Luxemburger Delegation in Tambow: Die Erinnerung weitergeben
Das Mahnmal in Tambow erinnert an das Schicksal der 1.021 Zwangsrekrutierten, die im Lager 188 inhaftiert waren.

Luxemburger Delegation in Tambow: Die Erinnerung weitergeben

Foto: Dani Schumacher
Das Mahnmal in Tambow erinnert an das Schicksal der 1.021 Zwangsrekrutierten, die im Lager 188 inhaftiert waren.
Politik 1519.10.2017

Luxemburger Delegation in Tambow: Die Erinnerung weitergeben

Danielle Schumacher
Danielle Schumacher

Am Mittwoch besuchte eine luxemburgische Delegation zusammen mit Premierminister Bettel das Mahnmal für die luxemburgischen Zwangsrekrutierten in Tambow. Der Zugang zum russischen Militärarchiv wird neue Erkenntnisse über deren Schicksal liefern.

(DS) - Es ist kalt. Die Besucher vor dem Denkmal schlagen die Kragen hoch. Dann verfängt sich der eisige Wind in dem Kranz, den Premierminister Xavier Bettel vor dem Mahnmal für die Luxemburger Zwangsrekrutierten in Tambow niedergelegt hat. Das Blumengebinde sinkt zu Boden. Ein Mitglied der russischen Delegation springt hin und richtet es schnell wieder auf. Vergeblich, der Wind reißt die Blumen noch einmal zu Boden. Der Russe bückt sich erneut und stellt den Kranz ein zweites Mal aufrecht. Diesmal bleibt er daneben stehen und hält das Gebinde fest, ganz so, als würde der Wind nicht nur den Kranz mitreißen, sondern auch die Erinnerung.

Dabei geht es an diesem Oktobertag gerade darum, die Erinnerung an die Ereignisse vor mehr als 70 Jahren wachzuhalten. Jean-Pierre Dohm und sein Enkel Christophe stehen geradezu exemplarisch für den Kampf gegen das Vergessen. Der heute 94-jährige Zeitzeuge, der zwischen 1943 und 1945 im russischen Lager Nr. 188 bei Rada inhaftiert war, hat seine Erinnerung bereits an die dritte Generation weitergegeben.

Zugang zum russischen Militärarchiv

Dohm war auch dabei, als das Luxemburger Mahnmal für die „Tambower“ 2012 eingeweiht wurde. Anfang dieser Woche ist er mit seinem Enkel, mit Paul Scholer und mit Vic Steichen von der „Amicale des anciens de Tambow“ noch einmal zurückgekehrt.

Sie alle gehörten zur Delegation um Premier Xavier Bettel und Vizepremier Etienne Schneider, die zwischen dem 16. und dem 18. Oktober nach Russland gereist waren. Neben den politischen Unterredungen ging es bei der Reise vor allem um die Aufarbeitung eines leidvollen Kapitels der Luxemburger Geschichte.

Die Aufarbeitung könnte demnächst einen großen Schritt vorankommen. Vor dem Abflug nach Tambow war in Moskau ein Abkommen mit dem russischen Militärarchiv unterzeichnet worden, das den Forschern Einblick in die persönlichen Unterlagen der 1 021 „Tambower“ ermöglicht. Die Originaldokumente werden demnächst in digitaler Form zugänglich gemacht. 75 Jahre nach dem Beginn der Zwangsrekrutierung erhoffen sich die Historiker endlich neue Erkenntnisse in dieser komplexen Materie.

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