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Nachhaltigkeitsrat zum Rifkin-Plan: „Nur ein halbes Bravo"
Politik 2 Min. 23.10.2017

Nachhaltigkeitsrat zum Rifkin-Plan: „Nur ein halbes Bravo"

Nur wer Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes denke, könne für nachhaltigen Wandel sorgen, so der Präsident des Nachhaltigkeitsrats Francis Schartz.

Nachhaltigkeitsrat zum Rifkin-Plan: „Nur ein halbes Bravo"

Nur wer Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes denke, könne für nachhaltigen Wandel sorgen, so der Präsident des Nachhaltigkeitsrats Francis Schartz.
Foto: Steve EASTWOOD
Politik 2 Min. 23.10.2017

Nachhaltigkeitsrat zum Rifkin-Plan: „Nur ein halbes Bravo"

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
„So geht es nicht weiter.“ Das ist der Grundtenor des Nachhaltigkeitsrats. Folglich begrüßt das Gremium, bestehend aus 15 Mitgliedern des öffentlichen Lebens, die ambitionierte Rifkin-Vision - will die Diskussion jedoch noch weiter vorantreiben.

(ps) - Der Nachhaltigkeitsrat hat am Montag sein Gutachten zum Rifkin-Plan vorgestellt. Und das fällt zwiespältig aus: Man lobte das ambitionierte Vorhaben, eine Zukunftsdebatte führen zu wollen. Ebenso sei die holistische Vision – sprich, eine Vision, die alle Lebensbereiche umfasst – ein richtiger Ansatz. Aber insgesamt sei der Bericht doch sehr theoretisch und wenig konkret. Oder wie es Jean Stoll formulierte: „Wir können nur ein halbes Bravo geben, da der Rifkin-Plan sich oft hinter Schlagwörtern versteckt.“

Einer der Hauptkritikpunkte des Rates bezieht sich auf die Wachstumsfrage. Denn wie der Nachhaltigkeitsrat bereits in vergangenen Studien berechnet hat, verbraucht Luxemburg aktuell hochkalkuliert auf Weltebene, die Ressourcen von sechs Erdplaneten. Luxemburg sei zwar ein kleines Land, aber proportional gesehen, eines der größten Klimasünder. Das Problem sei die exzessive Wachstumspolitik, von der man sich lösen müsse. Doch auch wenn Jeremy Rifkin als Wachstumskritiker gilt, sei sein Plan hier eher vage.

 Die dritte industrielle Revolution muss auch eine gesellschaftliche Revolution sein.

Zudem lege der Rifkin-Plan den Fokus vor allem auf technologische Entwicklung: Digitalisierung, Internet of Things, usw. Zur Lösung der Probleme von morgen gehören jedoch nicht nur technologische Komponenten, sondern vor allem auch soziale Überlegungen. „Die dritte industrielle Revolution muss auch eine gesellschaftliche Revolution sein“, so Präsident Francis Schartz. Nur wer Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes denke, könne für nachhaltigen Wandel sorgen.

„Liebe zum Lernen“

Deshalb plädierte der Rat auch dafür, stärker auf Bildung und Bürgerbeteiligung zu setzen. Die Bürger müssten die dritte Industrielle Revolution vorantreiben, sie müsse „von unten“ kommen und nicht „von oben“ orchestriert werden.

In den Schulen erwarte man sich einen Mentalitätswechsel. Zum einen müsse den Schülern wieder ein besseres Verständnis für Zusammenhänge von Prozessen vermittelt werden. „Früher haben wir gelernt wie aus Essen, Abfälle, Gülle und so weiter wieder neues Leben wird – das war Circular Economy“, so Stoll. Zum anderen müsse sich die Vorstellung eines „Lifelong learning“ durchsetzen: Der Rat spricht von „einer Liebe zum Lernen ein Leben lang.“ Ein weiterer Aspekt, der beanstandet wurde, war die Frage nach dem Gesundheitswesen. Solche Fragen seien ein blinder Fleck im Rifkin-Plan und müssten behandelt werden.

Insgesamt forderte der Rat, demnach den Rifkin-Plan noch zu vertiefen. Mehr noch: Luxemburg soll zu einem Laboratorium für nachhaltige Gesellschaft werden. Am Donnerstag geht die Rifkin-Debatte in die nächste Runde mit einem Hearing in der Chamber.


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