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Luxemburg: Feilen an der Impfstrategie
Politik 3 Min. 02.12.2020

Luxemburg: Feilen an der Impfstrategie

Die EU-Kommission legte Mitte Oktober Schlüsselelemente vor, Luxemburg hat seine Hausaufgaben aber immer noch nicht gemacht.

Luxemburg: Feilen an der Impfstrategie

Die EU-Kommission legte Mitte Oktober Schlüsselelemente vor, Luxemburg hat seine Hausaufgaben aber immer noch nicht gemacht.
Foto: AFP
Politik 3 Min. 02.12.2020

Luxemburg: Feilen an der Impfstrategie

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die Regierung arbeitet noch an ihrer Impfstrategie, über die bislang wenig bis nichts bekannt ist. Dabei drängt die Zeit.

Während sich Minister in anderen Ländern schon vor Ort ein Bild von bereits eingerichteten Covid-19-Impfzentren machen, wird in Luxemburgs Gesundheitsministerium noch mit Hochdruck in verschiedenen Arbeitsgruppen an einer umfassenden Impfstrategie gearbeitet

Die Schlüsselelemente dafür wurden am 15. Oktober von der EU-Kommission vorgegeben, damit ein koordiniertes Vorgehen in allen EU-Ländern garantiert ist. Denn im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie hat die EU es fertiggebracht, tatsächlich an einem Strang zu ziehen: Die EU-Kommission ließ gewisse Quantitäten verschiedener Impfstoffe reservieren. 

Zunächst begrenzte Impfdosen 

Alle Mitgliedstaaten sollen gleichzeitig und abhängig von ihrer Bevölkerungszahl auf Impfstoffe zugreifen können, wobei dem Großherzogtum ein Anspruch auf 0,14 Prozent zusteht. Bis die Produktion aufgestockt werden kann, wird die Gesamtzahl der Impfstoffdosen allerdings begrenzt sein. 

Vor zwei Wochen sprach Premierminister Xavier Bettel (DP) von 45.000 Impfdosen, die Mitte Dezember für Luxemburg zur Verfügung stehen sollen. Das Gesundheitsministerium bestätigte dies gestern nicht. „Die Zahlen ändern sich jeden Tag“, hieß es aus der Villa Louvigny. 

EU-Kommission definiert Schlüsselelemente 

Die Vorlage der EU-Kommission sieht verschiedene Maßnahmen vor. So sollen die Impfdienste über geschultes Personal sowie medizinische und Schutzausrüstung verfügen, der Zugang zu den Impfstoffen soll problemlos und erschwinglich sein, die Bereitstellung von Impfstoffen mit unterschiedlichen Merkmalen sowie Lager- und Transporterfordernissen, insbesondere mit Blick auf die Kühlkette, soll gewährleistet sein und der Nutzen, die Risiken und die Bedeutung der Impfstoffe soll deutlich kommuniziert werden, um in der Öffentlichkeit Vertrauen aufzubauen


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Am Mittwoch meldete die Santé 672 Neuinfektionen und vier weitere Tote. Im Wochenrückblick sind die Zahlen leicht rückläufig - aber nur leicht.

Die EU-Kommission nennt auch – ohne Angabe einer Rangfolge – Beispiele für prioritäre Gruppen, die die Länder beachten sollten, wenn Impfstoffe bereitstehen: Gesundheits- und Pflegepersonal, über 60-Jährige, Menschen, bei denen aufgrund ihres Gesundheitszustands ein erhöhtes Risiko besteht, systemrelevantes Personal, Menschen, die die Abstandsregeln nicht einhalten können und stärker benachteiligte gesellschaftliche Gruppen. 

Luxemburgs Regierung hat aufgrund dieser Empfehlungen ein strategisches Vorgehen ausgearbeitet, das auch schon der Nationalen Ethikkommission vorgelegt wurde. Deren Gutachten wurde der Regierung bereits übergeben, muss nun noch vom Regierungsrat gebilligt werden und kann dann veröffentlicht werden. 

Wie Vulnerabilität nachweisen?

Die Impfstrategie muss neben den Fragen zur Priorisierung und Kategorisierung der zu impfenden Personen auch beantworten, wie beispielsweise eine Person ihre Vulnerabilität nachweisen kann, um geimpft zu werden – muss sie ein medizinisches Attest haben oder erhält sie eine staatliche Einladung und aufgrund von welchen Kriterien würde diese ausgestellt? 

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) verwies am vergangenen Montag in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des DP-Abgeordneten Gusty Graas zu dieser und anderen Fragen zur Impfstrategie der Regierung darauf, dass diese derzeit noch in Ausarbeitung sei. 

Diese Frage wird im Rahmen der Impfstrategie behandelt, die gerade ausgearbeitet wird.

Paulette Lenert

Wirtschaft, Die Lage in der Luftfrachbranche. Boom nur ein Strohfeuer, LuxairCargo, Luxair, Cargo, Cargolux, Frachtflugzeug, Coronavirus, COVID 19, foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
Impfstoff stellt Luxemburg vor Logistik-Problem
Hinter den Kulissen planen die Logistiker in Luxemburg und das Gesundheitsministerium, wie die verschiedenen Impfstoffe nach Luxemburg gebracht werden. Vor allem einer bereitet Kopfzerbrechen.

Sie werde einen detaillierten logistischen Plan enthalten, ob beispielsweise auch eine mobile Impfmannschaft für die Altenheime vorgesehen ist oder wie der Impfstoff von BioNTech/Pfizer bei minus 70 Grad gelagert und transportiert werden kann. Die personellen Kapazitäten für die Impfung würden abhängig davon angepasst, wann die Marktzulassungen der Agence Européenne des Médicaments (EMA) für die jeweiligen Impfstoffe vorliegen, heißt es kryptisch aus dem Gesundheitsministerium. 

Die CSV verlangte derweil schon vergangene Woche in einer Motion im Parlament, dass sämtliche Impfstoffe gratis sein sollen, dass die Regierung bis zum 15. Dezember eine kurz- und mittelfristige Impfstrategie inklusive einer klaren und begründeten Priorisierung der zu impfenden Personen vorlegen soll und dass die Hausärzte in diese Strategie eingebunden sein sollen.  

BioNTech-Impfstoff in Großbritannien zugelassen 

Denn eigentlich drängt die Zeit. Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel erteilte gestern als erstes Land in Europa dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer eine Notfallzulassung für deren Corona-Impfstoff BNT162b2. Ab Anfang nächster Woche wird er wohl in den Umlauf kommen. Am Montag hat BioNTech/Pfizer eine bedingte Zulassung bei der EMA für den EU-Markt beantragt und auch der US-Konzern Moderna stellte dort seinen Antrag für sein Produkt. 

Wie lange die Prüfungen dauern, ist unklar. Aber sollte die EMA dem stattgeben, könnten die Impfstoffe direkt ausgeliefert und noch im Dezember eingesetzt werden. Die endgültige Entscheidung trifft die EU-Kommission, die aber in der Regel der EMA-Empfehlung folgt. 

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