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Leo Wageners großer Tag: Zehn Fragen zur Bischofsweihe
Politik 2 7 Min. 29.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Leo Wageners großer Tag: Zehn Fragen zur Bischofsweihe

Der ernannte Weihbischof Leo Wagener (l.) und Erzbischof Jean-Claude Hollerich während der Generalprobe zur Bischofsweihe.

Leo Wageners großer Tag: Zehn Fragen zur Bischofsweihe

Der ernannte Weihbischof Leo Wagener (l.) und Erzbischof Jean-Claude Hollerich während der Generalprobe zur Bischofsweihe.
Foto: Gerry Huberty
Politik 2 7 Min. 29.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Leo Wageners großer Tag: Zehn Fragen zur Bischofsweihe

Rund 1000 Gläubige versammeln sich am Sonntag in der Kathedrale, um der Amtseinführung von Leo Wagener als Weihbischof beizuwohnen. Das "Luxemburger Wort" beleuchtet die Hintergründe der Bischofsweihe in zehn Fragen und zehn Antworten.

Von Michael Merten und Jörg Tschürtz

  • Was geschieht nochmal am Sonntag, 29. September, in der Luxemburger Kathedrale? Warum ist das Ereignis so bedeutsam?

Am Sonntag empfängt der Generalvikar des Erzbistums Luxemburg, Leo Wagener (eigentlich Léon Wagener), in der Kathedrale die Bischofsweihe. Nach Diakon- und Priesterweihe stellt die Bischofsweihe die dritte und höchste Stufe des katholischen Weihesakramentes dar. 

Bischofsweihen finden in Luxemburg relativ selten statt, die letzte war jene im Jahr 2011, als Jean-Claude Hollerich in den Rang eines Erzbischofs erhoben wurde. Hollerich ist nach Jean Hengen (1988-1990) und Fernand Franck (1990-2011) erst der dritte Erzbischof und erst der achte Bischof von Luxemburg. Weihbischof Leo Wagener wird ihm künftig unterstützend zur Seite stehen (siehe unten) Grund dafür ist, dass das Erzbistum Luxemburg eine relativ junge Erzdiözese innerhalb der katholischen Kirche ist: Es besteht erst seit 1870. Die Bedeutung des Ereignisses lässt sich auch an den vielen prominenten Gästen ablesen, die sich für den Festgottesdienst angemeldet haben. 

Leo Wagener begutachtet seinen Bischofsstab aus jahrhundertealtem Eichenholz.
Leo Wagener begutachtet seinen Bischofsstab aus jahrhundertealtem Eichenholz.
Foto: Gerry Huberty
  • Wer ist Leo Wagener und wie will er sein neues Amt ausüben?

Leo Wagener, geboren am 12. April 1962 in Ettelbrück, empfing im Alter von 26 Jahren die Priesterweihe. Zwischen 1990 und 2006 wirkte Wagener als Pfarrer in Steinbrücken/Bergem/Wickringen, bevor er in die Pfarre Bonneweg wechselte. 2015 rückte er zum Generalvikar des Erzbistums auf. Ihm fiel dabei die schwierige Aufgabe zu, die neue Konvention über das Verhältnis von Staat und Kirche in die Praxis umzusetzen.  

Wofür Leo Wagener als Weihbischof steht, hat der dem "Luxemburger Wort" vor seiner Bischofsweihe erklärt: Es geht ihm darum, zurück zu den Wurzeln des Glaubens zu kommen. Dafür steht auch sein bischöfliches Leitwort "Ad Fontes Fidei" - "Zu den Quellen des Glaubens" (siehe unten). Wagener sagt: "Für mich ist es wichtig, dass die Christen, die Zeugnis von ihrem Glauben leben wollen – und das werden die einzigen sein, die unsere Gemeinschaften weiterbringen – sich selbst vergewissern: Was ist eigentlich der Grund meines Christseins? Und da sind wir bei den Quellen des Glaubens." 


Lokales,Weihbischof Leon Wagener stellt seine bischöflichen Insignien vor.Léon Wagener.Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Diese Würdenträger kommen zur Weihe Leo Wageners
Die Vorbereitungen für die Weihe des künftigen Luxemburger Bischofs laufen auf Hochtouren. Nun hat das Erzbistum bekanntgegeben, welche prominenten Kirchenvertreter am Sonntag in der Kathedrale dabei sein werden.

Es werde keine neue christliche Mission, kein neues Zeugnis von Gläubigen geben, wenn sich die Christen immer wieder vergewissern würden, was der Kern ihres Glaubens sei. Es gebe eine Hauptquelle: "Das ist Jesus Christus. Ohne diese Quelle vertrocknen alle anderen. Aber es gibt viele Zugangswege zum Glauben, die bei jedem verschieden sein können."

  • Was ist ein "Weihbischof" und wie unterscheidet er sich von einem "normalen" Bischof?

