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LSAP und CSV: Neue Gesichter an der Spitze
Politik 5 Min. 22.02.2019 Aus unserem online-Archiv

LSAP und CSV: Neue Gesichter an der Spitze

Gesichter oder Inhalte? Ideen oder Spitzenkandidaten? Eine gute Wahlkampfstrategie ist die halbe Miete für einen Wahlerfolg. Eine der Aufgaben des Generalsekretärs ist es, eine Strategie für den Wahlkampf aufzubauen. Auch Félix Eischen (CSV) und Tom Jungen (LSAP) werden sich damit also beschäftigen müssen.

LSAP und CSV: Neue Gesichter an der Spitze

Gesichter oder Inhalte? Ideen oder Spitzenkandidaten? Eine gute Wahlkampfstrategie ist die halbe Miete für einen Wahlerfolg. Eine der Aufgaben des Generalsekretärs ist es, eine Strategie für den Wahlkampf aufzubauen. Auch Félix Eischen (CSV) und Tom Jungen (LSAP) werden sich damit also beschäftigen müssen.
Foto: Pierre Matgé
Politik 5 Min. 22.02.2019 Aus unserem online-Archiv

LSAP und CSV: Neue Gesichter an der Spitze

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Félix Eischen ist seit 1987 Mitglied der CSV, Tom Jungen besitzt seit 1992 eine Mitgliedskarte der LSAP. Seit Januar sind die beiden Generalsekretär ihrer Partei. Die beiden Politiker im Porträt.

Die Wahlen im vergangenen Herbst haben gezeigt, dass die großen Volksparteien sich auch in Luxemburg auf einem absteigenden Ast befinden. Sowohl die LSAP als auch die CSV mussten am 14. Oktober herbe Niederlagen einstecken: -5,37 Prozentpunkte für die Christsozialen, -2,68 Prozentpunkte für die Sozialisten.

Zusammen verloren die beiden Parteien fünf Mandate in der Chamber, welche an kleinere Parteien gingen. Stichwort Erneuerung Ein zu passiver Wahlkampf, eine schlechte Strategie oder ein verfehltes Wahlprogramm. Die Gründe dieses Scheiterns sind vielfältig.

Auffällig, sowohl bei der LSAP als auch bei der CSV, ist jedoch die Tatsache, dass es neue Gesichter schwierig hatten, in die Chamber einzuziehen. Bei der LSAP schaffte es Dan Biancalana als einziger Newcomer ins Parlament, mit Georges Mischo und Paul Galles fällt die Bilanz der CSV nicht viel besser aus. Kein Wunder also, dass in beiden Lagern Stimmen laut wurden, die eine Erneuerung ihrer Partei forderten.


Heute wählt die LSAP eine neue Parteispitze: Franz Fayot als Präsident, Tom Jungen als Generalsekretär.
Überlebenskünstler
Der Überlebensinstinkt der LSAP ist bemerkenswert. Obwohl der letzte Wahlsieg schon lange zurückliegt, ist es den Sozialisten stets gelungen, ihre Hände an den Hebeln der Regierungsmacht zu halten.

Und so tauschten CSV und LSAP im Januar ihre Parteiführungen aus. Neben dem Präsidenten zählt auch der Generalsekretär zur Parteispitze. Ist der Präsident sozusagen das Gesicht der Partei, dann ist der Generalsekretär der Motor. Er spielt also auch eine überragende Rolle, was die Ausrichtung einer Partei angeht. Doch das Interesse an dem Posten war gering.

Mit Tom Jungen (LSAP) und Félix Eischen (CSV) gab es in beiden Parteien jeweils nur eine Kandidatur für den Posten. Beide müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass es bei den nächsten Wahlen nicht eine erneute Wahlniederlage gibt.

