Minister halten sich mit Zusagen zurück
Minister halten sich mit Zusagen zurück
(ks) - Mehr als 8.000 Unterschriften unter ihrer Petition haben es Tania Silva am Mittwoch ermöglicht, in der Chamber vor den Abgeordneten dreier Ausschüsse sowie Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und Romain Schneider, Minister für soziale Sicherheit, über ihre Krankheit zu sprechen.
Die junge Frau leidet seit ihrem fünften Lebensjahr an der chronischen Form der Lyme-Borreliose, die über einen Zeckenstich übertragen wird. Doch die Krankheit wurde lange nicht erkannt, zahllose Arztbesuche folgten, bis Tania Silva im Alter von 22 Jahren schließlich nach einem Test in Deutschland erfuhr, dass sie an dieser Erkrankung leidet. Die Diagnose ist in der Tat schwierig: Die Symptome sind vielfältig und können sich in Form von Gelenk- und Herzbeschwerden sowie Hautproblemen zeigen. Auch die Nerven sind bei manchen Patienten betroffen.
Mehr Aufklärung sowohl für die breite Öffentlichkeit als auch für die Ärzteschaft sowie die Einführung eines im Ausland aber nicht in Luxemburg anerkannten Tests forderte daher Tania Silva. Unterstützt wurde sie von dem Biochemiker Marc Pauly und der Zytogenetikerin Arantzazu de Perdigo aus Luxemburg, die ebenfalls an der Krankheit leiden. Sie widersprachen mit ihren Erfahrungsberichten so manchem Arzt unter den Parlamentariern, die das Problem mangelnder Information unter den Medizinern nicht erkennen wollten, wie Martine Mergen: "Ich glaube, dass die Kollegen gut aufgeklärt sind. Wir sind hier ja nicht im Urwald."
Im Vergleich zu HIV "geht nichts voran"
Der Petitionärin hatte sich zudem der französische Infektiologe Christian Perronne angeschlossen, der in einem Vortrag auf die mangelnde Forschung auf dem Gebiet hinwies. Beim HI-Virus würden die Tests stetig verbessert, neue Behandlungsweisen eingeführt, "doch bei der Lyme-Borreliose geht nichts voran". Teils werde noch immer an der Existenz der Krankheit gezweifelt. Viele Ärzte seien zurückhaltend, wegen Resistenzen Antiobiotika zu verschreiben. Werde mehr in die Forschung investiert, könnten jedoch alternative Behandlungsweisen gefunden werden.
Dass es ein "komplexes und kontroverses Thema" sei, das sah auch Gesundheitsministerin Lydia Mutsch ein. Sie versprach mehr Präventionsarbeit, doch abgesehen davon blieben ihre Versprechen vage. Dass andere Tests zur Identifizierung der Krankheit als der in Luxemburg gebräuchliche eingeführt werden, sagte sie nicht zu und verwies stattdessen auf ein Forschungsprojekt zur Borreliose am Luxembourg Institute of Health, das mehr Klarheit zur Verlässlichkeit von Tests bringen könnte.
Gesundheitsministerin für EU-weite Harmonisierung
Darüber hinaus bedürfe es aber vor allem auf europäischer Ebene einer "harmonisierten Definition der Lyme-Borreliose". Ihr Ministerium arbeite an einem Gesetz, das die Meldepflicht für bestimmte Krankheiten regelt. Künftig werden auch Labore in diese Pflicht eingeschlossen. Schon heute müssen Ärzte die Behörden informieren, wenn sie die Lyme-Borreliose diagnostizieren. Doch geschieht dies nicht: 2015 wurde kein einziger Fall gemeldet. Dabei ist davon auszugehen, dass es in Luxemburg pro Jahr mehrere hundert Verdachtsfälle gibt.
Dass Patienten gegenüber der CNS immer eine Einzelfallprüfung beantragen könnten, wenn die Art ihrer Behandlung und ihre Medikamente laut den Regularien nicht übernommen werden, darauf wies Romain Schneider hin. Eine Antwort darauf, weshalb Tania Silva auf ihren hohen Kosten sitzen bleibt, lieferte der Minister nicht. Im Anschluss an die Sitzung zogen sich die Parlamentarier zu Beratungen zurück.
Tania Silva zeigte sich zuversichtlich. Die Politiker hätten sich ihre Argumente zu Herzen genommen. "Wir warten nun darauf, was konkret umgesetzt wird", sagte sie.
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