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Mit neuem Schwung ins Parlament
17 neue Abgeordnete wurden vereidigt. Unter ihnen fünf frische Gesichter.

Mit neuem Schwung ins Parlament

Foto: Pierre Matgé
17 neue Abgeordnete wurden vereidigt. Unter ihnen fünf frische Gesichter.
Politik 7 Min. 06.12.2018

Mit neuem Schwung ins Parlament

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Am Donnerstag wurden die restlichen 17 Abgeordneten des Parlaments vereidigt. Unter ihnen fünf neue Gesichter. Aber wer sind diese fünf Volksvertreter eigentlich? Ein kurzer Überblick.

Am Mittwoch wurde die neue Regierung im großherzoglichen Palast vereidigt. Da jetzt alle Personalfragen betreffend der Regierung geklärt sind, können die restlichen 15 Sitze im Parlament bekleidet werden.

Für die DP rücken Carole Hartmann, Eugène Berger, Gusty Graas, Frank Colabianchi, Fernand Etgen, Guy Arendt und Joëlle Elvinger nach. Bei der LSAP haben Claude Haagen, Lydia Mutsch, Yves Cruchten, Franz Fayot und Tess Burton den Sprung in die Chamber geschafft. Bei den Grünen werden Marc Hansen, Carlo Back, Djuna Bernard, Henri Kox und Stéphanie Empain die Fraktion vervollständigen.

Unter den 15 Neuen befinden sich fünf Volksvertreter, für welche die große Bühne der Chamber Neuland ist. Doch wer sind die neuen Gesichter? Anhand von drei Fragen haben die Neuzugänge die Möglichkeit, sich kurz vorzustellen.

Frage 1: Was ändert sich durch das Abgeordnetenmandat für Sie? 

Frage 2: Wo wollen Sie ihre politischen Prioritäten setzen, beziehungsweise was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Frage 3: Welche politische Herausforderung muss in der nächsten Legislaturperiode gelöst werden?

Stéphanie Empain (Déi Gréng)

Stéphanie Empain - Déi Gréng
Stéphanie Empain - Déi Gréng
Foto: Déi Gréng/LW-Archiv

Alter: 34 Jahre
Beruf: Selbstständig
Wahlbezirk: Norden
Politisches Engagement: /

Antwort 1: Für mich ist ein Abgeordnetenmandat eine Aufgabe, vor der ich enormen Respekt habe. Viele Menschen haben mir ihr Vertrauen geschenkt, damit hängt viel Verantwortung zusammen. Mein Berufsleben hat damit natürlich eine Wendung genommen, ich werde einige Anpassungen vornehmen müssen, damit ich mich voll und ganz auf mein neues Mandat konzentrieren kann, um dieser neuen Aufgabe vollends gerecht zu werden. 

Antwort 2: Das Ziel ist klar: Mein Bestes geben, damit die Zielsetzungen des Koalitionsvertrags erreicht werden können. Wir haben uns ambitionierte Ziele gesteckt, welche Luxemburg sowohl in der Umweltpolitik, als auch in den Bereichen der Mobilität, der Sozialpolitik und der Finanzen nachhaltiger aufstellen werden. Das europäische und internationale Engagement wurde im Koalitionsvertrag unterstrichen. Meine politischen Prioritäten werden auf zwei Pfeilern beruhen: Erstens werde ich mich weiterhin für meine Region einsetzen, sei das im Bereich der Mobilität, des Gesundheitswesens oder der Infrastrukturen. Zweitens freue ich mich drauf, mich verstärkt auf außenpolitische Themen konzentrieren zu dürfen.

Antwort 3: Für mich wird eine der Hauptherausforderungen darin liegen, einen breiten Konsens für nachhaltige Politik und die dringend notwendigen Reformen zu erreichen. Naturschutz, Wasserschutz, Landwirtschaft und Mobilität sind alles Bereiche, in denen wir aktiv dazu beitragen müssen, dem Klimawandel entgegenzuwirken, wenn wir nicht weiter an dem Ast sägen wollen, auf dem wir sitzen. Dafür müssen wir alle bereit sein umzudenken, damit wir alle zu einem Teil der Lösung werden können. 