Félix Eischen (CSV) - Ein Mann mit vielen Facetten

11.7.2018 Luxemboug, ville, CSV, Félix Eischen photo Anouk Antony
11.7.2018 Luxemboug, ville, CSV, Félix Eischen photo Anouk Antony

„Der Glückliche“, „vom Glück begünstigt“, „glücklich“ oder „erfolgreich“. Der Name Felix hat im Lateinischen mehrere Bedeutungen und Interpretationen. Der neue Generalsekretär der CSV, der genau diesen Namen trägt,ist ebenfalls ein Mensch mit vielen Facetten.

Ob Journalist, Radiosprecher, Fernsehmoderator, Versicherungskaufmann, Schnapsbrenner, Bürgermeister oder Abgeordneter: Félix Eischen hat schon viele erfolgreiche Momente in seiner Karriere erlebt.


Ipo, Face à Face Frank Engel - Franz Fayot, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
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Beim Doppelinterview ist die Gemeinsamkeit schnell gefunden: Frank Engel und Franz Fayot stehen vor der Herausforderung, den negativen elektoralen Trend, der CSV und LSAP erfasst hat, umzukehren.

Seine neue Aufgabe könnte sich jedoch als äußert schwierig erweisen. Zusammen mit dem neuen Parteipräsidenten Frank Engel soll er der CSV als Generalsekretär einen neuen Geist einhauchen, sie wieder auf die Erfolgsspur vergangener Tage bringen. Bei diesem Vorhaben kann dem ehemaligen „Piccobello“-Moderator eine Portion Glück jedenfalls nicht schaden.

Vom Fernsehen in die Chamber

Mit 42 Jahren beendet Eischen seine Karriere in den Medien. Zu diesem Zeitpunkt ist seine Stimme beziehungsweise sein Gesicht den Menschen in Luxemburg schon 20 Jahre bekannt, zuerst als „de Félix vum 92,5“, später als Moderator etlicher Fernsehformate, unter anderem von „D'Zäit leeft“, eine Sendung, in der er mit seiner aktuellen Fraktionskollegin Françoise Hetto Menschen mit einem spontanen Urlaub beschenkte.

Bevor er dem Journalismus definitiv den Rücken kehrt, zeichnet er für das RTL-Format „Magazine“ als Chef verantwortlich. Doch auf die Journalismuskarriere folgt erst ein Abstecher in die Privatwirtschaft. Eischen wird zum Versicherungsagenten bei einem großen luxemburgischen Versicherungsunternehmen. Auch hier stellt er seine Stimme zur Verfügung: Er wird zum Werbesprecher.

Für mediale Aufmerksamkeit sorgt er zur gleichen Zeit mit seinem Hobby: In seiner Freizeit braut Eischen Schnaps in seiner Distillerie in Kehlen.

Erst danach beginnt seine politische Laufbahn. Während eines Urlaubsaufenthaltes 2007 im Schwarzwald macht der damalige CSV-Minister François Biltgen Eischen eine Karriere in der Politik schmackhaft.


Volkspartei CSV: Rund 700 Mitglieder wohnten dem Kongress Ende Januar bei.
Profil oder Parteikarte
Die etablierten Parteien tun sich schwer damit, sich Themen anzunehmen, die nicht zu ihrem vertrauten programmatischen Erbgut gehören. Am Ende droht ihnen die Profillosigkeit.

Zu diesem Zeitpunkt ist er schon 30 Jahre Mitglied der Christsozialen. Beim ersten Anlauf klappt es dann sofort: 2009 gelingt Eischen als Sechstgewählter im Süden der Sprung in die Chamber, ein Mandat, das er auch bei den zwei darauf folgenden Nationalwahlen verteidigen kann.

Auch auf kommunaler Ebene weiß Eischen die Wähler von sich zu überzeugen. 2011 schafft er in Kehlen den Einzug in den Gemeinderat, durch das Mandatsplitting ist er von 2014 an sogar Schöffe. 2017 ist der Wahlausgang noch erfreulicher für Eischen. Als Erstgewählter der CSV-Liste wird er zum Bürgermeister der Gemeinde.

