Senioren und Menschen mit Behinderung, sei das Testen auf Corona durch mobile Teststationen vereinfacht worden, doch wurden in manchen Einrichtungen den Personen die eigenen Testresultate von der Direktion nicht weitergeleitet. „Es fehlt im Allgemeinen eine Gleichbehandlung, was den Zugang zu Informationen betrifft“, bemängelt Hurst bei der Präsentation. 


Für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, wird der öffentliche Transport oft zur Herausforderung. Der Adapto-Bus schafft hier Abhilfe.
Adapto: Eine umkämpfte Reform
Die Reform des Adapto-Dienstes sorgt bei einigen älteren Nutzern für Kritik, denn sie können den Bus bald nicht mehr nutzen. Doch sie war notwendig, sagt das Mobilitätsministerium.

Insgesamt wurden im Jahr 2020 203 Diskriminierungsfälle durch das CET bearbeitet. „Ein neuer Rekord“, kommentiert Morgenthaler. Wie auch im Vorjahr steht das Diskriminierungsmotiv Behinderung (49 Fälle) an erster Stelle, gefolgt von der ethnischen Herkunft (44 Fälle). An dritter Stelle waren im Jahr 2020 die Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts zu finden (39 Fälle)

Rund 15 Prozent der Fälle hatten einen Bezug zur Pandemie. Hierbei ging es hauptsächlich um die zuvor erwähnten Barrieren in der Kommunikation, die Auslegung verschiedener Maßnahmen, aber auch Verspätungen in Prozeduren, welche zu Nachteilen für die Antragsteller führten. 47 Prozent der Fälle wurden von Männern und 38 Prozent von Frauen eingereicht. Die restlichen 15 Prozent stammen von Organisationen oder sind Eigeninitiativen des CET. 

Hierbei merkte die Direktorin an, dass jeweils das Geschlecht der Person erfasst werde, die das Zentrum kontaktiert, dies sagt allerdings nichts über die tatsächlich diskriminierte Person aus. Das CET hat letztes Jahr die 4. Ausgabe des Diskriminierungsbarometers veröffentlicht, bei dem herausstach, dass 20 Prozent der Befragten sich in den letzten drei Jahren diskriminiert gefühlt haben. 

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