Djuna Bernard (Déi Gréng)

Djuna Bernard - Déi Gréng
Djuna Bernard - Déi Gréng
Foto: Déi Gréng/LW-Archiv

Alter: 26 Jahre
Beruf: Berater der Geschäftsleitung Elisabeth
Wahlbezirk: Zentrum
Politisches Engagement: Exekutivbüro CGJL 

Antwort 1: Diese Frage ist im Vorfeld schwer zu beantworten. Im Moment fühlt es sich so an, als würde sich mein ganzes Leben ändern, aber dem ist sicherlich nicht so. Ich werde meinen Beruf aufgeben, um mich hauptberuflich dem Abgeordnetenmandat zu widmen, werde wohl sehr viel lesen und mich in Themen einarbeiten und versuchen, weiterhin mein ehrenamtliches Engagement auszuüben.

Antwort 2: Als jüngste Abgeordnete liegt mir selbstverständlich die Jugendarbeit sehr am Herzen. Diese ist jedoch transversal und findet sich sowohl in den Betreuungsstrukturen, der Bildung, der Sozialpolitik und vielem mehr wieder. Außerdem werde ich verstärkt in den Gebieten der Kultur, der Kommunikation, des Digitalem und auch der Außenpolitik arbeiten.

Antwort 3: Dass die Grünen das Ressort des Wohnungsbaus übernehmen, wird sicher eine Herausforderung, aber ich bin überzeugt, dass der Staat in diesem Gebiet Verantwortung übernehmen muss. Es ist mehr als überfällig, dass die Politik verstärkt aktiv wird. Auf die grüne Kulturpolitik freue ich mich besonders, da der Sektor einen Paradigmenwechsel mehr als nötig hat und mit Sam Tanson eine kulturaffine Person die Leitung übernimmt. Nicht zuletzt ist es wichtig, dass im Ressort des Bildungsministeriums Ruhe einkehrt, Reformen greifen müssen und das nötige „Feintuning“ vorgenommen werden muss.


Carlo Back (Déi Gréng)

Carlo Back - Déi Gréng
Carlo Back - Déi Gréng
Foto: Déi Gréng/LW-Archiv

Alter: 66 Jahre
Beruf: Rentner
Wahlbezirk: Zentrum
Politisches Engagement: Gemeinderat (Luxemburg) 

Antwort 1: Ich bin seit Beginn 2015 in Pension. Obschon ich in diesen vier Jahren meine politischen und sozialen Aktivitäten fortgeführt und ausgebaut habe, bedeutet dieses Mandat für mich einen Einstieg in eine neue Karriere. Ich werde versuchen, all meine beruflichen und außerberuflichen Erfahrungen in meinem neuen Arbeitsfeld einzubringen. 

Antwort 2: Ich werde mich in den nächsten Jahren besonders mit den Themen Mobilität und Energie beschäftigen. Vorrangig soll der öffentliche Transport und dessen Qualität, als auch die Energieeffizienz, ausgebaut werden. Diese Themen beeinflussen sehr stark den Klimawandel, der dieser Tage auf der Agenda der COP 24 und der Weltöffentlichkeit in Kattowitz steht. Des Weiteren werde ich die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft, insbesondere der Arbeitswelt, aktiv begleiten, mit dem Blick, dass hier kein Bürger zurückgelassen wird. 

Antwort 3: Bei dieser Frage denke ich besonders an die kommenden Generationen, denen wir eine lebenswerte Welt hinterlassen sollten. Hier sehe ich zwei Themen als prioritär: Halt dem Klimawandel und der Ausbau des Modells “Europa der Bürger”. Diese Herausforderungen müssen von der neuen Regierung und der die folgen, aktiv angegangen werden. Im Dialog mit den Bürgern müssen Lösungsvorschläge ausgearbeitet werden und diese sollten von einer Mehrheit der Bürger aktiv mitgetragen werden.


Marc Hansen (Déi Gréng)

Marc Hansen - Déi Gréng
Marc Hansen - Déi Gréng
Foto: Déi Gréng/LW-Archiv

Alter: 50 Jahre
Beruf: Apotheker
Wahlbezirk: Süden
Politisches Engagement: Gemeinderat (Kaerjeng) 

Antwort 1: Das Abgeordnetenmandat ist eine neue Herausforderung, durch die ich aktiv in der Politik mitwirken kann. Es bedeutet aber auch eine Umorganisation auf professioneller, politischer und privater Ebene. Als freischaffender Apotheker gilt es, meine politischen Mandate in der Abgeordnetenkammer und dem Gemeinderat in Käerjeng mit meinen beruflichen Pflichten auf einander abzustimmen. Sehr wichtig ist aber auch, genügend Zeit für die Familie freizuhalten. Dies bedeutet, dass ich in allen Bereichen klare Prioritäten setzen muss. 

