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Méco fordert konkrete Schlussfolgerungen
Politik 2 Min. 05.07.2017 Aus unserem online-Archiv
"Rifkin-Prozess"

Méco fordert konkrete Schlussfolgerungen

Im November 2016 stellte der Soziologe Jeremy Rifkin seine Studie zur „dritten industriellen Revolution“ in Luxemburg vor.
"Rifkin-Prozess"

Méco fordert konkrete Schlussfolgerungen

Im November 2016 stellte der Soziologe Jeremy Rifkin seine Studie zur „dritten industriellen Revolution“ in Luxemburg vor.
Foto: Gerry Huberty
Politik 2 Min. 05.07.2017 Aus unserem online-Archiv
"Rifkin-Prozess"

Méco fordert konkrete Schlussfolgerungen

Christoph BUMB
Christoph BUMB
Wenn der sogenannte Rifkin-Prozess auch ein begrüßenswerter Ansatz sei, vermisst der "Mouvement Ecologique" darin die konkreten politischen Schlussfolgerungen. Zudem beruhe die "dritte industrielle Revolution" zum Teil auf falschen Prämissen.

(CBu) - Der sogenannte Rifkin-Prozess sei ein begrüßenswerter Ansatz, sagt Blanche Weber. Sich mit der nachhaltigen Gestaltung der Gesellschaft zu beschäftigen, sei an sich eine „gute Sache“. Man müsse anerkennen, dass die Regierung diesen Prozess in die Wege geleitet und damit neuen Schwung in die politische Debatte gebracht habe.

Wie so oft formuliert die Präsidentin des „Mouvement Ecologique“ (Méco) jedoch ein großes „Aber“. Denn bei genauerem Hinsehen sei beim Weg zur dritten industriellen Revolution nur wenig Konkretes zu erkennen.

Keine "Revolution"

„Uns fehlen reelle Anreize zur Zukunftsgestaltung des Landes“, sagte Weber am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Zudem stelle der nach dem Soziologen und Politikberater Jeremy Rifkin benannte Prozess das aktuelle Wachstumsmodell der westlichen Welt nicht konsequent in Frage. Weber meint damit vor allem das Mantra der Effizienzsteigerung. Dies könne in vielen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft zwar positive Effekte haben, reiche aber bei weitem nicht aus, um bei den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz eine „Revolution“ einzuleiten.

Der Méco erinnert hierbei daran, dass es in seinen Augen kein „ressourcenschonendes Wachstum“ gebe. Die vor allem in Luxemburg akuten Probleme des Verkehrs, des fehlenden Wohnraums oder der begrenzten Wasserressourcen ließen sich nicht allein mit Effizienz und technischer Innovation lösen.

Blanche Weber gibt dennoch zu, dass bei vielen Themen, die derzeit in diversen, von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppen besprochen werden, lange bestehende Kernforderungen des Méco eine Rolle spielen würden. Allerdings sei keineswegs abzusehen, welche Schlussfolgerungen aus der Rifkin-Studie überhaupt zurückbehalten werden sollen.

Kritik an Arbeitsgruppen

Man verfolge die Diskussionen der Arbeitsgruppen gespannt, sagt Weber. Dabei wundere man sich einerseits über die Tatsache, dass etwa beim Thema „Sharing economy“, einem Kernstück des Rifkin-Konzeptes, keine Arbeitsgruppe eingesetzt worden sei. Generell werde man bisher in der Annahme bestätigt, dass der ganze Prozess von der Politik eher als unverbindlicher Reflexions- statt als strukturierter Entscheidungsprozess verstanden werde. „Der Rifkin-Prozess muss mehr als nur ein Denkanstoß sein“, fordert die Präsidentin des Méco.

In diesem Sinn erinnert sie auch nochmals an die Aussage von Wirtschaftsminister und Vizepremier Etienne Schneider (LSAP), wonach die Schlussfolgerungen des Prozesses für die Regierung zwar wichtig, aber nicht bindend seien.

Ausgeblendete soziale Folgen

Schließlich betont der Méco in einer ausführlicheren Stellungnahme, dass nahezu alle Aspekte der dritten industriellen Revolution im Grunde zu einem Überdenken des eigenen Wirtschafts- und Sozialmodells anregen müssten. Diese Reflexionen würden durch das Aufgreifen technischer Innovationen nicht ersetzt, heißt es weiter.

Beispiel Digitalisierung: Die Veränderung der Arbeitswelt durch digitale Technologien dürfe nicht nur aus technischer und ökonomischer Perspektive betrachtet werden, sagt Weber. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft, den Datenschutz, die Privatsphäre und nicht zuletzt die Psyche der Menschen müssten bei jedem Schritt bedacht werden.

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