Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Nawalny-Proteste auch in Luxemburg
Politik 7 1 3 Min. 23.01.2021

Nawalny-Proteste auch in Luxemburg

Protest vor der russischen Botschaft in Luxemburg.

Nawalny-Proteste auch in Luxemburg

Protest vor der russischen Botschaft in Luxemburg.
Foto: Anouk Antony
Politik 7 1 3 Min. 23.01.2021

Nawalny-Proteste auch in Luxemburg

Anhänger des inhaftierten Kremlkritikers gehen am Samstag in rund 100 russischen Städten demonstrieren. Die Behörden nehmen unter anderem Nawalnys Ehefrau fest. Auch in Luxemburg gibt es Proteste.

(dpa/jt) - Etwa 20 Menschen haben am Samstag friedlich vor der Botschaft Russlands in Luxemburg demonstriert. Sie forderten die Freilassung des Kremlkritikers Alexey Nawalny. Transparente mit Aufschriften wie „Free Nawalny“, „Putin hat Angst vor Nawalny“ oder „Stop illegal arrests“ wurden für die anwesenden Medienvertreter in die Kameras gehalten.  

Nawalnys Anhänger haben für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen. Die Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden, darunter seine Pressesprecherin Kira Jarmysch.  

In der Großstadt Chabarowsk im Osten Russlands veröffentlichten Aktivisten am Samstag Videos von Polizisten, die Demonstranten schlagen und in Gefangenentransporter stecken. In Chabarowsk richtet sich die Unzufriedenheit der Menschen auch gegen die Inhaftierung eines beliebten Ex-Gouverneurs im Sommer.

Auch in den Städten Wladiwostok, Nowosibirsk, Irkutsk und anderen Städten versammelten sich trotz eisiger Temperaturen Hunderte Demonstranten. Sie skandierten „Wir sind die Macht“ und „Putin ist ein Lügner“.   

Nawalnys Frau in Moskau festgenommen

Die Frau des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny ist bei Protesten für dessen Freilassung in der russischen Hauptstadt Moskau festgenommen worden. Julia Nawalnaja postete am Samstagnachmittag auf Instagram ein Foto aus einem Gefangenentransporter. „Entschuldigt die schlechte Qualität“, lautete die ironische Bildunterschrift. Das Licht im Polizeiwagen sei sehr schlecht. Zuvor hatte Nawalnys Team ein Foto von Nawalnys Mutter veröffentlicht, die ebenfalls zur Demo gekommen war.

Nawalny drohen mehrere Strafverfahren und viele Jahre Gefängnis. In Haft sitzt der 44-jährige Oppositionspolitiker aktuell zunächst für 30 Tage, weil er gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll - während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok erholte.

Millionen Klicks für Palast-Video

Die Wut der Demonstranten richtet sich auch gezielt gegen Wladimir Putin, dem Kritiker einen zunehmend autoritären Führungsstil und Korruption vorwerfen. Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel „Ein Palast für Putin“ ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Präsident sich aus Schmiergeldern ein „Zarenreich“ am Schwarzen Meer bauen ließ. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe in dem mehr als 68 Millionen Mal angeklickten Film als „Unsinn“ und „Lüge“.

Insgesamt hatten Nawalnys Anhänger landesweit in mehr als 90 Städten zu Protesten aufgerufen. Die Bürgerrechtsorganisation OWD zählte bis zum Nachmittag landesweit mehr als 2.100 Festnahmen. Die russischen Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Nawalny war am Montag in Moskau in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. Der 44-Jährige soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Attentat erholte. Ihm drohen weitere Prozesse und viele Jahre Gefängnis. Sicherheitskräfte haben am Samstag mehrere Demonstranten festgenommen, die sich vor dem Gefängnis versammelt haben, in dem der Kremlkritiker festgehalten wird. 

Hinter dem Anschlag gegen ihn mit dem Nervengift Nowitschok vom 20. August sieht er ein „Killerkommando“ des Inlandsgeheimdienstes FSB unter Wladimir Putins Befehl. Putin und der FSB weisen die Anschuldigungen zurück.

Auch im Ausland versammelten sich Nawalny-Anhänger vielerorts zu Protestaktionen, unter anderem in Berlin, Finnlands Hauptstadt Helsinki und im polnischen Warschau. Die Freilassung Nawalnys hatten unter anderen auch die EU und Bundeskanzlerin Angela Merkel gefordert. Russland aber verbittet sich aber eine Einmischung in innere Angelegenheiten. Die Proteste sollen weitergehen.  


Lesen Sie mehr zu diesem Thema