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Medienerziehung: Ist das noch Fakt oder schon Meinung?
Schon im frühen Alter werden Kinder mit einer Vielzahl von Medien umgeben.

Medienerziehung: Ist das noch Fakt oder schon Meinung?

Foto: Getty Images
Schon im frühen Alter werden Kinder mit einer Vielzahl von Medien umgeben.
Politik 2 Min. 09.02.2018

Medienerziehung: Ist das noch Fakt oder schon Meinung?

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
In der digitalen Welt sind wir so gut vernetzt und informiert wie nie zuvor. Doch was faktenbezogene Nachricht und was lediglich Deutung ist, erscheint umso schwieriger. Die LSAP-Abgeordnete Taina Bofferding plädiert deshalb für mehr Medienerziehung in den Schulen.

(ps) - Als ein Journalist eine Frage an die Lehrerin Mireille Duprel stellt, reicht Taina Bofferding zunächst die Mikrofone von RTL und Radio 100,7 an ihre Kollegin weiter. Die Kabel verheddern sich. Bofferding blickt mit einem leicht gezwungenen Lächeln in Richtung Journalisten und sagt: „Bei der nächsten Frage tauschen wir doch lieber die Plätze.“ Als sie dann noch ein weiteres Mikrofon an ihre Kollegin übergeben muss und das Kabel sich erneut verfängt, reicht es der LSAP-Abgeordneten: „Jetzt tauschen wir die Plätze.“

Der Umgang mit den Medien ist kein leichter – auch nicht für erfahrene Politiker. Taina Bofferding plädiert deshalb dafür, mediale Kompetenzen besser zu vermitteln. Und zwar bereits in den Schulen, im Kindesalter. Ihr Ziel: die Schüler sollen sowohl in der Grundschule als auch im Sekundarunterricht das Fach Medienerziehung absolvieren.

Darin sollen sie journalistische Grundkenntnisse sowie einen Überblick zur Luxemburger Medienwelt erhalten. Welche Medienhäuser gibt es? Welche politischen Nähen sind vorhanden, was ist die Blattlinie? Aber auch die kritische Textkompetenz der Schüler soll gestärkt werden, um zu analysieren, mit welchen Bausteinen der Journalist oder Autor die Texte erstellt hat. Welche Quellen werden zitiert – ist das noch Faktum oder schon Meinung? „Wenn wir den Schülern schon früh eine solche Medienerziehung vermitteln, können wir das Problem von Fake news effektiv bekämpfen“, so Bofferding.

Meisch nicht abgeneigt

Die Idee der LSAP-Abgeordneten ist nicht neu. Bereits seit Jahren diskutieren Experten und Politiker über eine bessere Medienerziehung in den Schulen – noch am vergangenen Wochenende hat der DP-Abgeordnete Eugène Berger im „Luxemburger Wort“ für Ähnliches plädiert.

„Manche Fächer sind etwas angestaubt, modernere Programme täten gut.

Bildungsminister Claude Meisch (DP) ist derartigen Ideen nicht abgeneigt. Im Gegenteil. Er begrüßt die Initiative von Taina Bofferding. Allerdings weist er darauf hin, dass Medienerziehung schon längst Bestandteil in den Schulen ist. Sowohl in Form der klassischen Textanalyse und -kritik im Sprachenunterricht, aber mittlerweile auch im neuen Fach Leben und Gesellschaft. „Gerade hier versuchen wir den kritischen Geist zu fördern“, so Meisch. Zudem ist Ende 2016 das Zentrum für politische Bildung gegründet worden, das explizit einen solchen Bildungsauftrag hat.

Kurz: Meisch hält ein neues Fach für wenig sinnvoll, sondern bevorzugt einen transversalen Ansatz. Sprich: die Verteilung der Medienvermittlung auf mehrere Fächer. Allerdings gesteht Meisch: „Manche Fächer sind etwas angestaubt, modernere Programme täten gut.“

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