Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Neue Covid-Regeln: Maximale Normalität und maximaler Schutz
Politik 1 4 Min. 05.01.2021

Neue Covid-Regeln: Maximale Normalität und maximaler Schutz

Noch in dieser Woche wird die Chamber die neuen Covid-Bestimmungen verabschieden.

Neue Covid-Regeln: Maximale Normalität und maximaler Schutz

Noch in dieser Woche wird die Chamber die neuen Covid-Bestimmungen verabschieden.
Foto: Anouk Antony
Politik 1 4 Min. 05.01.2021

Neue Covid-Regeln: Maximale Normalität und maximaler Schutz

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Ab dem 10. Januar gilt die Ausgangssperre wieder ab 23 Uhr - Lockerungen und weitere Einschränkungen sollen laut Regierung einen ausgewogenen Mix ergeben.

2021 die erste: Die Covid-Situation bleibe angespannt, gehe aber in die richtige Richtung, meldete Premierminister Xavier Bettel (DP), als er am Dienstag gemeinsam mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) die Richtung vorgab, in die die Regierung ab dem 10. Januar schreiten möchte. Dann läuft das aktuelle Covid-Gesetz aus. 

Von 550 Neuinfektionen pro Tag Mitte Dezember sei man nun auf rund 200 herunter. „Die Maßnahmen vom Dezember haben gegriffen. Wir liegen nun im EU-Schnitt bei den Neuinfektionen und haben um die Hälfte gesunkene Zahlen an normalen Infektionsfällen in den Krankenhäusern“, sagte Bettel. Auch Lenert betonte, dass die Welle an Neuinfektionen, deren Zahlen durch die Decke gingen, „richtig gut gebrochen“ sei.

150 Neuinfektionen pro Tag angestrebt

Beide mahnten aber auch zur Vorsicht: “Wir wollen vermeiden, dass die Zahlen wieder steigen und sind uns in der Regierung einig, dass wir gewisse Einschränkungen beibehalten", betonte Bettel. Für Lenert wird der Januar ein ganz kritischer Monat. “Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Bei 200 Neuinfektionen pro Tag kommen die Krankenhäuser wieder in die Phase zwei und können die normale Versorgung aller Patienten gewährleisten, aber erst bei 150 Neuinfektionen pro Tag kann auch das Kontakt-Tracing wirksam durchgeführt werden." 

Es soll nun dabei bleiben, dass zwei Personen eines Haushalts zusätzlich privat eingeladen werden dürfen, es bleibt bei den geschlossenen Bars und Restaurants, beim Verbot von Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit und es bleibt auch bei den Versammlungsregeln: Ab vier Personen Maske tragen und zwei Meter Abstand halten, ab zehn Personen und bis maximal 100 Personen muss man sitzen. 

Schulen, Kitas und Maisons relais ab Montag auf

Geöffnet werden ab nächster Woche wieder die Schulen, Kindertagesstätten und Maison relais sowie der Einzelhandel, Friseure, Kinos und Theater und Sportstätten wie Fitnesscenter - allerdings unter verschärften Bedingungen. So darf sich nur eine Person pro zehn qm in einem Geschäft aufhalten und maximal zwei Personen in ganz kleinen Geschäften. Die neuen Regeln beim Sport wird Sportminister Dan Kersch (LSAP) am Donnerstag vorstellen. Nur soviel: Es dürfen nur noch zwei und nicht mehr vier Personen zusammen Sport treiben. Das ganze gilt bis zum 31. Januar. 


Lokales, Erste Impfungen, Pfizer, Covid-19, Coronavirus, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Covid-Ausblick 2021: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
Auch 2021 wird noch stark von Covid-19 geprägt sein. Ein breiter Schutz durch die Impfung kann allerdings noch dauern.

Begründet werden die Anpassungen damit, dass es laut Bettel die Verantwortung der Regierung sei, die sanitäre Lage im Griff zu behalten, aber auch die mentale Gesundheit zu schützen, die unter den Restriktionen leide. „Es müssen immer mehr Patienten in der Psychiatrie eingesperrt werden, vor allem viele ganz junge Menschen müssen schon behandelt werden. Der psychologische Impakt des Confinements sollte nicht unterschätzt werden.“ 

Der psychologische Impakt des Confinements sollte nicht unterschätzt werden.

