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Musterschüler im Fach "Integration"
Politik 6 4 Min. 05.03.2018

Musterschüler im Fach "Integration"

Außenminister Jean Asselborn unterhält sich mit den Schülern über ihre Herkunftsländer.

Musterschüler im Fach "Integration"

Außenminister Jean Asselborn unterhält sich mit den Schülern über ihre Herkunftsländer.
Pierre Matgé
Politik 6 4 Min. 05.03.2018

Musterschüler im Fach "Integration"

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Die sogenannten Übergangsklassen gibt es seit den 80er Jahren in Luxemburg. Sie bieten ausländischen Kindern unter anderem die Chance, die Sprachen des Landes intensiv zu erlernen, bevor sie in der Regel nach einem Jahr in das reguläre Schulsystem integriert werden.

Am Montagmorgen warteten die Schüler des Lycée Technique du Centre (LTC) gespannt auf das Eintreffen von Außenminister Jean Asselborn. Als dieser ankam, hat er zuerst zwei Klassen mit Migranten- und Flüchtlingskindern besucht. Danach hielt er eine Konferenz und anschließend aß er mit den jungen Schülern zu Mittag.

In der ersten Classe d'accueil begrüßten acht Schüler den Minister auf Französisch, zwei weitere trauten sich das Ganze auf Luxemburgisch zu machen. In der Klasse von zehn Schülern sind acht verschiedene Nationalitäten: Drei Schüler kommen aus Syrien, ein aus Afghanistan, ein aus dem Irak, eine Schülerin kommt aus Portugal, dann noch jeweils ein Schüler aus China, aus Kosovo, aus der Dominikanischen Republik und aus Eritrea.

Die Classes d'accueil sind Übergangsklassen, die die Aufnahme, Orientierung und bestmögliche Eingliederung der Migrantenkinder in die Grund- und Sekundarstufe zum Ziel haben.
Die Classes d'accueil sind Übergangsklassen, die die Aufnahme, Orientierung und bestmögliche Eingliederung der Migrantenkinder in die Grund- und Sekundarstufe zum Ziel haben.
Pierre Matgé

Insgesamt hat der Kirchberger Komplex des Lycée Technique du Centre 420 Schüler, davon sind rund 80 Migranten- und Flüchtlingskindern die auf sieben Classes d'accueil verteilt sind. Die Schülerzahl dieser heterogenen Übergangsklassen variiert ständig. Einige Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren kommen mitten im Schuljahr hinzu, andere verlassen die Classes d'accueil und werden in "normale" Klassen integriert.

Die meisten Übergangsklassen sind französischsprachig. Luxemburgisch wird in den Schulstunden ebenfalls gesprochen, dient aber nicht als Unterrichtssprache. Die Minderjährigen verstehen nämlich, wenn sie nach Luxemburg kommen, oft überhaupt keine Sprachen des Landes und müssen somit mindestens ein Jahr lang intensiv Französisch lernen, um danach überhaupt die Möglichkeit zu haben in das reguläre Schulsystem aufgenommen zu werden.

In Zukunft sollen auch englischsprachige Classes d'accueil entstehen, da auch bereits im regulären Schulsystem, wie zum Beispiel im städtischen Kolléisch, komplette englischsprachige Schullaufbahnen (von 7ème bis 1ère) angeboten werden, wo die Migrantenkinder später untergebracht werden können.

Die Basis der Integration ist die Bildung.

Es gibt aber auch Einwanderer und Flüchtlinge, die vorher in ihrem Heimatland nicht eingeschult waren. Andere kommen aus Ländern mit einem komplett anderen Alphabet, wie zum Beispiel die Chinesen oder Menschen aus arabischen Ländern. In beiden Fällen müssen die Schüler erstmals alphabetisiert werden, dass heißt, sie müssen das lateinische Alphabet lernen, um in Luxemburg überhaupt schulisch formiert werden zu können.

Die Vorkenntnisse und Lernniveaus der Jugendlichen sind demnach nicht alle gleich. Für die Lehrer ist die Leitung einer solche Klasse eine tägliche Herausforderung aber auch eine multikulturelle Bereicherung. "Jeden Tag können neue Schüler in einer Classe d'accueil aufgenommen werden. Es ist nicht wie in herkömmlichen Klassen. Wir versuchen deswegen in den Übergangsklassen weniger Lehrer einzusetzen, die dann selbst mehr als ein Fach unterrichten, und so mehr Zeit mit den Schülern verbringen, sie besser kennenlernen und somit auch intensiver betreuen können", erklärt Denise Rosswinkel, Direktionsbeauftragte des LTC.

Die Entwicklung der Schüler muss deshalb stets vom unterrichtenden Lehrer festgehalten werden. "Es ist wichtig, die Schüler von nahem zu begleiten, um festzustellen, wie schnell sie lernen und wann sie bereit sind in eine reguläre Klasse zu wechseln", sagt Denise Rosswinkel. Die schulischen Niveaus der Jugendlichen seien sehr unterschiedlich, deshalb hätte man in den vergangenen Jahren auch an der Diversifizierung der seit den 80er Jahren bestehenden Classes d'accueil gearbeitet.

In dieser Hinsicht gilt der LTC  hierzulande als Pionier; Mit dem Projekt "ACCU +" werden Schüler auch nach einem Unterrichtsjahr in der Classe d'accueil weiterhin eng betreut und sprachlich gefördert, damit sie nicht, wie es oft in der Vergangenheit der Fall war, wegen der Sprachen in eine untere Schulstufe eingegliedert werden müssen.    

In der anschließenden Konferenz erklärte Außenminister Jean Asselborn den Schülern, dass Europa weiterhin an der Migration- und Flüchtlingsfrage arbeiten muss. Es wäre wichtig, die Friedenspolitik Europas weiter auszubreiten. Man könne die Augen nicht schließen und die Menschen außerhalb der europäischen Grenzen mit ihren Problemen alleine lassen. Andere Themen, wie die europäischen Werte, die Konditionen für Beitrittsländer, die politischen Streitpunkte innerhalb der Europäischen Union und die neuen protektionistischen Maßnahmen in Amerika wurden ebenfalls debattiert.


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