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Mehr als 100.000 Akten im alten Geheimdienstarchiv
Politik 2 Min. 06.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Mehr als 100.000 Akten im alten Geheimdienstarchiv

Die Historiker Nadine Geisler und Jean Reitz haben zwei Jahre lang die Altbestände des Geheimdienstarchivs untersucht. Am Donnerstag haben sie ihren Abschlussbericht vorgestellt.

Mehr als 100.000 Akten im alten Geheimdienstarchiv

Die Historiker Nadine Geisler und Jean Reitz haben zwei Jahre lang die Altbestände des Geheimdienstarchivs untersucht. Am Donnerstag haben sie ihren Abschlussbericht vorgestellt.
Foto: Tessy Hansen
Politik 2 Min. 06.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Mehr als 100.000 Akten im alten Geheimdienstarchiv

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Am Donnerstag wurde der Abschlussbericht zu den Altbeständen des Geheimdienstarchivs im Parlament vorgestellt. Die Forscher haben 116.438 Dokumente gefunden. Dabei hat die Arbeit der Historiker erst begonnen.

116.438 Dokumente haben die beiden Historiker Nadine Geisler und Jean Reitz in den Altbeständen des Geheimdienstes gefunden. 6.438 Unterlagen beziehen sich auf luxemburgische Bürger oder Firmen. Hinzu kommen noch einmal 21.591 alte Dokumente von der Autorité nationale de sécurité (ANS).

Die Dokumente stammen allesamt aus den Jahren 1960 bis 2000. Die Einträge erfolgten in der Hauptsache vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Meistens geht es denn auch um Menschen, Organisationen oder Unternehmen, die Kontakte zu dem ehemaligen Ostblock hatten.

Die Historiker Nadine Geisler und Jean Reitz haben die Altbestände des Geheimdienst-Archivs zwei Jahre lang untersucht.
Die Historiker Nadine Geisler und Jean Reitz haben die Altbestände des Geheimdienst-Archivs zwei Jahre lang untersucht.
Foto: Chambre des députés

Unter den Dokumenten befinden sich Einträge unter Papierform, aber auch Mikrofiches und Mikrofilme.  Das gesamte Material war 2013 im Verlauf der Geheimdienstaffäre auf Betreiben des Untersuchungsausschusses beschlagnahmt und erst einmal ins Nationalarchiv verbracht worden, damit die historisch interessanten Dokumente gesichert werden können.


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Im Nationalarchiv lagern sie bis heute.  Dort haben die beiden Historiker die Bestände untersucht. Ihr Auftrag basiert auf dem Gesetz vom 23. Juli 2016, das als Folge der Srel-Affäre den Umgang mit den alten Geheimdienstdokumenten regelt. Allerdings waren in dem Gesetz nur zwei Jahre für ihre Arbeit vorgesehen.

Die Zeit war viel zu kurz bemessen, erklärten Nadine Geisler und Jean Reitz am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Abschlussberichts. Premierminister Xavier Bettel (DP) und die Vorsitzende des Geheimdienstkontrollausschusses, Martine Hansen (CSV),  sind sich bewusst, dass noch Handlungsbedarf besteht. Wie genau es weitergehen soll, ist allerdings noch nicht klar. Darüber sollen die Mitglieder der Geheimdienstkontroll- und der Verfassungskommission erst einmal beraten.

Ein riesiges Durcheinander

Die Zeit war auch deshalb zu knapp, weil "ein riesiges Durcheinander" herrschte, wie Reitz betonte. Bei einigen Dokumenten gab es nur die Originale, anderen lagen nur in Form von Kopien vor. Bei wiederum anderen Unterlagen gab es sowohl eine Kopie als auch das Original.


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Ein ähnliches Durcheinander stellten die beiden Historiker auch bei den betroffenen Personen fest. Einige tauchen mehrmals auf, etwa wenn Frauen sowohl unter ihrem Mädchennamen als auch unter dem Namen ihres Ehemanns geführt wurden. "Wir haben ein Jahr gebraucht, um zumindest ansatzweise die Logik hinter der Erfassung zu erkennen", erklärten Nadine Geisler und Jean Reitz weiter.

Und weil die Fülle des Materials in der Kürze der Zeit nicht wissenschaftlich ausgewertet werden konnte, haben sich die Forscher zunächst auf eine Bestandsaufnahme beschränkt. Und auch dabei ist es ihnen nicht gelungen, Ordnung ins Chaos zu bringen. Sollte das Parlament den Auftrag der Historiker verlängern, wovon auszugehen ist, sollen die Bestände in einer Etappe definitiv sortiert werden, bevor mit der wissenschaftlichen Auswertung begonnen wird.



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