Tom Jungen - Ein Arbeiter an der Spitze der LSAP

SES-Präsident Tom Jungen  - Wasserpreis - Photo : Pierre Matgé
SES-Präsident Tom Jungen - Wasserpreis - Photo : Pierre Matgé
Pierre Matgé

Mit 42 Jahren zählt Tom Jungen für viele noch zu den Jungen der LSAP. Doch eigentlich ist der gebürtige Crauthemer schon ein alter Hase, ein etablierter Politiker. Mit 22 Jahren ist er zum ersten Mal Kandidat für die LSAP bei den Gemeindewahlen in Roeser.

2001 rückt er in den Schöffenrat nach. Bei den darauffolgenden Gemeindewahlen gelingt ihm der erste Achtungserfolg: Er verdrängt Arthur Sinner von der Spitze der LSAP-Liste. Sinner hatte zuvor die Gemeinde im Roeserbann über ein Vierteljahrhundert als Gemeindevater geleitet. Die beiden Männer einigen sich darauf, sich den Posten an der Gemeindespitze zu teilen.


Volkspartei CSV: Rund 700 Mitglieder wohnten dem Kongress Ende Januar bei.
Profil oder Parteikarte
Die etablierten Parteien tun sich schwer damit, sich Themen anzunehmen, die nicht zu ihrem vertrauten programmatischen Erbgut gehören. Am Ende droht ihnen die Profillosigkeit.

Mitte 2008 tritt Sinner zurück und überlässt Jungen die Führung der Roeser Gemeinde. Seit seinem Amtsantritt ist es Jungen gelungen, den Posten des Bürgermeisters bei jedem Urnengang zu verteidigen.

Die Liebe zur Gemeinde

Zu den politischen Zerrreißproben Jungens gehört das Projekt rund um den geplanten Bau des nationalen Fußballstadions mit Geschäftsflächen in Liwingen. In dem Dossier Fußballstadion Liwingen wird dem LSAP-Politiker ein Mangel an Transparenz vorgeworfen.

Auf Kommunalebene scheint sein Vorgehen dem Sozialisten jedenfalls nicht geschadet zu haben. Bei jedem Urnengang kann er sein persönliches Resultat steigern, 2017 verbucht er ein sattes Plus von rund 400 Stimmen mehr als 2011.

Auch in der LSAP selbst ist Jungen beliebt. Davon zeugt allein seine Wahl zum Generalsekretär. Zwar gibt es keine Gegenkandidatur für den Posten, doch 96 Prozent der Delegierten sprechen sich beim Nationalkongress für Jungen aus, ein durchaus beachtliches Resultat. Ironischerweise ist Jungen am Kongressabend gar nicht anwesend. Wegen einer Auslandsreise kann er seinen Wahlerfolg nicht selbst vor Ort feiern, jedoch meldet er sich per Videobotschaft bei seinen Parteikollegen.

Die Hoffnungen in Jungen sind groß. Er soll die Erneuerung der sozialistischen Arbeiterpartei vorantreiben, gemeinsam mit dem neuen Präsidenten Franz Fayot.

Dabei könnten die beiden Männer an der Spitze der Partei nicht unterschiedlicher sein. Fayot ist in der Hauptstadt verwurzelt, arbeitet als Anwalt, stammt aus einer angesehenen Politikerfamilie und ist Abgeordneter im Parlament. Jungen stammt aus Crauthem, beginnt seine berufliche Karriere als Automechaniker und arbeitet sich zum Gewerkschaftssekretär beim OGBL hoch.


LSAP-Nationalkongress, Franz Fayot , Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
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Sein politisches Terrain ist bisher die Gemeinde. Er lehnt das Doppelmandat Abgeordneter und Gemeindevater ab. Abgesehen von einem kurzen und erfolglosen Exkurs auf die Europawahlliste 2014 hat er deshalb auch bisher auf eine Kandidatur bei den Landeswahlen verzichtet.


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