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"Merde alors!" - Asselborn attackiert Salvini mit deutlichen Worten
Politik 1 2 Min. 14.09.2018

"Merde alors!" - Asselborn attackiert Salvini mit deutlichen Worten

Zwei, die keine Freunde mehr werden: Jean Asselborn (l.) und Matteo Salvini.

"Merde alors!" - Asselborn attackiert Salvini mit deutlichen Worten

Zwei, die keine Freunde mehr werden: Jean Asselborn (l.) und Matteo Salvini.
Foto: Screenshot youtube
Politik 1 2 Min. 14.09.2018

"Merde alors!" - Asselborn attackiert Salvini mit deutlichen Worten

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
So deutlich wird selbst Jean Asselborn selten: Bei einem EU-Treffen zur Flüchtlingspolitik griff der Luxemburger Außenminister seinen italienischen Kollegen Matteo Salvini an. Der hatte zuvor allerdings unter die Gürtellinie gezielt.

Jean Asselborn ist ein Freund der klaren Worte und schafft es damit regelmäßig in die Medien. Doch selten gerät der Luxemburger Außenminister bei seinen Statements so in Rage wie jetzt am Freitag auf einem Treffen der EU-Migrationsminister zum Thema Afrika. "Merde alors" platzte es am Ende aus Asselborn heraus, passend dazu warf er seine Kopfhörer auf den Konferenztisch - ganz offensichtlich hatte er kein Interesse mehr, dem Vortrag seines italienischen Kollegen Matteo Salvini weiter zu folgen.

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Doch worum ging es eigentlich? Asselborn hatte sich zuvor für legale Migration ausgesprochen - die sei aus demographischen Gründen nötig, weil Europas Bevölkerung zunehmend älter werde. Der italienische Rechtspopulist Salvini konnte diese Meinung natürlich nicht teilen: Er würde es bevorzugen, dass "Jugendliche in Europa und Italien wieder mehr Kinder machen. Neue Sklaven will ich nicht." Dann wurde Salvini persönlich: "Wenn Ihr Luxemburger mehr Migration braucht - ich helfe lieber den Italienern beim Kinder machen."


12.07.2018, Österreich, Innsbruck: Matteo Salvini, Innenminister von Italien, und Jean Asselborn, Innenminister von Luxemburg, nehmen an einer Pressekonferenz beim Treffen der Justiz- und Innenminister der EU teil. Der deutsche Innenminister Seehofer diskutiert erstmals im Kreise seiner EU-Kollegen über die europäische Asylpolitik. Am Rande des Treffens der EU-Innenminister in Innsbruck wird der CSU-Chef mit Ländern wie Griechenland außerdem die Möglichkeiten zur Rücknahme von Flüchtlingen ausloten. Foto: Barbara Gindl/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Merde alors – schon wieder Asselborn!
Jean Asselborns Ausbruch in Wien ist berechtigt. Denn die Grenzen des in der Politik Sagbaren haben sich bereits längst verschoben.

Das war zuviel für Asselborn: "In Luxemburg, verehrter Herr, hatten wir Zehntausende Italiener. Die kamen als Migranten und haben in Luxemburg gearbeitet, damit Sie in Italien Geld hatten, um für Ihre Kinder zu sorgen!" Eine Replik, die saß. Gefolgt von "Merde alors" - "Scheiße nochmal!". 

Dass er im Anschluss nicht auf dem Gruppenfoto zu sehen sei, sei allerdings keine Weiterführung des Protests gewesen, so Asselborn auf Nachfrage des "Luxemburger Wort" - er habe seinen Flieger erwischen müssen. 

Salvini legt auf Twitter nach

Für den italienischen Innenminister war der Disput nicht beendet. Zunächst veröffentlichte er den Mitschnitt der hitzigen Diskussion auf seinem Facebook-Profil und auf Twitter, später legte er auf Twitter nochmals nach. 


Ein Teil der veruntreuten Gelder der italienischen Rechtsaußenpartei könnte in Luxemburg geparkt sein.
Lega-Gelder in Luxemburg vermutet
Italiens rechtsradikale Regierungspartei Lega soll veruntreute Parteigelder in Millionenhöhe auf Konten in Luxemburg versteckt haben. Italienische Staatsanwälte haben in den vergangenen Tagen im Großherzogtum Zeugen angehört.

"Er vergleicht unsere ausgewanderten Großeltern mit den Illegalen, die heute ankommen, will mehr Immigranten in Europa und schreit am Ende 'Scheiße'. Haben sie in Luxemburg, einem Steuerparadies, das uns nicht belehren sollte, niemanden, der normaler ist als der Minister?" 

Vor allem der Verweis auf das "Steuerparadies Luxemburg" entbehrt nicht einer gewissen Brisanz: Am Tag vor dem Streitgespräch in Wien war bekannt geworden, dass die italienisch Staatsanwaltschaft in Luxemburg gegen Salvinis Partei Lega ermittelt - wegen des Verdachts auf Veruntreuung in Millionenhöhe.

Auf den sozialen Netzwerken häuften sich am Wochenende die Reaktionen. Hier einige aus Luxemburg.

Hier die vom früheren Leiter der Abtei Neumünster, Claude Frisoni.

Auch die LSAP reagierte auf den Vorfall.



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