Nach Aufregung

Umstrittene ADR-Kandidatin reicht Rücktritt ein

Christiane Kies schämt sich, Luxemburgerin zu sein.
Christiane Kies schämt sich, Luxemburgerin zu sein.
Foto: Youtube

(TJ/ham) - Die umstrittene ADR-Kandidatin Christiane Kies hat offiziell ihren Rücktritt eingereicht. Das hat die Partei gegenüber dem "Luxemburger Wort" bestätigt. Die 65-Jährige hatte sich mit fremdenfeindlichen und hetzerischen Aussagen gegen Muslime in sozialen Netzwerken und auf der Video-Plattform Youtube einen zweifelhaften Namen gemacht.

Die ADR war am Mittwochmorgen noch um Aufklärung bemüht, nachdem die Sprachlehrerin, wie sie sich selber sieht, bereits per Medien ihren Rücktritt als Kandidatin und als ADR-Mitglied mitgeteilt hatte. Daraufhin hatte die hauptstädtische ADR-Rätin Marceline Goergen Kontakt zu dem umstrittenen Partei-Mitglied aufgenommen, um die Angelegenheit rasch zu klären. Am späten Morgen dann die offizielle Bestätigung der ADR: Der Rücktritt wurde eingereicht und angenommen.

Sie habe mit sofortiger Wirkung ihren Rücktritt aus der Partei erklärt, schreibt die ADR in einer Mitteilung. Aus rechtlichen Gründen sei es jedoch unmöglich, die ADR-Liste für die Gemeindewahlen in der Hauptstadt noch zu ändern. Deshalb werde Christiane Kies weiterhin auf der Liste geführt, allerdings als parteilose Kandidatin.

In der Email, die u.a. an RTL verschickt worden war, hatte Kies neben ihrem Rücktritt auch die Journalisten stark attackiert: Die Reportagen seien "böswillig und lügnerisch", so Kies.

Doch damit nicht genug: Kies fokussiert sich nicht mehr auf Muslime sondern sieht in dem Schreiben die wahren Terroristen nun in den Luxemburgern, die sie abwertend als "Luxos" bezeichnet. Diese hätten Politiker, die sich für sie einsetzen nicht verdient und sie schäme sich für dieses Volk.

Kies wünscht sich, dass man in Luxemburg noch möglichst viele Ausländer aufnehme und dass das Land von diesen dominiert werde "parce que les Luxos ne méritent rien d’autre que d’être humiliés".

Mit dem Satz "le Luxembourg n'est plus mon pays, et j’ai honte d’être Luxembourgeoise" schließt Kies ihre Mitteilung ab.

Videos gelöscht

Am Mittwochmorgen waren auch die entsprechenden Videos auf Youtube nicht mehr abrufbar. Rund 40 Video-Blogs hatte die selbst ernannte Sprachlehrerin in den letzten Monaten gepostet. In einem Beitrag von Dezember wetterte sie gegen Politiker und Flüchtlinge. Man lasse die Flüchtlinge in Massen einströmen, so die Verfasserin. Die Politiker seien aber inkonsequent gegenüber den Flüchtlingen. Diese hätten keine oder nur gefälschte Papiere, sie vergewaltigten Frauen, stehlen. „Sie machen alles Böse“, so Christiane Kies' Fazit.

Mit ihrem Rückzug dürfte die umstrittene Kandidatin der ADR wohl einen Gefallen getan haben. Der Abgeordnete Roy Reding, der am Dienstag gegenüber wort.lu eingestanden hatte, die Kandidatin nicht ausgiebig genug "durchleuchtet" zu haben, hatte  seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, Kies möge aus diesem Debakel die eigenen Konsequenzen ziehen.

Ob die Partei nichts von den fragwürdigen Aussagen von Kies gewusst hat, sei dahingestellt. Immerhin hatte eine in Sachen Flüchtlingshilfe engagierte Dame bereits Ende August ihren Rücktritt aus der ADR wegen der Aussagen von Kies eingereicht. Sie hatte die Parteiführung zuvor mehrmals auf deren fremdenfeindliche Haltung hingewiesen und in ihrem Rücktrittschreiben Beispiele beigefügt.