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Mouvéco kritisiert geplantes Label für regionale Produkte
Politik 3 Min. 29.07.2020

Mouvéco kritisiert geplantes Label für regionale Produkte

Das Label, das die Regierung schaffen möchte, um den Verkauf und Verzehr regionaler Produkte anzuregen, stößt beim Mouvéco auf Kritik.

Mouvéco kritisiert geplantes Label für regionale Produkte

Das Label, das die Regierung schaffen möchte, um den Verkauf und Verzehr regionaler Produkte anzuregen, stößt beim Mouvéco auf Kritik.
Foto: Getty Images
Politik 3 Min. 29.07.2020

Mouvéco kritisiert geplantes Label für regionale Produkte

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Um die Vermarktung regionaler Produkte anzukurbeln, plant die Regierung ein Regional-Label. Am Mittwoch soll es vom Ministerrat gutgeheißen werden. Doch das Projekt stößt beim Mouvéco auf heftigen Widerstand.

Ein Label für regional produzierte landwirtschaftliche Produkte soll den Verkauf und Verzehr von gesunden, regionalen Produkten ankurbeln und Verbrauchern Orientierung geben. So weit, so gut. Doch über den  Gesetzentwurf von Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LSAP), der am Mittwoch durch den Ministerrat gehen soll, kann die Umweltorganisation Mouvement écologique nur den Kopf schütteln. 


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Im stillen Kämmerlein

Das Projekt von Romain Schneider sei noch schlechter als das von seinem Vorgänger Fernand Etgen (DP), sagt die Mouvéco-Vorsitzende Blanche Weber am Mittwoch auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“. Der Text sei im stillen Kämmerlein ausgearbeitet worden, sagt Weber. Der Mouvéco habe erst vor wenigen Tagen von dem Gesetzentwurf erfahren. Zwar sei in der Landwirtschaftskammer darüber beraten worden. Mit den landwirtschaftlichen Verbänden aber sei nicht darüber diskutiert worden, „zumindest nicht mit allen“.

Das Label umfasst drei Bewertungskategorien: Umwelt/Tierwohl, Regionalität/Fair Trade,  Qualität/Geschmack. Nach der Lesart des Mouvéco reicht es, wenn ein Produkt pro Kategorie ein Kriterium erfüllt. So erfülle ein Produzent beispielsweise das Qualitätskriterium, „wenn er nachweisen kann, dass er an einem ausländischen Wettbewerb teilgenommen hat. Das ist lächerlich“, sagt Blanche Weber. „Und eine gute Abfallwirtschaft reicht, um das Umweltkriterium zu erfüllen.“

Gießkannen-Label

Nach Ansicht des Mouvéco versucht die Regierung, möglichst vielen Produzenten den Zugang zum Label zu ermöglichen. Blanche Weber spricht von einem Gießkannen-Label, ohne Mehrwert zu den bereits bestehenden Kennzeichnungen. Der Mouvéco ist überzeugt, dass die minimalen Anforderungen nicht ausreichen, damit die Menschen mitmachen und die Produkte kaufen. 

„Wir brauchen ein gutes Label. Wenn ein Label in Verruf gerät - und dieses Label wird in Verruf geraten - hat niemand etwas davon“, sagt Weber. Sie ist auch überzeugt, dass die Kennzeichnung auch von einem Teil der Produzenten nicht mitgetragen wird, „weil sie über das hinausgehen wollen, was hier verlangt wird.“ 

Solidarwirtschaft ausgeschlossen

Der Mouvéco kritisiert darüber hinaus, dass die Betriebe einer Produzentengemeinschaft angehören müssen, um das Label zu bekommen. Einzelne Produzenten sind von der Kennzeichnung ausgeschlossen.  Solidarwirtschaftliche Betriebe seien gänzlich von der Kennzeichnung ausgeschlossen. Auch das ist aus Sicht des Mouvéco nicht nachvollziehbar. „Sie stellen nicht die Mehrheit der landwirtschaftlichen Betriebe, aber sie sind Teil einer zukunftsorientierten Landwirtschaft, die wir ja mehr unterstützen wollen“, sagt Weber. 


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Die Zulassung erfolgt über eine Kommission, die sich aus Vertretern des Landwirtschafts-, Verbraucherschutz- und Gesundheitsministeriums sowie Vertretern der Asta und des Service vétérinaire zusammensetzt. Nach Ansicht von Blanche Weber müsste auch das Umweltministerium Teil der Zulassungskommission sein. Das aber ist nicht der Fall. 

Im Gegensatz zum Mouvement écologique hatte die Landwirtschaftskammer einen Austausch mit dem Landwirtschaftsministerium über die Zertifizierung. „Das System ist nicht perfekt“, sagt Generalsekretär Vincent Glaesener am Mittwoch auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“, „aber man muss irgendwo anfangen“.

Landwirtschaftskammer befürwortet breiten Zugang

Glaesener bestätigt, dass die Zulassungskriterien ohne allzu große Schwierigkeiten erreicht werden können, was aber nicht bedeute, dass jeder ungehindert Zugang zur Zertifizierung bekomme. „Es wird ein Lastenheft erstellt, Kontrollen müssen durchgeführt werden. Für den Produzenten ist das mit Kosten verbunden“, erklärt Glaesener. 

Ziel der Landwirtschaftskammer ist es, die hiesige landwirtschaftliche Produktion im Großen und Ganzen zu unterstützen und zu einem besseren Absatz im Land zu verhelfen. Insofern ist der eher breite Zugang zur Zertifizierung im Sinne der Landwirtschaftskammer. Das aber sei nur die Eingangstür, meint Glaesener. Danach gebe es Abstufungen mit zusätzlichen Anforderungen, die erfüllt werden müssen, um die entsprechenden Zuschüsse zu erhalten

Glaesener bezweifelt allerdings, dass die Zertifizierung dem eigentlichen Ziel - unter anderem ein breiterer Zugang hiesiger Produkte zu Schul- und Betriebskantinen und eine bessere Vermarktung in den Supermärkten - gerecht wird. Dennoch müsse man dem System eine Chance geben.

Druck aus Brüssel

Ein anderer Grund, warum die Regierung den Gesetzentwurf jetzt und in dieser Form vorlegt, ist der Druck aus Brüssel. Das Label „Marque nationale“ erfüllt nicht mehr die europäischen Direktiven und läuft demnächst aus. Das neue Gesetz ist also kein rein nationales Gesetz, sondern muss europäische Bestimmungen erfüllen. Das betrifft zum Beispiel den Begriff Regionalität.

Regionalität bedeutet nicht, dass die Produkte in Luxemburg hergestellt werden müssen, sondern in einem Umkreis von 500 Kilometern vom Standort des Produzenten. Rein theoretisch kann also auch ein Betrieb, der irgendwo in Europa angesiedelt ist, das Kriterium Regionalität erfüllen und unter Umständen ein Recht auf das Luxemburger Label haben.

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