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Neue Ausbildungswege zum Krankenpfleger
Politik 2 Min. 03.05.2021

Neue Ausbildungswege zum Krankenpfleger

Der technologische Fortschritt und neue Kenntnisse aus der Forschung erfordern eine dementsprechende Anpassung der Pflege und damit auch der Aus- und Fortbildung im Pflegebereich.

Neue Ausbildungswege zum Krankenpfleger

Der technologische Fortschritt und neue Kenntnisse aus der Forschung erfordern eine dementsprechende Anpassung der Pflege und damit auch der Aus- und Fortbildung im Pflegebereich.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 03.05.2021

Neue Ausbildungswege zum Krankenpfleger

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Ausbildung verschiedener Gesundheitsberufe wird reformiert, darunter die Krankenpflegerausbildung.

Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, wie wichtig ein gut funktionierendes Gesundheitssystem mit ausreichend gut qualifiziertem medizinischen und pflegerischen Personal ist. Dieses Personal kommt überwiegend aus dem Ausland und Luxemburg muss zusehen, selbst mehr Gesundheitspersonal  auszubilden und in der Ausbildung sowie Fortbildung Schritt zu halten mit dem technologischen und medizinischen Fortschritt.


Krankenpfleger-Vereinigung: Pflege muss reformiert werden
Im Gespräch mit der Präsidentin der Krankenpfleger-Vereinigung Anne-Marie Hanff wird deutlich, wie dringend die Pflegeausbildung reformiert gehört. "Pflege muss eine Priorität der Regierung werden", fordert sie.

In einer interministeriellen Arbeitsgruppe wurden die Kompetenzprofile und Ausbildungen von zahlreichen Gesundheitsberufen analysiert und reorganisiert. Am Montag stellten Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP), Bildungs- und Hochschulminister Claude Meisch (DP) sowie Familienministerin Corinne Cahen (DP) die Ergebnisse der Arbeitsgruppe beziehungsweise ihre Reformpläne vor. 

Mangel an Krankenpflegern

Die Reform betrifft vor allem den Pflegesektor, in dem massiv Fachkräfte fehlen. Künftig wird es zwei Ausbildungswege zum Krankenpfleger geben. Das „Lycée technique pour professions de santé“ (LTPS) wird weiterhin die BTS-Ausbildung zum „Infirmier en soins généraux“ anbieten, aber keine Spezialisierungen mehr.

Diese Aufgabe übernimmt die Uni Luxemburg. Auch sie bildet künftig Krankenpfleger aus. Ab 2023/2024 startet an der Uni ein dreijähriges Bachelorstudium zum „Infirmier en soins généraux“. Das Studium ist zugänglich für Inhaber eines Sekundarschulabschlusses. 

Hinzu kommt ein Bachelorstudium für einzelne Spezialisierungen. Dabei handelt es sich um den „Assistant technique médical de chirurgie“, den „Infirmier en anesthésie et réanimation“, den „Infirmier en pédiatrie“ und den „Infirmier psychiatrique“. Diese Ausbildungen umfassen drei Jahre (180 ECTS-Punkte), sollen 2022/2023 beziehungsweise 2023/2024 an der Uni starten und Krankenpflegern „en soins généraux“ die Möglichkeit bieten, sich weiterzubilden und in diesen Bereichen zu spezialisieren. 

Zwei weitere Bachelorstudiengänge runden das Uni-Angebot ab: die Ausbildung zur Hebamme (vier Jahre, 240 ECTS-Punkte) und zum „Assistant technique médical en radiologie“ (drei Jahre, 180 ECTS-Punkte).

Angedacht werden soll auch die Möglichkeit für BTS-Inhaber, den Bachelor im Rahmen einer berufsbegleitenden Ausbildung nachzuholen.

Vom BTS zum Bachelor

Die Reform sieht Brücken vom BTS zum Bachelor vor. Krankenpfleger mit einem BTS oder einem vergleichbaren Diplom können im zweiten Ausbildungsjahr an der Uni einsteigen und den Bachelor nachholen. Nach dem Bachelor gibt es die die Möglichkeit, ein weiteres Ausbildungsjahr dranzuhängen und sich zum „Infirmier plus“ ausbilden zu lassen.

Bildungs- und Hochschulminister Claude Meisch sprach von einer grundlegenden Reorganisation einzelner Ausbildungen mit dem Ziel, die Ausbildungswege flexibler, attraktiver und vielfältiger zu gestalten und die Qualität der Ausbildungen zu erweitern. Darüber hinaus sei die Reform ein Schritt in Richtung Akademisierung des Krankenpflegerberufs.  

Die von der interministeriellen Arbeitsgruppe ausgearbeitete Reorganisation der Krankenpflegerausbildung ist nicht das, was die „Association luxembourgeoise des enseignants pour professions de santé“ (Aleps) sich vorgestellt hatte. Die Aleps fordert seit Langem den Bachelor für den Krankenpfleger und einen Master für die Spezialisierungen. 


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Eine Aufwertung der Ausbildung und Diplome bedeutet im Endeffekt auch eine Aufwertung der Gehälter. Gesundheitsministerin Paulette Lenert meinte, dass entsprechende Gespräche mit Sicherheit stattfinden werden. Noch sei es aber zu früh, dazu konkrete Aussagen zu machen. 

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