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Nachhaltigkeit: eine Frage der Eigenverantwortung
Politik 2 Min. 04.10.2018 Aus unserem online-Archiv

Nachhaltigkeit: eine Frage der Eigenverantwortung

Nachhaltiges Konsumverhalten hängt häufig vom Bildungsstand und vom Einkommen ab.

Nachhaltigkeit: eine Frage der Eigenverantwortung

Nachhaltiges Konsumverhalten hängt häufig vom Bildungsstand und vom Einkommen ab.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 04.10.2018 Aus unserem online-Archiv

Nachhaltigkeit: eine Frage der Eigenverantwortung

Jonathan PONCHON
Jonathan PONCHON
Kurz vor den Wahlen hält der Nachhaltigkeitsrat dem Wähler den Spiegel vor. Er habe eine Eigenverantwortung und müsse gleichzeitig stärker politisch beteiligt werden.

Der nationale Nachhaltigkeitsrat (Conseil Supérieur pour un Développement Durable) stellte am Donnerstag gemeinsam mit TNS Ilres die Studie "Mäi Liewen zu Lëtzebuerg, haut a muer" vor. In der vorgestellten Untersuchung im Nachhaltigkeitsministerium auf dem Kirchberg geht es um die Sicht der Bevölkerung auf die Entwicklung des Landes.  

Gute Lebensqualität: Der Durchschnittswert trügt

Im Durchschnitt bewertet die Bevölkerung ihre Lebensqualität positiver als dies noch vor fünf Jahren der Fall war. Auf einer Skala von 0 bis 10, bei welcher der Wert 0 für sehr negativ und 10 für sehr positiv steht, ergab der Durchschnittswert dieses Jahr 5,2. Vor fünf Jahren lag er noch bei 3,4. Francis Schartz, der Präsident des Nachhaltigkeitsrats, warnt, dass dieser Wert trügt. Mit 54 Prozent hat mehr als die Hälfte einen Wert zwischen 0 und 4 angegeben, mit dieser Zahl müsse sich die Politik beschäftigen, so Schartz.


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Miteinander zwischen den Kulturen für Ausländer wichtiger

Die Befragten wurden auch nach Werten befragt. Dabei zeigt sich, dass in der Bevölkerung Individualwerte wie Freiheit und soziale Gerechtigkeit höher gewichtet werden als Gemeinschaftswerte wie Solidarität, zwischenmenschliche Beziehungen und ein Zusammenleben verschiedener Kulturen und Nationalitäten. Letzteres ist für die ausländischen Bewohner ein wichtigeres Anliegen. Weniger als jeder vierte Luxemburger gab an, dass dieser Aspekt von größter Wichtigkeit sei. Bei den Portugiesen waren es mit 52 Prozent jedoch mehr als die Hälfte.

Unterschied zwischen Meinung und Handlung

Der Präsident des Nachhaltigkeitsrats Francis Schartz.
Der Präsident des Nachhaltigkeitsrats Francis Schartz.
Foto: Steve Eastwood

Mit 94 Prozent hat fast jeder der Befragten hingegen angegeben, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist, doch an dieser Stelle grenzt Schartz ein: "Ob die Leute bereit sind, auch tatsächlich etwas für Nachhaltigkeit zu machen, das ist eine andere Frage..." In der Tat ist fast jeder Vierte der Ansicht, dass es keine Sache der Eigenverantwortung ist, über die Probleme des Landes und Lösungen nachzudenken. Doch genau darum gehe es, so Schartz. Daher fordert auch Nachhaltigkeitsratsmitglied Norry Schneider von der Politik eine stärkere Bürgerbeteiligung. "Das geht über die bloße Organisation von Diskussionsrunden hinaus", betont Schneider. 

Bildungsstand und Einkommen beeinflussen Handlungsbereitschaft

Der Nachhaltigkeitsrat bedauert, dass Bürger ihr Leben gerne umweltbewusster gestalten würden, dies jedoch oft am Geld scheitere. Daher fordern sie von der kommenden Regierung, dass staatliche Hilfen in diesen Bereichen den Einkommen angepasst werden. Gleichzeitig beeinflusse auch der Bildungsstand das Umweltbewusstsein. Daher müsse dieses ab der Grundschule geschärft werden, so Schartz.

524 Personen wurden zwischen dem 2. und 10. Juli von TNS Ilres online befragt. Die Auswahl der Studienteilnehmer ist repräsentativ für die Gesamtbevölkerung des Landes.


 


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