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Martine Hansen: "In der Krise erwarten die Leute Klarheit"
Politik 3 Min. 02.05.2020

Martine Hansen: "In der Krise erwarten die Leute Klarheit"

Martine Hansen (l.) und Paulette Lenert.

Martine Hansen: "In der Krise erwarten die Leute Klarheit"

Martine Hansen (l.) und Paulette Lenert.
Fotos: Guy Jallay / Guy Wolff
Politik 3 Min. 02.05.2020

Martine Hansen: "In der Krise erwarten die Leute Klarheit"

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Gesundheitsministerin Paulette Lenert und CSV-Oppositionsführerin Martine Hansen trafen im RTL-Interview aufeinander.

Am Samstagvormittag hatte RTL Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und CSV-Oppositionsführerin Martine Hansen zum Gespräch gebeten. Die beiden Politikerinnen zeigten in der aktuell schwierigen Situation eine gewisse Einigkeit insoweit, dass die Bevölkerung lernen müsse, "Mit dem Virus zu leben". Hansen lobte Lenert zunächst für ihre Arbeit in der Krise: "Auch einer Oppositionsführerin bricht kein Zacken aus der Krone, wenn sie eine anhätte, das zuzugeben" - auch wenn das natürlich die Oppositionsarbeit nicht eben einfacher mache. Die CSV sei aber bemüht, konstruktiv daran mitzuarbeiten, dass man zusammen gegen das Virus vorgehen könne und dabei den Menschen in den Mittelpunkt stelle, so Hansen. Allerdings hätte sie sich durchaus gewünscht, mehr eingebunden zu sein, anstatt immer nur informiert zu werden. 


Lok , Coronavirus , Sars-CoV-2 , Covid-19, Xavier Bettel und Paulette Lenert besuchen Hopital Kirchberg , Hopitaux Robert Schuman , Mundschutz , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Gefährliches Schweigen
Wer Familien an die Grenze der Belastung treibt, braucht tiefes Vertrauen, aber vor allem eine gute und offene Kommunikation. Genau das fehlt der Regierung.

Lenert erklärte daraufhin, die Regierung sei bemüht, alle Fragen zu beantworten, auch wenn nicht immer Zeit für eine schriftliche Auseinandersetzung sei. Durch die Kooperatrion mit der Luxemburger Universität habe man allerdings einen großen Schritt in Sachen Transparenz erreicht. Und diese detaillierten Auswertungen bräuchten eben Zeit, so Lenert. 

Geduld gefragt

Geduld forderte die Gesundheitsministerin auch für die nächste Zeit: Noch könne man nicht genau sagen, was das "Confinement" gebracht habe, auch wenn die Zahlen sich in die richtige Richtung bewegten, sei weiterhin Vorsicht geboten. 

Wann darf ich meine Verwandten wieder sehen, wann darf ich mein  Geschäft wieder aufmachen und wovon hängt das ab? Die Leute wollen wissen, wonach sie sich richten können.  

Martine Hansen

Hansen forderte dennoch eine bessere Kommunikation der Entscheidungsgrundlagen. "Es ist an der Zeit, Gesundheit, Freiheit und Wirtschaft unter einen Hut zu bekommen. Wir müssen Planungssicherheit schaffen. Wann darf ich meine Verwandten wieder sehen, wann darf ich mein  Geschäft wieder aufmachen und wovon hängt das ab? Die Leute wollen wissen, wonach sie sich richten können." Zudem brauche es detaillierte Information über Vorsichtsmaßnahmen und Hilfspakete. "Ich weiß, dass das viel verlangt ist, aber wir müssen damit leben." Auch einige Maßnahmen seien schlicht nicht nachvollziehbar, zum Beispiel Verbote für Autofahrer aber nicht für Motorradfahrer.  

Es gehe darum, in der Lockerung ein Gleichgewicht zu finden, so Lenert. Der strenge "Bleift doheem" sei rückblickend nicht übertrieben gewesen.

"Lenert: Wir testen auch die Tests"

CSV-Politikerin Hansen bemängelte auch in der Frage der Tests die Kommunikation der Regierung. Anfangs habe es geheißen, es sollen nur Personen getestet werden, die Symptome aufweisen, jetzt sei das anders. 


Prof. Dr. Ulf Nehrbass, directeur du LIH et représentant de la Task Force COVID-19 Research Luxembourg
Der entscheidende Beitrag zur Lockerung
Prof. Dr. Ulf Nehrbass erklärt, was es mit der großen Bevölkerungsstudie auf sich hat: Ein Projekt der Forschung, aber kein Forschungsprojekt.

Das sei der veränderten Lage geschuldet, entgegnete die Gesundheitsministerin. "Da ist viel Entwicklung dabei", so Lenert. "Das Virus ist neu, die Tests sind neu. Wir testen permanent auch die Tests." Mittlerweile sei die Fehlerquote viel geringer als zu Beginn der Krise. Auch die Erkenntnis, dass es tatsächlich asymptomatische Patienten gebe, sei vergleichsweise neu. "Ich habe aber Verständnis dafür, dass das oft als Widerspruch wahrgenommen wird." Grundsätzlich sei der Sinn von Tests, die Entscheidungen der Regierung zu begleiten. Das Virus sei noch nicht unter Kontrolle, warnte Lenert.

Angersprochen auf die Frage, wie die Verbreitung des Virus nachvollzogen werde, antwortete Lenert, dass es derzeit noch möglich sei, diese "Spurensuche" manuell, also telefonisch duerch Befragungen Infizierter,  durchzuführen. 

Ob das reicht? Martine Hansen ist skeptisch. Manuelles Tracing sei langsam und in den Kapazitäten eingeschränkt. Eine Tracing-App dürfe man als Mittel, um den Prozess zu verbessern "nicht aus den Augen verlieren" auch wenn sie selbst "kein Fan davon" sei. Allerdings müsse in beiden Varianten natürlich der Datenschutz gewährleistet sein. 

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