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Motiviert bis in die Haarspitzen
Der nationale CSV-Spitzenkandidat Claude Wiseler wusste die Parteimitglieder beim Nationalkongress in Dommeldingen zu begeistern.

Motiviert bis in die Haarspitzen

Foto: Guy Jallay
Der nationale CSV-Spitzenkandidat Claude Wiseler wusste die Parteimitglieder beim Nationalkongress in Dommeldingen zu begeistern.
Politik 24 4 Min. 15.09.2018

Motiviert bis in die Haarspitzen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die CSV fiebert den Wahlen entgegen und hofft auf die Rückkehr an die Schalthebel der Macht. Die Partei setzt dabei auf die Kraft ihres Plans für Luxemburg.

Vier Wochen vor den Wahlen stellte die CSV bei einem außerordentlichen Kongress ihren Mitgliedern und Anhängern den Plan vor, mit dem sie die Landeswahlen am 14. Oktober gewinnen möchte. 

Die Aussicht auf eine Rückkehr an die Macht rückt in greifbare Nähe und nach Ansicht der Parteiführung ist eine Regierung unter Staatsminister Claude Wiseler auch die einzige Alternative, wenn es dem Land weiterhin gut gehen soll. "Wir brauchen wieder einen Staatsminister mit einem klaren Kopf, einer ruhigen Hand und einem Kompass", sagte Generalsekretär Laurent Zeimet zu Beginn des Kongresses in Dommeldingen.

Hunderte CSV-Mitglieder hatten sich im Parc Hotel in Dommeldingen eingefunden, um mehr über den Plan für Luxemburg zu erfahren.
Hunderte CSV-Mitglieder hatten sich im Parc Hotel in Dommeldingen eingefunden, um mehr über den Plan für Luxemburg zu erfahren.
Foto: Guy Jallay

Die Einschätzung der Parteiführung, die bessere Regierungspartei zu sein, gründet unter anderem auch auf dem Erfolg der Kommunalwahlen vor einem Jahr. "Wir sind in allen Gemeinden vertreten und fest verankert", sagte Laurent Zeimet. "Keine Partei ist so mit Luxemburg verbunden wie die CSV." Die Christlich-Sozialen hätten in der Vergangenheit überdies bewiesen, dass sie bereit seien, Verantwortung zu übernehmen, auch in Krisenzeiten. "Wir können regieren und wir können das besser als die anderen", so Zeimet.

Sollte der Plan der CSV, nach dem 14. Oktober mit Claude Wiseler den Premier zu stellen, aufgehen, verspricht die Partei eine andere Politik. "Ich spüre, dass es reicht mit einer Politik, die den Menschen vorschreibt, wie sie zu leben haben, die die Dinge einfach laufen lässt, die keine Entscheidungen trifft, die alles verspricht, um sich die Gunst der Menschen zu erkaufen, die aber nicht die Reformen macht, die das Land braucht", sagte Wiseler.

"D'Bud botzen"

Der nationale Spitzenkandidat ist überzeugt, dass das Land Reformen braucht. Der größte politische Fehler, so Wiseler, "wäre, zu meinen, man könnte sich zurücklehnen und den Dingen einfach ihren Lauf lassen". Das Gegenteil sei der Fall. Gute Zeiten müssten dazu genutzt werden, "d'Bud ze botzen", und schwierige, aber notwendige Reformen umzusetzen, wie zum Beispiel eine Reform des Rentensystems.

Spitzenkandidat Claude Wiseler möchte der erste CSV-Premierminister nach Jean-Claude Juncker werden.
Spitzenkandidat Claude Wiseler möchte der erste CSV-Premierminister nach Jean-Claude Juncker werden.
Foto: Guy Jallay

"Wir wissen alle, dass unser Rentensystem langfristig nicht abgesichert ist, auch die anderen Parteien." Es sei besser, in guten Zeiten mit vollen Kassen Maßnahmen zu ergreifen, als später, "wenn wir vor der Mauer stehen. Denn dann müssen wir Einschneidungen vornehmen und sozial schwierige Reformen beschließen". Jetzt zu handeln, bedeute, sich die Möglichkeit zu geben, auf Rentenkürzungen zu verzichten und alle gemachten Versprechen einzuhalten, "aber wir müssen aufhören, neue Versprechen zu machen, die wir nicht halten können", sagte Wiseler.  


