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Mehr Freiheiten durch Impfungen und Selbsttests
Politik 1 4 Min. 30.04.2021

Mehr Freiheiten durch Impfungen und Selbsttests

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und Premierminister Xavier Bettel (DP), stellten am Freitag die neue Impfliste vor.

Mehr Freiheiten durch Impfungen und Selbsttests

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und Premierminister Xavier Bettel (DP), stellten am Freitag die neue Impfliste vor.
Guy Jallay
Politik 1 4 Min. 30.04.2021

Mehr Freiheiten durch Impfungen und Selbsttests

Morgan KUNTZMANN
Morgan KUNTZMANN
Impferfolge, Schnelltests und eine stabile Positivitätsrate könnten bald wieder zu mehr Lockerungen der Corona-Maßnahmen führen.

„Die Situation ist weiter stabil. Wir haben über die vergangenen Wochen eine stabile Positivitätsrate von rund zwei Prozent. Um die 200 Neuinfektionen pro Tag“, so Bettel am Freitag bei der Pressekonferenz nach dem Regierungsrat. Auch die Impfungen beginnen ihren Effekt zu zeigen, fügte Bettel an. Sonst betraf der Großteil der Hospitalisierungen Menschen über 65 Jahre – dies sei nun erstmals nicht mehr der Fall. „Die Situation hat sich gedreht. Es liegen jetzt mehr unter 65-Jährige in den Krankenhäusern als Menschen über dieser Altersgrenze“, so Bettel. 

Gesundheitsministerin Lenert zu Luxemburgs Schnellteststrategie:

Neue freiwillige Impfliste 

Von über 90.000 Impfdosen seien bisher maximal pro Tag, 5 Prozent der Vakzine, am Ende des Tages übrig geblieben, so Bettel. Seit Freitag können sich Impffreiwillige auf einer weiteren Liste auf impfen.lu eintragen. „Auf dieser Warteliste haben sich zum jetzigen Standpunkt bereits 4.100 Menschen eingeschrieben“, so Bettel am Freitagnachmittag. 


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In diesem Fall geht es um die nicht verwendeten Impfdosen, die abends in den Impfzentren verfügbar sind. Damit will die Regierung vermeiden, dass überschüssiger Vakzin weggeschmissen werden muss. Die Zuteilung erfolgt auf dieser Liste nach neuen Kriterien: Die Freiwilligen müssen zwischen 18.30 Uhr und 19 Uhr verfügbar sein und – falls sie kontaktiert werden – binnen 20 Minuten im Zentrum vorstellig werden. Aus diesem Grund bleibe diese Liste den Einwohnern Luxemburgs vorbehalten, Grenzgänger sind ausgeschlossen.

Die Freiwilligen können die Einladung auf ihrer Handy- oder Festnetznummer erhalten. „Das Angebot richtet sich an Menschen zwischen 18 und 54 Jahren. Es wird nach dem Alter geimpft. Ältere kommen als Erste dran“, so Bettel. Die Eintragung gilt jeweils für eine Woche, wer nach sieben Tagen nicht kontaktiert wurde, muss sich erneut einschreiben. 

Geringere Wahrscheinlichkeit ranzukommen


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Die Chance, über diese Liste geimpft zu werden, sei jedoch geringer als bei der ersten Freiwilligenliste des Astrazeneca-Impfstoffs. „Es bleiben pro Tag um die 4-5 Impfdosen pro Impfzentrum abends übrig“, so Bettel. 81 Prozent von allen gelieferten Impfstoffen seien bereits geimpft worden. Sollten die angekündigten Impflieferungen wie versprochen in Luxemburg ankommen, können demnächst 164.000 weitere Menschen geimpft werden. Der Impfstoff von Johnson & Johnson könne für alle Menschen über 30 uneingeschränkt empfohlen werden, so Bettel über die Empfehlung des Conseil supérieur des maladies infectieuses.

Wer mit einem Restimpfstoff geimpft wird, erhält sofort auch eine Einladung für einen zweiten Impftermin mit dem gleichen Impfstoff. In Luxemburg gäbe es keine Mischimpfungen, erklärte Bettel. Auf der ersten Warteliste für den Astrazeneca-Impfstoff stehen derzeit rund 30.000 Menschen. Bettel selbst werde am Donnerstag mit Astrazeneca geimpft – auch er hatte sich auf der Warteliste eingeschrieben. 

Sollte sich die Situation nicht verschlechtern, könnten am Mittwoch bereits neue Lockerungen im privaten Umfeld angekündigt werden, so Bettel.

14,5 Millionen Schnelltests der neuesten Generation

„Tests sind immer noch eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus“, erklärte Gesundheitsministerin Paulette Lenert am Freitag. Die Regierung hat zum Beginn des Jahres 14,5 Millionen Schnelltests der neuesten Generation bestellt. Der Großteil davon gehe an Pflege- und Seniorenheime sowie an Schulen und an Betriebe. 

„Das Ziel bleibt wie damals bei den Masken gleich. Wir wollen diese flächendeckend in der Bevölkerung verteilen“, so Lenert. „Wenn diese regelmäßig angewendet werden, kann man dadurch in der Bevölkerung immer wieder positive Fälle rausfiltern.“ Dementsprechend sollen diese beim betreten von Krankenhäusern und Altersheimen systematisch angewandt werden. 


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Es gibt zwei Arten der Schnelltests – die einen kann man selbst durchführen, bei den anderen müssen die Proben von medizinischem Personal im hinteren Nasenhöhlenbereich entnommen werden. Man arbeite derzeit darauf hin, dass in der Schule zweimal pro Woche getestet werden könne. Auch im Sport und im Horesca-Bereich seien Schnelltests ein wichtiges Mittel, um mehr Freiheiten zu zulassen. Die positiven Resultate der medizinischen Schnelltests müssen gemeldet werden und mit einen PCR-Test bestätigt werden. “Schnelltests geben eine kleine Garantie, aber keine hundertprozentige Sicherheit“, ergänzte Premierminister Bettel. 

Die Regierung habe außerdem eine Notreserve an Schnelltests, die es im Falle einer rapiden Verschlimmerung erlauben würde, die gesamte Bevölkerung innerhalb von einer Woche zweimal durchtesten zu können

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Es gelte, die luxemburgische Bevölkerung vor der indischen Variante zu schützen und gleichzeitig dem Land zu helfen. Daher entsende Luxemburg 58 Beatmungsgeräte an Indien, erklärte Bettel. „Die größte Sorge bleiben die verschiedenen Virus-Varianten“, fügte Bettel an. Sowohl die brasilianische als auch die indische Variante seien in Luxemburg mithilfe der Genom-Sequenzierung eingedämmt. „Wir können mit unseren Ressourcen die verschiedenen Varianten schnell erkennen und die Übertragungsketten brechen“, erklärte Lenert. 

Vorsichtshalber werden die Einreisebestimmungen für Reisende aus Indien verschärft, so Lenert. Bereits vor der Abreise müsse ein negativer Test vorgelegt werden. Bei der Ankunft ist man dann verpflichtet, sich sieben Tage in die Quarantäne zu begeben. Nach dieser Frist muss ein erneuter Test das negative Ergebnis bestätigen.

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