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Luxemburg: Wie eine zweite Corona-Welle vermieden werden kann
Politik 3 Min. 29.06.2020

Luxemburg: Wie eine zweite Corona-Welle vermieden werden kann

Private Feierlichkeiten sind solche Veranstaltungen, die den größten Impakt auf eine neuerliche Ausbreitung der Covid-19-Epidemie haben, warnen die Liser-Forscher.

Luxemburg: Wie eine zweite Corona-Welle vermieden werden kann

Private Feierlichkeiten sind solche Veranstaltungen, die den größten Impakt auf eine neuerliche Ausbreitung der Covid-19-Epidemie haben, warnen die Liser-Forscher.
Symbolbild: Pixabay
Politik 3 Min. 29.06.2020

Luxemburg: Wie eine zweite Corona-Welle vermieden werden kann

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Eine Analyse von Liser-Forschern für die Zeit nach den Lockerungen ergibt fünf Empfehlungen, wie der Anstieg der Kurve neuer Covid-19-Infektionen verhindert werden kann.

Bei Ausbruch der Corona-Krise haben sich verschiedene Forschungseinrichtungen in der Covid-19-Task-Force zusammengeschlossen, um die Situation in Luxemburg wissenschaftlich zu begleiten. Darunter auch das Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (Liser), das kürzlich eine Analyse der Auswirkungen der Lockerungsmaßnahmen veröffentlichte, die sich mit der Erholung aus der Covid-Krise aus epidemiologischer Sicht befasst.

„Angesichts der Trends, die in den vergangenen Wochen beobachtet werden konnten, können wir relativ optimistisch sein, dass die meisten ökonomischen Lockerungsmaßnahmen keine zweite Welle der Pandemie auslösen“, schreiben die beiden Forscher am Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (Liser), Michał Burzynski und Frédéric Docquier.

Verbreitungsrisiken vor allem im gesellschaftlichen Leben

Anders dagegen bei den Maßnahmen, die es erlaubten, das soziale Leben wieder aufzunehmen und in einem geringeren Ausmaß die Wiederöffnung des Horesca-Sektors: Sie beinhalten Effekte, die eine gewisse Unsicherheit bergen. Aus diesem Grund sprechen die Forscher fünf Empfehlungen aus, um einen Wiederanstieg der Infektionskurve in der direkten Folgezeit der Lockerungen zu vermeiden (s. Info-Box).


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Sie weisen aber darauf hin, dass man sich auf Neuland bewegt und die Begleitmaßnahmen verschärft werden müssen, wenn die Infektionsrate schnell ansteigt, bis ein Impfstoff verfügbar ist. Auf der anderen Seite könnten sie auch gelockert werden, wenn sich herausstellt, dass das höhere soziale Distanzierungs- und Präventionsverhalten der Bevölkerung sich als dauerhaft und nachhaltig herausstellt.

Balance zwischen Menschenleben und Wirtschaft retten

In ihrer Analyse erklären die Forscher die Zusammenhänge, die zu ihrer Analyse führten. So würde die Covid-19-Krise zu managen, oft als Balanceakt empfunden zwischen den Zielen, Menschenleben zu retten und die Wirtschaft zu retten. Das Problem sei allerdings komplex, denn beides greift ineinander. Ohne die Interventionen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit, hätte allein ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems Panik ausgelöst, einen systemischen Crash des ganzen internationalen Schuldennetzwerks und eine noch schlimmere Rezession bewirkt.

Umgekehrt und trotz epidemiologischer Risiken sei die wirtschaftliche Wiederbelebung notwendig, um das Gesundheitssystem finanziell zu unterhalten, um systemische Konkurse zu verhindern und die indirekten Auswirkungen, die wirtschaftliche Schäden wegen des Lockdowns auf die mentale Gesundheit und das Leben der Menschen haben, zu begrenzen.

Jede Woche Lockdown:  28 Prozent weniger Produktion

Jetzt, wo die Übertragungsrate niedrig sei und viele Beschränkungen gelockert wurden, müsste dem Risiko eines Wiederanstiegs der Infektionskurve vorgegriffen und angemessene Begleitmaßnahmen ergriffen werden. Hilfreich könnte hier das neue Modell sein, das die zwei Facetten der Covid-19-Krise verbindet: Parameter von Luxemburgs Wirtschaft unter Berücksichtigung der grenzüberschreitenden Arbeitsbewegungen innerhalb der Großregion nutzend wird dieses epidemiologische Modell genutzt, um die Effekte auf die öffentliche Gesundheit und die Ökonomie Woche für Woche über das Jahr 2020 zu erfassen und vorauszusagen.


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Dabei zeige die Voraussage in Echtzeit, dass jede Woche des Lockdowns die gesamtwirtschaftliche Produktion um ungefähr 28 Prozent reduziert wird – 0,54 Prozent des BIP. Die am meisten betroffenen Wirtschaftszweige waren der Bausektor, der Horesca-Sektor und der Handel. Die Studie zeigt auch, dass in einer Wirtschaft, die stark auf wissensintensiven Dienstleistungen beruht, die Telearbeit dazu beitrug, die Virusverbreitung zu reduzieren und die wöchentlichen Produktionsverluste fast zu halbieren.

Für die kommende Zeit sagen die Forscher voraus: „Es besteht ein signifikantes Risiko, dass die Wiederaufnahme der sozialen Aktivitäten und zu einem geringeren Ausmaß die Dichte der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz eine zweite Covid-19-Welle bewirken könnten. Das müsste mithilfe der Empfehlungen verhindert werden. 

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