CSV - Prioritäten des Wahlprogramms 2018 (Teil 3) / Foto: Steve EASTWOOD
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Dass die Staatsverschuldung in den vergangenen Jahren trotz starkem Wirtschaftswachstum weiter zugenommen hat, hält Wiseler für verantwortungslos. Sollte die CSV zurück in die Regierung kommen, werde man einen Kassensturz vornehmen und prüfen, wie viel finanzieller Spielraum der nächsten Regierung angesichts der Reformen und Versprechen der jetzigen Regierung in den kommenden Jahren bleibt, um den Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bekommen.

"Lasse mir keine Lektionen erteilen"

Kritik übte Wiseler auch an der Investitionspolitik der Regierung. Es stimme schlicht nicht, wenn sie behaupte, sie habe mehr investiert als alle Regierungen davor. Darüber hinaus sei es leichter, das Investitionsvolumen in Zeiten von Wirtschaftswachstum hochzuhalten als in Krisenzeiten, "als wir bei rückläufigen Budgetzahlen Entscheidungen treffen mussten, welche Investitionen wir tätigen sollten, damit die Wirtschaft weiter dreht", sagte Wiseler. "Das haben wir gemacht, ich bin stolz darauf und ich lasse mir von dieser Regierung keine Lektionen erteilen, wenn es um die Zukunftsvorbereitung dieses Landes geht." 

Standing ovations

Politik lebt auch von Emotionen. Keiner weiß das besser als Premierminister Xavier Bettel. Doch auch Claude Wiseler beherrscht das Spiel und weiß, dass man nicht nur mit Fakten aufwarten, sondern die Menschen auch emotional berühren muss.

Immer wieder streute er am Samstag kleine persönliche Geschichten und Erlebnisse ein, wie die vom kleinen unscheinbaren Mann auf der Braderie, der auf ihn zugekommen sei und ihm gesagt habe, er traue Wiseler und deshalb wähle er ihn. "Ich tue alles, was in meiner Macht steht, um das Vertrauen, das die Menschen in uns haben, nicht zu enttäuschen und es ist das, was mich heute und in den nächsten vier Wochen motiviert." Mit dieser Geschichte traf er die Menschen in ihrem Innersten und sie dankten es ihm mit einem lang anhaltenden Applaus und Standing ovations.      

Grüße aus Berlin

Doch auch die aus dem Saarland angereiste frühere Ministerpräsidentin und aktuelle CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer wählte die richtigen Worte und wusste die Luxemburger zu begeistern, als sie die Grüße der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel überbrachte und meinte, die Wahl und die Stärkung der CSV sei "nicht nur wichtig für Luxemburg, sondern für ganz Europa".

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ist aus Deutschland zum CSV-Kongress angereist.
CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ist aus Deutschland zum CSV-Kongress angereist.
Foto: Guy Jallay

Europa und die Europäische Volkspartei (EVP), der auch die CSV angehört, stehe vor großen Richtungsentscheidungen, sagte Kramp-Karrenbauer. Es gehe um die Zukunft Europas und die Frage, "ob das Europa des Zusammenhalts, der Offenheit und des Mitgefühls noch eine Zukunft hat, und ob sich die Kräfte, die für dieses Europa stehen, werden durchsetzen können". Es gelte, weiter um die Vorherrschaft der europafreundlichen Kräfte zu ringen. Dafür brauche man auch eine starke CSV und ein starkes Luxemburg.

Direkte Konfrontation

Marc Spautz, Parteipräsident und Spitzenkandidat im Süden, der den Parteimitgliedern zusammen mit Claude Wiseler und den regionalen Spitzenkandidatinnen Françoise Hetto (Osten) und Martine Hansen (Norden) einen Einblick in den Plan für Luxemburg gab, trat als letzter Redner auf. Er machte darauf aufmerksam, dass sich erstmals alle nationalen Spitzenkandidaten im Zentrum gegenüber stünden. "Wir müssen im Zentrum zeigen, dass wir mit Abstand die stärkste Partei sind und dass wir mit Abstand den besten Kandidaten haben, um Staatsminister zu werden".

Spautz warnte auch davor, dass eine Stärkung der CSV nichts nütze, so lange Blau-Rot-Grün die Mehrheit behalte. Hauptziel müsse es demnach sein, zu erreichen, dass DP, LSAP und Grüne ihre Mehrheit verlieren.



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