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Nach dem Votum im Parlament: 134 Kirchen gehen an den Kirchenfonds
Politik 4 Min. 19.01.2018

Nach dem Votum im Parlament: 134 Kirchen gehen an den Kirchenfonds

Generalvikar Leo Wagener gab am Freitag weitere Details zum Kirchenfonds bekannt.

Nach dem Votum im Parlament: 134 Kirchen gehen an den Kirchenfonds

Generalvikar Leo Wagener gab am Freitag weitere Details zum Kirchenfonds bekannt.
Foto: Chris Karaba
Politik 4 Min. 19.01.2018

Nach dem Votum im Parlament: 134 Kirchen gehen an den Kirchenfonds

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Nachdem das Parlament sich am Mittwoch für das Aus für die Kirchenfabriken ausgesprochen hatte, gab Generalvikar Leo Wagener am Freitag weitere Details zum Kirchenfonds bekannt. Von den 490 Kirchen des Landes werden 134 in den Fonds überführt.

(DS / mig) Von den 490 Kirchen, die es im Land gibt, werden 134 in den neuen Kirchenfonds überführt. Das sind etwa 27 Prozent. 356 werden im  Besitz der Gemeinden sein, das entspricht einem Anteil von73 Prozent. Von diesen 356 Sakralgebäuden stehen genau 100 auf der so genannten Annexe III des Gesetzes, das am Mittwoch mit 34 Ja- gegen 26 Nein-Stimmen verabschiedet worden war. Auf der dritten Liste wurde all jene Kirchen eingeschrieben, die die katholische Kirche für die Pastorale für als unentbehrlich erachtet.   "Die katholische Kirche kann somit 234 der insgesamt 490 Kirchen langfristig für Gottesdienste nutzen", betonte Generalvikar Leo Wagener am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz zum neuen Kirchenfonds.

Generalvikar Leo Wagener hofft, dass der innerkirchliche Streit begelegt werden kann und dass es zwischen der Kirche und den Gemeinden zu einer "konstruktiven und pragmatischen Zusammenarbeit" kommt.
Generalvikar Leo Wagener hofft, dass der innerkirchliche Streit begelegt werden kann und dass es zwischen der Kirche und den Gemeinden zu einer "konstruktiven und pragmatischen Zusammenarbeit" kommt.
Foto: Guy Wolff

„Die Türen zum Kirchenfonds stehen weit offen“, so Generalvikar Leo Wagener. Die Türen stünden den  Mitgliedern der aktuellen Kirchenräte aber auch  neuen Mitgliedern offen, die "konstruktiv, loyal und nach vorne gerichtet dazu beitragen wollen, dass die katholische Kirche auf der Ebene der Pfarreien als Kultusgemeinde leben kann".

Wagener ging auch kurz auf den innerkirchlichen Streit zwischen dem Bistum und dem Dachverband der Kirchenfabriken (Syfel) ein. "Von den 285 Kirchenfabriken  haben sich deren 118 der Klage des Syfel angeschlossen", so der Generalvikar. Das bedeute aber auch, dass  167 Kirchenfabriken keine gerichtliche Schritte in Erwägung ziehen wollen. "Das macht den Streit zwar nicht weniger peinlich, doch das ist eine Wahrheit, die oft ausgeblendet wird."


Erny Gillen geht nicht zum Fonds

Leo Wagener erklärte, dass das Bistum in dem Dossier Kirchenfabriken sämtliche Schritte mit der Nuntiatur und mit Rom abgesprochen habe. Ferner präzisierte er, dass sein Vorgänger im Amt des Generalvikars, Erny Gillen, dem Verwaltungsrat des Fonds nicht angehören werde. Damit wies er die Gerüchte, die zuletzt zirkuliert waren, formell zurück.

Beim Fonds wird es in einer ersten Phase ein Übergangsregime geben. Generalvikar Wagener geht davon aus, dass der Fonds ab 2019 dann nach dem definitiven Règlement d'ordre intérieur funktionieren wird. Die fest angestellten Mitarbeiter der   Kirchenfabriken werden vom Fonds übernommen.

