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Luxemburg? Nie gehört!
Leitartikel Politik 2 Min. 30.08.2014

Luxemburg? Nie gehört!

Fernand MORBACH
Fernand MORBACH
Ob sie ihren Sommerurlaub in der Türkei, in Deutschland oder in Amerika verbrachten – viele Luxemburger machten in den „schönsten Wochen des Jahres“ wieder einmal eine Erfahrung, die am Selbstbewusstsein nagt: Beim Gespräch mit Türken, Deutschen oder Amerikanern merkt man schnell, dass außerhalb der Grenzen des Großherzogtums nur ein verschwindend geringer Teil der Menschen etwas mit dem Begriff Luxemburg anfangen kann.

Ob sie ihren Sommerurlaub in der Türkei, in Deutschland oder in Amerika verbrachten – viele Luxemburger machten in den „schönsten Wochen des Jahres“ wieder einmal eine Erfahrung, die am Selbstbewusstsein nagt: Beim Gespräch mit Türken, Deutschen oder Amerikanern merkt man schnell, dass außerhalb der Grenzen des Großherzogtums nur ein verschwindend geringer Teil der Menschen etwas mit dem Begriff Luxemburg anfangen kann. Die Wissenslücken sind nach wie vor groß – trotz Europa, trotz des Finanzplatzes, trotz Juncker, trotz der hierzulande weit verbreiteten Auffassung, Luxemburg sei der Nabel der Welt.

Dem Großherzogtum ist es bislang nicht wirklich gelungen, seinen Bekanntheitsgrad entscheidend zu steigern. Das „Nation Branding“ lässt grüßen. Doch auch im Jahr 2014 ist diese Erkenntnis für die Luxemburger Tourismusbranche mit einer großen und eigentlich simplen Chance verbunden: Es kann alles nur noch besser werden – vorausgesetzt das Land schafft es, mit schlüssigen Werbe- und Marketingkonzepten die potenziellen Besucher zu erreichen, anzusprechen und anzulocken.

Dass das Tourismusministerium und das „Office national du tourisme“ (ONT) auf dem richtigen Weg sind, belegen die jüngsten Zahlen: Auf der einen Seite kommen wieder mehr und sogar neue Touristen, auf der anderen Seite sind die durchschnittlichen Übernachtungspreise gestiegen. Bedanken darf sich die Branche auch bei den früheren Tourismusministern und den früheren Regierungen. Sie legten die Grundsteine und stellten das ONT neu auf.

Allerdings bedeuten diese positiven Signale nicht, dass im Tourismusbereich nun alles im grünen Bereich ist. Im Gegenteil. Die Liste der Aufgaben, die erledigt werden müssen, ist nach wie vor lang. In den vergangenen Jahren vernachlässigte Luxemburg beispielsweise den Kongress-Tourismus. Es gab immer wieder gute Ansätze, irgendwie blieb das Glas aber stets halb leer, beziehungsweise wurde es nur halb voll.

Die für den Fremdenverkehr zuständige Staatssekretärin Francine Closener möchte dem Kongressgeschäft nun zu einem zweiten Frühling verhelfen – und wird es dabei mit einem anderen großen Problem zu tun bekommen: In Luxemburg gibt es nicht genügend Hotels aus der Vier- und Fünfsternekategorie. Ohne sie jedoch wird der Geschäftstourismus nur schwer auf die Sprünge kommen. Die ausländische Konkurrenz ist riesengroß und das Kongresszentrum auf dem Kirchberg allein reicht nicht, um die anspruchsvolle Klientel nach Luxemburg zu locken. Wenn es der Regierung ernst gemeint ist, muss sie sich originelle Rezepte im Kampf gegen den Hotelmangel und das Hotelsterben einfallen lassen. Gutes Marketing reicht in diesem Fall nicht.

Unabhängig davon wird der Fremdenverkehr eine Wachstumsbranche bleiben – mit hervorragenden Perspektiven. Aus den Fehlern der Vergangenheit (lange Jahre wurde beispielsweise der deutsche Markt vernachlässigt) hat man mittlerweile gelernt. Die neue Regierung wird nun das Kunststück fertig bringen müssen, sich nicht in den eigenen Fallstricken zu verheddern: Der eingeschlagene Weg ist der richtige. Marketing, Kampagnen, Werbung werden allerdings auch in Zukunft eine Menge Geld verschlingen – und genau das ist das Problem. Eine finanzielle Vollbremsung auf halbem Weg könnte die Erfolge der vergangenen Jahre in kürzester Zeit wieder zunichte machen.


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