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Massive Mobilisierung gegen Reform der Krankenpflegerausbildung
Politik 01.06.2021

Massive Mobilisierung gegen Reform der Krankenpflegerausbildung

Im Gesundheitssektor hat sich eine breite Front gegen die geplante Krankenpflegerausbildung gebildet. Acht Berufsverbände fordern, dass die Reform neu aufgerollt und mit ihnen zusammen ausgearbeitet wird.

Massive Mobilisierung gegen Reform der Krankenpflegerausbildung

Im Gesundheitssektor hat sich eine breite Front gegen die geplante Krankenpflegerausbildung gebildet. Acht Berufsverbände fordern, dass die Reform neu aufgerollt und mit ihnen zusammen ausgearbeitet wird.
Foto: Shutterstock
Politik 01.06.2021

Massive Mobilisierung gegen Reform der Krankenpflegerausbildung

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Im Gesundheitssektor regt sich heftiger Widerstand. Ein Dutzend Organisationen haben am Dienstag zum Protest gegen die Reform der Krankenpflegerausbildung aufgerufen.

„Es ist die massivste Mobilisierung im Gesundheitssektor seit 20 Jahren“, sagt Gilles Evrard, Vorsitzender der „Association luxembourgeoise des enseignants pour professions de santé“ (Aleps). Die Aleps ist einer von insgesamt acht Berufsverbänden, die am Dienstagnachmittag in der Hauptstadt gegen die geplante Reform der Krankenpflegerausbildung protestieren. Unterstützt werden sie dabei vom OGBL, dem LCGB, der Studentenunion Unel und der Patientevertriedung. 


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Das Datum der Protestaktion kommt nicht von Ungefähr, denn am Dienstagnachmittag findet die öffentliche Anhörung zur Petition 1811 statt. Sie wurde von einem Student lanciert, der am „Lycée technique pour professions de santé“ (LTPS) die Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert, und hat mehr als 4.500 Unterschriften erreicht. Die Anhörung findet im Beisein der zuständigen Minister Claude Meisch (Hochschule) und Paulette Lenert (Gesundheit) statt.  Der Student fordert, dass die aktuelle BTS-Ausbildung zugunsten einer einzigen Bachelorausbildung abgeschafft wird.

Nun sieht die Reform tatsächlich eine Krankenpflegerausbildung auf Bachelor-Niveau vor. An sich also eine gute Sache, weil es der Forderung aus dem Gesundheitssektor entspricht. Allerdings soll die bisherige BTS-Ausbildung (Brevet de technicien supérieur) am LTPS wie gehabt fortgeführt werden. Hinzu kommt eine dritte Krankenpflegerausbildung, die sich „Infirmier plus“ nennt. 

Man sieht, dass die Reform von Menschen ausgearbeitet wurde, die keine Praxiserfahrung haben.

Gilles Evrard, Aleps

Für die Berufsverbände ist das „Gebastels“. Die Reform sei inkohärent, nicht durchdacht, und strotze nur so von logischen Denkfehlern, wie Gilles Evrard sagt. „Man sieht, dass die Reform von Menschen ausgearbeitet wurde, die keine Praxiserfahrung haben.“ 

Die Berufsverbände fordern eine einzige Bachelorausbildung für den Krankenpfleger und weitere Spezialisierungen auf Masterebene, „wie es auch im Ausland der Fall ist“, so Gilles Evrard. Drei verschiedene Ausbildungen mit jeweils unterschiedlichen Kompetenzzuschreibungen führe unweigerlich zu Ausbildungs- und Orientierungschaos, sagt er. Zudem fehle das Fachpersonal, um die Ausbildungen parallel laufen zu lassen.


Luxemburg ist im Gesundheitsbereich auf die Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen und möchte nun selbst mehr Personal ausbilden. Die Reform soll die Ausbildung attraktiver machen.
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Die Berufsverbände und ihre Unterstützerorganisationen sind sich einig, dass die Reform in ihrer jetzigen Form vom Tisch muss. Sie fordern ein kohärentes und transparentes Ausbildungssystem im Gesundheitsbereich. Und sie wollen in die Reformpläne eingebunden werden. 

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