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Mehr Gehalt beim Staat für das BTS-Diplom in Aussicht
Politik 3 Min. 05.05.2021

Mehr Gehalt beim Staat für das BTS-Diplom in Aussicht

Sarah Volz kann zufrieden sein: Ihre Petition wird aller Voraussicht nach etwas bewegen.

Mehr Gehalt beim Staat für das BTS-Diplom in Aussicht

Sarah Volz kann zufrieden sein: Ihre Petition wird aller Voraussicht nach etwas bewegen.
Foto: Anouk Antony
Politik 3 Min. 05.05.2021

Mehr Gehalt beim Staat für das BTS-Diplom in Aussicht

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die Petition von Sarah Volz zur Aufwertung des BTS-Diploms durch eine eigene Laufbahn trifft beim Minister Marc Hansen auf offene Ohren.

Das Höhere Fachdiplom (Brevet de technicien supérieur - BTS) ist eine berufsorientierte Kurzzeit-Hochschulausbildung von zwei Jahren, die den Erfordernissen der Betriebe entspricht. Derzeit werden 34 BTS in den Bereichen Handel, Gesundheit, Industrie, angewandte Kunst, Handwerk und Dienstleistungen angeboten. 


LTC Lycée Technique du Centre. Foto Lex Kleren
Die Schulen und ihre Angebote
Das Ausbildungsangebot wird von Jahr zu Jahr vielfältiger. 2019/20 wird es um zwei Technikerausbildungen und ein BTS erweitert. Hier die Schulangebote und die Neuerungen im Überblick.

Weil dieses Bac+2-Diplom (120 ECTS) allerdings im Gehältergefüge des Staates bislang nicht anerkannt wird, reichte Sarah Volz am 18. Januar die Petition 1765 ein, die gut 4.600 Unterschriften erhielt: Um den Gehaltsabstand zwischen der jetzigen B1- und der A2-Laufbahn eines Bachelors zu verringern, soll eine A3-Karriere hinzugefügt werden. 

Im Hochschulgesetz verankert

Am Mittwoch wurde sie im Parlament debattiert, wobei man sich durch die Bank einig war, dass das Anliegen berechtigt ist. Denn wie Volz eingangs plädierte, wird das BTS-Diplom im luxemburgischen  System als höhere Ausbildung angeboten und ist im Hochschulgesetz verankert. Es ist auch im Bologna-Abkommen auf europäischem Niveau anerkannt und seine 120 ECTS entsprechen den ersten zwei Jahren einer Bachelor-Ausbildung. 

„Das sind Beweise dafür, dass es über dem Niveau des Abiturs liegt und zwei Drittel eines Bachelors mit seinen 180 ECTS ausmacht“, machte Volz geltend, die von Frank Krier und Franky Frantzen begleitet wurde. Die Schaffung einer A3-Laufbahn habe den Vorteil, dass es eine eigene Laufbahn wäre und so dem B1 keine Konkurrenz entstehe, so Volz.

Knapp 3.700 Diplomierte

Das BTS gibt es seit den 1990er Jahren und zuletzt wurden 268 Diplome in einem Jahr vergeben - insgesamt sind es 3.681 Diplomierte, von denen viele im Privatsektor arbeiten. „Dort ist das Diplom anerkannt und wird auch entsprechend höher vergütet“, sagte Volz aus eigener Erfahrung. Frank Krier verwies zudem darauf, dass es im Finanzsektor im Kollektivvertrag explizit anerkannt ist. 

Auf die Frage von Chantal Gary (Déi Gréng) hin, wieviele mit ihrem BTS-Diplom auf einer Uni ein Jahr anhängen, um den Bachelor zu machen, gab Krier an, dass es ungefähr die Hälfte seien, weil der Bachelor eben der Standard sei. „Prinzipiell geht das, es  hängt aber von der Uni ab, ob es in ihr Programm passt. Manche Lyzeen haben mit einer Uni eine Partnerschaft, um den  Übergang zu erleichtern.“ 

Wie viele Personen mit einem BTS derzeit beim Staat oder den Gemeinden beschäftigt sind, vermochte der Minister für den öffentlichen Dienst, Marc Hansen (DP) nicht zu sagen. Er bekräftigte aber, dass er schon als Hochschulminister bei den Diplomüberreichungen nicht verstanden habe, dass das BTS nicht anerkannt ist und eine Aufwertung als Verantwortlicher für den öffentlichen Dienst auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Dann kam die Pandemie und verrückte die Prioritäten.

Hansen schlägt Prämie vor

„Ich bin ganz offen dafür, dass man sich etwas einfallen lässt“, sagte er. Eine A3-Laufbahn einzuführen sei technisch schwierig. „Ein anderer Weg, den ich mir gut vorstellen kann, wäre, über eine Prämie zu reden, so wie es bei den Doktoranden der Fall ist, die auch keine eigene Laufbahn haben.“  

Ich bin ganz offen dafür, dass man sich etwas einfallen lässt.

Marc Hansen, DP

Illustration Fonction Publique -  Staatsbeamten - Photo : Pierre Matge
CGFP und Regierung einigen sich auf Gehälterabkommen
Am Donnerstag stellte der Minister für den öffentlichen Dienst, Marc Hansen, zusammen mit der CGFP das neue Gehälterabkommen vor.

Allerdings schränkte er ein: „Es kann nicht bereits morgen etwas umgesetzt werden, denn wir müssen den Dialog mit dem Sozialpartner und das Gehälterabkommen respektieren: Bis 31. Dezember 2022 dürfen keine weiteren Finanzforderungen an den Staat gestellt werden – auch keine neuen Systeme für Prämien.“ 

Man könne aber anfangen, eine Anerkennung und Aufwertung ab 2023 vorzubereiten. „Es ist gut, dass die Problematik wieder auf die Tagesordnung gebracht wurde - es war und ist auch mir wichtig.“ 

Hansen informiert Ausschuss über Gespräche

Die Vorsitzende des Petitionsausschusses, Nancy Kemp-Arendt (CSV) begrüßte ausdrücklich, dass sich etwas bewegt. „Ich bin ganz zufrieden. Wir haben erreicht, dass der Minister nicht bis 2023 warten will, sondern schon jetzt daran arbeiten möchte. Im Januar 2023 wird er bereits in einer gemeinsamen Sitzung des Petitionsausschusses und des Ausschusses für den öffentlichen Dienst konkret sagen, wie die Gespräche mit den Sozialpartnern gelaufen sind und wie es weitergeht.“

Hansen habe sich auch bereit erklärt, bereits im kommenden Jahr den Ausschuss für den öffentlichen Dienst über die Arbeiten zu informieren. „Er wird auch die Petitionäre persönlich im Ministerium empfangen und ihnen die Gelegenheit geben, ihr Anliegen  nochmals in Ruhe vorzubringen und zu diskutieren. Das ist eine Premiere in der Arbeit des Petitionsausschusses.“

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