Xavier Bettel

Bettel wies aber auch auf die Verantwortung der Regierung für Bildungs- und Zukunftschancen der jungen Menschen hin. „Die Entscheidungen sind nicht einfach zu treffen, man muss abwägen, welche Auswirkungen die ein oder andere Maßnahme hat und bereit sein, schnell zu reagieren.“ Man wolle maximale Normalität mit maximaler Sicherheit kombinieren.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Warum noch keine richtig großen Schritte zur Lockerung gemacht werden können, wie beispielsweise den Horesca-Sektor zu öffnen, begründete Lenert dagegen mit neuen Erkenntnissen durch wissenschaftliche Studien. „Es bestätigt sich, dass das Infektionsrisiko bei Versammlungen im kleinen Kreis, wo Maske und Distanz nicht eingehalten werden, sehr groß ist. Das ist im Restaurant der Fall und auch bei Besuch daheim.“  


A medical worker wearing Personal Protective Equipment (PPE) gear collects swab samples to test for the Covid-19 coronavirus, in Colombo on December 28, 2020. (Photo by ISHARA S. KODIKARA / AFP)
Britische Corona-Variante in Luxemburg festgestellt
Die deutlich infektiösere Variante B.1.1.7 des Corona-Virus wurde ein erstes Mal in Proben aus Luxemburg diagnostiziert.

Man möchte also im Januar rund um Essen und Trinken noch Vorsicht walten lassen, nicht zuletzt, weil die Folgen der Feste zum Jahresende noch nicht absehbar sind. Die eventuellen Krankheitsfälle zeigen sich erst nach zwei Wochen. Dazu komme, dass die neue englische Corona-Variante höhere Risiken der schnellen Verbreitung mit sich bringt. 

Keine Änderungen an Impfstrategie

Lenert sieht derweil keinen Anlass, an der Impfstrategie etwas zu ändern oder zusätzlich Impfstoffe auf eigene Faust zu besorgen. In vielen Ländern kam ja die Kritik auf, die EU hätte nicht genügend eingekauft. „Wir haben uns vertraglich der EU-Kommission gegenüber verpflichtet, selber keine Vakzine zu bestellen. Wir haben auch keinen Grund anzunehmen, dass wir nicht das bekommen, was uns versprochen wurde.“ 

Sie betonte auch, dass man sich an die Impfempfehlungen der Hersteller und der EMA halten wird und nicht die zweite Impfung verzögert, um mehr Menschen direkt impfen zu können, wie es in Großbritannien oder den USA diskutiert wird. „Wir werden keine Experimente mit den Leuten machen und halten uns an die Vorgaben.“ 


Wir werden keine Experimente mit den Leuten machen und halten uns an die Vorgaben.

Paulette Lenert

Bettel ergänzte, dass man ohne die EU wahrscheinlich gar keinen Impfstoff hätte. Weder Belgien noch Frankreich oder die Niederlande hätten separate Bestellungen bei BioNTech/Pfizer gemacht. „Ich habe Vertrauen in die EU, dass sie das Richtige macht. Wir warten noch auf 800.000 bis 900.000 Impfdosen und werden insgesamt eine Million Menschen impfen können. Es wurde uns zugesagt, auch zusätzlich noch Impfstoffe zu bekommen.“ 

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Krisenmanagement: Der richtige Ton
So gut die Regierung die erste Pandemie-Welle meisterte, so schlecht die zweite. Am Dienstag sollte sie beruhigend und mit guten Argumenten kommen, wie es mit den Maßnahmen weitergeht.
IPO,Conseil de Gouvernement. Xavier Bettel & Paulette Lenert.Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Paulette Lenert: "Alles ist relativ"
Gesundheitsministerin Paulette Lenert über den Wettlauf gegen die Zeit, die Kritik an der Strategie der Regierung und ihre guten Werte in den Umfragen.
Politik, LSAP, Partei, Paulette Lenert  Foto: Anouk Antony/Luxemburger Wort
Neue Corona-Maßnahmen: Staatsrat hat Bedenken
Ein fundiertes Papier war in der Kürze der Zeit nicht möglich. Der Staatsrat spricht in seinem Gutachten zwar keine opposition formelle aus, Bedenken äußert die Hohe Körperschaft allerdings schon.
30.1.LuxVille / Fonds de Renovation de la Vieille Ville / Feschmaart und Umgebung / Conseil d`Etat , Staatsrat Foto:Guy Jallay