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Mehr Zeit zum Einkaufen
Politik 3 Min. 13.03.2018 Aus unserem online-Archiv

Mehr Zeit zum Einkaufen

Momentan sind die meisten Geschäfte in der Hauptstadt von montags bis samstags bis 18 Uhr geöffnet. Nur einmal im Monat öffnen einige auch am Sonntag.

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Momentan sind die meisten Geschäfte in der Hauptstadt von montags bis samstags bis 18 Uhr geöffnet. Nur einmal im Monat öffnen einige auch am Sonntag.
Foto: Guy Jallay
Politik 3 Min. 13.03.2018 Aus unserem online-Archiv

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Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
So langsam zeichnet sich ab, was in den künftigen Wahlprogrammen für Oktober stehen wird. Die DP bekennt sich am Dienstag zur Liberalisierung der Öffnungszeiten für alle Geschäfte in Luxemburg.

"Gleiche Rechte für alle Geschäftsleute in Luxemburg", so positionierten sich die Liberalen am Dienstag in einer Pressekonferenz. Generalsekretär Claude Lamberty sprach von einer notwendigen Modernisierung und Anpassung der Öffnungszeiten aller Geschäfte auf luxemburgischem Territorium.

Das Thema Ungleichheiten bei den Öffnungszeiten der Geschäfte hat in den vergangenen Monaten bereits für so einige Schlagzeilen gesorgt. Auslöser der Diskussionen war die Klage eines Bäckers aus Differdingen. Der Kläger (Bäckerei Berto) empfand es als unfairen Wettbewerbsvorteil, dass die Tankstellen  in seiner Umgebung früher öffnen dürfen, als seine Bäckerei.


Bäcker, Bäckerei, Backstube, Teig, Mehl (Foto: Shutterstock)
Bäcker dürfen Öffnungszeiten verlängern
Aufgrund einer neuen Bestimmung darf jeder Einzelhändler, der ein Geschäft im Lebensmittelbereich betreibt, seine Öffnungszeiten ausweiten.

Im Juni 2015  beantragte die Bäckerei Berto eine Genehmigung beim Wirtschaftsministerium, um bereits um fünf Uhr morgens öffnen zu dürfen, da eine Tankstellen wenige hundert Meter weiter zu jeder Tageszeit geöffnet hatte und ebenfalls Backwaren verkaufen.

Diesen Antrag lehnte Minister Etienne Schneider jedoch ab mit der Begründung, dass das Gesetz von 1995 vorsieht, dass Bäckereien erst um sechs Uhr öffnen dürfen und spätestens um 20 Uhr schließen müssen.

Berto klagte daraufhin vor dem Verwaltungsgericht, das am 18. Oktober die Entscheidung des Wirtschaftsministers aufhob. Aufgrund der neuen Ausnahmeregelung darf nun seit dem 22. Januar - zunächst auf ein Jahr befristet - jeder Einzelhändler, der ein Geschäft im Lebensmittelbereich betreibt, seine Öffnungszeiten zwischen 4 bis 21 Uhr ausweiten.

Vorbilder: Die Geschäfte im Ausland

Claude Lamberty bezog sich in der Pressekonferenz am Dienstag auf diesen spezifischen Fall und nutzte ihn als Vorzeigebeispiel für die noch bestehenden Ungleichheiten in der Luxemburger Geschäftswelt. Das Großherzogtum soll sich nicht weiter als "kleine Insel" inmitten seiner Nachbarländer sehen, sondern sich in Sachen Öffnungszeiten weiterentwickeln und anpassen.

"In den Niederlanden dürfen die Geschäfte bis 22 Uhr öffnen, in Paris und London wird am Sonntag den ganzen Tag über verkauft und in den Ländern im Süden Europas sind die Türen jeden Tag, von morgens bis abends geöffnet", erklärt Lamberty.

Ich verstehe nicht warum der Geschäftsverband der Stadt Luxemburg jedes Jahr eine Ausnahmeregelung beantragen muss, damit die Geschäftsleute der Hauptstadt ihre Läden an Sonntagen öffnen dürfen.

Zusammen mit Carole Hartmann, Anwältin und Koordinatorin der JDL im Osten, erklärt Generalsekretär Claude Lamberty, dass flexiblere Öffnungszeiten den Kunden zurechtkommen würden. "Die Nachfrage ist da. Ich rede nicht von einer 24-Stunden-Nachfrage, aber von einer normalen 'nach der Arbeit oder am Sonntag noch einkaufen zu können'- Nachfrage. Die Zeiten haben sich nämlich geändert; der Shoppingrhythmus und die Erwartungen der Kunden haben sich stark gewandelt und keiner findet es heutzutage noch angenehm, um 18 Uhr vor geschlossenen Türen zu stehen", betont Lamberty.    


Ladenschluss
Ob Bäcker, Metzger oder andere, lokale Geschäfte: Gerade kleinere Läden haben es schwer. Es wäre allerdings falsch zu glauben, dass längere Geschäftszeiten das Problem lösen. Es sitzt nämlich viel tiefer.

Außerdem würde das Ausweiten der Öffnungszeiten auch die starke Konkurrenz aus dem Ausland und der Online-Shops begrenzten. Denn die Möglichkeit, etwas zu sehen, anzufassen oder auszuprobieren, bevor man es kaufe, gebe dem Kunden eine gewisse Sicherheit mit der die Geschäfte im Netz nicht mithalten könnten.

Konkrete Vorschläge bis wie viel Uhr die Öffnungszeiten ausgeweitet werden sollen, haben die DP-Politiker nicht genannt. Eine Studie des Luxembourg Institute of Socio-economic Research (LISER) soll demnächst die hiesige Geschäftswelt analysieren und sowohl die Seite der Geschäftsleute, wie auch jene der Arbeitnehmer berücksichtigen. Daraus könne die Regierung dann Schlüsse ziehen, um danach die Kriterien für das Ausarbeiten eines neuen Gesetzes festlegen zu können, so der Generalsekretär.

Wir müssen den Geschäftsleuten das Zepter in die Hand legen

Es gebe momentan nämlich Geschäftsleute in Luxemburg, so Lamberty, die öffnen, arbeiten und verkaufen möchten, dies aber nicht dürfen. "Diese Leute müssen das Recht haben, genau so wie Tankstellen oder Lebensmittelläden an Bahnhöfen, ihre Waren an den Kunden zu bringen, wann sie wollen. Wir müssen die Geschäfte gleichermaßen behandeln und ihnen die Chance geben wettbewerbsfähig zu bleiben."

In den kommenden Monaten bis hin zu den Parlamentswahlen im Oktober dürfte dieses Thema nach Ansicht der Liberalen weiterhin zur Diskussion stehen. "Die Liberalisierung der Öffnungszeiten in Geschäften wird ein wichtiger Punkt unseres Wahlprogramms sein", schlussfolgert Lamberty.


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