Antwort 2: Von Berufs wegen interessiere ich mich besonders für den Bereich der Gesundheit. Die Verbesserung der Notdienste, des medizinischen Angebotes, besonders in den ländlichen Gegenden, die Ausweitung des Referenzarztes, die Digitalisierung des gesamten medizinischen und paramedizinischen Bereichs, um effizienter zu arbeiten und besser untereinander kommunizieren zu können oder die Einführung des Tiers payant généralisé sind nur einige Themen, die dringend angepackt werden müssen. Als Vater von vier Kindern liegt mir aber auch besonders viel an der Familien- und Schulpolitik. Wie schaffen wir es, Kinderbetreuung und Teilzeitarbeit der Eltern so zu organisieren, dass Eltern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können, ohne auf ihre Karriere verzichten zu müssen und weiter sozial abgesichert sind? Wie begleiten wir Kinder in ihrer schulischen Laufbahn, damit sie sich auf ihrem bestmöglichen Niveau weiter entwickeln können? Der Erhalt des Sozialstaates ist eine Voraussetzung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. In einem Land, in dem fast die Hälfte der Einwohner nicht die Luxemburger Nationalität besitzt, ist es eine besondere Herausforderung, das gute Zusammenleben aller zu fördern. Die Multikulturalität ist eine Stärke Luxemburgs. 

Antwort 3: Ziel dieser Regierung muss es sein, unumkehrbare Entscheidungen in Richtung CO2-Reduzierung zu setzen. Anspruchsvolle Ziele in den Bereichen erneuerbare Energie, Energieeffizienz, Umwelt- und Naturschutz müssen gesteckt werden. Der öffentliche Transport und die sanfte Mobilität müssen weiter ausgebaut werden. Die Kreislaufwirtschaft muss konsequent gefördert werden. Eine weitere Herausforderung ist natürlich der Wohnungsbau, wo es gilt, neue Lösungen zu finden, um jedem eine passende Wohnung zu einem angemessenen Preis anbieten zu können. Besonders bei Mietwohnungen müssen wir in Luxemburg noch viel tun.


Carole Hartmann (DP)

Carole Hartmann - DP
Carole Hartmann - DP
Foto: DP/LW-Archiv

Alter: 31 Jahre
Beruf: Anwältin
Wahlbezirk: Osten
Politisches Engagement: Gemeinderat (Echternach) 

Antwort 1: Seit März bin ich Gemeinderätin der Stadt Echternach. Nun kann ich meine Region und meine Stadt auch in der Chamber vertreten. Meinen Beruf will ich nicht aufgeben. Dafür bin ich zu jung und arbeite zu gerne als Anwältin. Es wird mit Sicherheit eine Herausforderung, beides unter einen Hut zu bekommen. Ich bin aber optimistisch, das zu schaffen. 

Antwort 2: Meine politischen Prioritäten werden vor allem die Justiz (beschleunigte Prozeduren in zivil- und strafrechtlichen Angelegenheiten), die Aufwertung des Sports sowie alle Fragen rund um die Studien und den Einstieg ins Berufsleben sein. Dazu gehört ein breit aufgestelltes Angebot an Ausbildungen und Studiengängen, die die jungen Leute auf die Berufe der Zukunft vorbereitet, sowie eine finanzielle und administrative Förderung jener, die den Weg in die Selbstständigkeit wagen wollen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Förderung meiner Region durch die Schaffung dezentraler Arbeitsplätze im Sinne einer Verkehrsberuhigung in Richtung Luxemburg-Stadt sowie eine weiterhin tatkräftige Unterstützung des Tourismus, vor allem in den Bereichen des Wander- und Fahrradtourismus rund um das Müllerthal und des Kultur- und Weintourismus entlang der Mosel und Sauer. 

Antwort 3: Unser Land hat sich seit 2013 modernisiert. In den nächsten fünf Jahren kann Luxemburg eine Vorreiterrolle in so manchen Bereichen erlangen, wenn es uns gelingt, die Digitalisierung voranzutreiben, weiterhin auf eine gesunde „Work-Life-Balance“ zu setzen, innovative und nachhaltige Projekte und Firmen – u.a. im Bereich der Kreislaufwirtschaft – zu unterstützen und ein vorbildliches Zusammenleben unserer diversen Kulturen zu pflegen.



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