Nachdem die Beziehungen zwischen dem Staat und den Glaubensgemeinschaften in den vergangenen drei Jahren grundlegend reformiert wurden, hofft Generalvikar Wagener auf ein  "konstruktives und pragmatisches" Miteinander zwischen Kirche, Staat und Gemeinden.

Dezentrale Organisation

Erste Details zur Funktionsweise des Fonds hatte der Generalvikar bereits vor einem Jahr bekannt gegeben. Der Fonds wird dezentral verwaltet, d.h. die operativen Geschäfte und die Immobilienprojekte werden auf der Ebene der Pfarreien abgewickelt. Er umfasst einen Verwaltungsrat und 33 Vermögensverwaltungsräte auf der Ebene der Pfarreien. Bindeglied zwischen beiden Organen ist die Cellule de coordination et d'assistance. Die 285 Kirchenfabriken werden zu 105 kommunalen Kirchenfabriken zusammengeschlossen, die aber keine eigenständige Rechtspersönlichkeit besitzen. Von den Freiwilligen, die über viele Jahre in den Kirchenräten aktiv waren, sollen sich möglichst viele in den kommunalen Kirchenfabriken einbringen können.

Die fest angestellten Mitarbeiter der Kirchenfabriken werden vom Fonds übernommen.
Die fest angestellten Mitarbeiter der Kirchenfabriken werden vom Fonds übernommen.
Foto: Guy Wolff

Die kommunalen Kirchenfabriken haben u.a. die Aufgabe, die Arbeiten an den Kirchen und anderen Gebäuden zu überwachen. Sie kümmern sich um die Bestandsaufnahme des Mobiliars sämtlicher Gebäude und sind zuständig für die Bereitstellung des Materials zur Ausübung des Glaubens (u.a. Hostien, Messwein).

Nach der Territorialreform der Kirche gibt es noch 33 Pfarreien. Sie werden von sogenannten Vermögensverwaltungsräten (Conseil de gestion paroissial) verwaltet. Der Vermögensverwaltungsrat erstellt das Budget und kümmert sich um das Tagesgeschäft der jeweiligen Pfarrei. Er sorgt dafür, dass Direktiven der Diözese bzw. des Heiligen Stuhls umgesetzt werden und trägt dafür Sorge, dass Spendengelder gemäß dem Willen der Stifter eingesetzt werden. Die Vermögensverwaltungsräte sind auch für die Verwaltung des Personals verantwortlich. Des Weiteren sollen sie sich „aktiv“ um die nichtkirchlichen Immobilien kümmern. Der Vermögensverwaltungsrat setzt sich zusammen aus den Vertretern der kommunalen Kirchenfabriken, dem Pfarrer und dem Vorsitzenden des Pfarrrates (Conseil pastoral de la paroisse).

Der Verwaltungsrat des Fonds

Während das Tagesgeschäft dezentral in den Pfarreien geführt wird, ist der Verwaltungsrat für die Gesamtverwaltung des Fonds zuständig. Die Budgets der 33 Pfarreien werden im Gesamtbudget des Fonds zusammengeführt. Der Fonds arbeitet strategische Ziele aus und sorgt gemäß dem Kirchenrecht dafür, dass Entscheidungen des Erzbistums oder aus Rom an die einzelnen Gremien weitergeleitet werden. Der Fonds muss aus materieller Sicht die Erfüllung der pastoralen Aufgaben sicherstellen.

Der Verwaltungsrat tagt alle drei Monate. Ihm gehören seitens des Bistums von Amts wegen der Generalvikar und der Generalökonom an. Das Bistum mischt sich jedoch nicht in die Geschäfte des Fonds ein. Die Ernennung der Verwaltungsratsmitglieder erfolgt auf Vorschlag des Dekanats- und des Pastoralrates.

Die Cellule de coordination et d'assistance ist das Bindeglied zwischen dem Verwaltungsrat und den 33 Vermögensverwaltungsräten. Sie wird von einem geschäftsführenden Verwaltungsratsmitglied des Verwaltungsrates geleitet. Die CCA unterstützt die Pfarreien bei ihrem Tagesgeschäft.

Generalvikar Leo Wagener unterstrich am Freitag erneut, dass  die Konten des Bistums und die des Fonds strikt getrennt geführt werden


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