Ein Weihbischof (évêque auxiliaire) unterstützt den Diözesanbischof, in diesem Fall Jean-Claude Hollerich, bei der Leitung des Bistums. Er übernimmt bestimmte Aufgabenbereiche, etwa für eine Region, für Personengruppen oder besondere Bereiche der Seelsorge wie Firmungen. Er leitet kein eigenes Bistum, doch wird ihm traditionell eine ehemalige, untergegangene Diözese als sogenanntes Titularbistum zugeordnet. Im Fall Wageners ist dies Aquae Novae in Numidia. Geweiht wird Wagener jedoch nicht zum Weihbischof, sondern zum Bischof. Sollte er eines Tages Bischof eines Bistums oder Erzbischof eines Erzbistums werden, dann würde daher keine neue Bischofsweihe, sondern eine Amtseinführung stattfinden.

  • Numidia? Noch nie gehört. Wo liegt das überhaupt?

Aquae Novae in Numidia war ein alter Bischofssitz der katholischen Kirche in der einstmals römischen Provinz Numidien in Nordafrika. Die Provinz, die sich über die heutigen Gebiete von Algerien und Tunesien erstreckte, fiel gegen Ende des 7. Jahrhunderts an die muslimischen Araber. 

  • Was bedeutet das Wappen von Weihbischof Wagener? 

Schon seit dem Mittelalter ist es Tradition, dass ein neuer Bischof ein eigenes Wappen erhält. Bei der Gestaltung kann der jeweilige Bischof persönliche Bezüge einfließen lassen. Das hat Leo Wagener getan - und mit dem Wappen, das von Jean-Claude Muller, René Klein und Jerry Heintz entworfen wurde, auch dem Land Luxemburg Reverenz erwiesen.  

Das bedeuten die einzelnen Elemente des Wappens:


  • Welchen Leitspruch hat Leo Wagener gewählt? Was bedeutet er?

Neben dem Wappen gehört es auch zur Tradition, dass sich ein katholischer Bischof einen eigenen Leitspruch wählt. Das ist meist ein Spruch aus der Bibel in lateinischer Sprache und kann als Motto aufgefasst werden. Wagener hat als Leitspruch "ad fontes fidei" - "Zu den Quellen des Glaubens" gewählt. Das hat er so begründet: "Der Zugang zu den Quellen des Glaubens ist die Grundbedingung für die Verkündigung des Evangeliums. Denn es gibt eine Hauptquelle: Das ist Jesus Christus. Ohne diese Quelle vertrocknen alle anderen." 

  • Welche prominenten Gäste kommen zur Weihe?

Da sind an erster Stelle die Hauptbeteiligten zu nennen. Die Bischofsweihe Leo Wageners wird Erzbischof Jean-Claude Hollerich als Hauptkonsekrator vornehmen. Konsekration wird die Weihe eines Bischofs durch Handauflegung genannt. 


Lokales,Weihbischof Leon Wagener stellt seine bischöflichen Insignien vor.Charles Bremer,Léon Wagener,Marie-Josée Schaul,Marcel Schaul.Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Eichenholz aus dem Jahr 1764: Leo Wagener erhält Bischofsstab
Was macht man, wenn der frühere Pastor zum Weihbischof ernannt wird? Gläubige aus Steinbrücken hatten da eine Idee – und nahmen sich einen uralten Balken zur Hand.

Es gibt auch zwei Co-Konsekratoren: Der frühere Luxemburger Erzbischof Fernand Franck und der Bischof von Limburg (D), Georg Bätzing. In der Amtszeit Francks war Wagener knapp 20 Jahre Priester gewesen; mit Bätzing, der vormals Trierer Generalvikar gewesen war, verbindet ihn die gemeinsame Studienzeit im Trierer Priesterseminar. Darüber hinaus haben sich zahlreiche weitere amtierende und frühere Erzbischöfe, Bischöfe und weitere Würdenträger angemeldet.  

  • Bischofsstab, Ring, Kreuz – können Sie uns mehr verraten über die Amtsabzeichen eines Weihbischofs?

Seit dem Mittelalter tragen Bischöfe die Mitra, eine aus wertvollen Stoffen gefertigte Kopfbedeckung, die vor allem beim Ein- und Auszug aus der Kirche sowie bei den sakramentalen Handlungen getragen wird. Im Alltag tragen Bischöfe üblicherweise ein Scheitelkäppchen in violett, der Farbe der Bischöfe. Erzbischof Hollerich wird als Kardinal ein scharlachrotes Käppchen tragen dürfen. Zu den wichtigsten Insignien gehört auch der Bischofsring, den Wagener von Hollerich übernehmen wird. Ähnlich wie bei einem Ehering drückt der Bischofsring die Treue zur Ortskirche aus.

  • Welche Geschenke erhielt der Weihbischof?

All diese Amtsinsignien hat sich Leo Wagener nicht selbst beschaffen müssen – sie wurden ihm geschenkt. Dabei handelt es sich zum Teil um Neuanschaffungen, aber auch um Sonderanfertigungen aus alten regionalen Werkstoffen sowie um einen gebrauchten Ring.

Von 1990 bis 2006 war Wagener Pfarrer in Steinbrücken, das heute mit Monnerich und Schifflingen eine Pfarrei bildet. Die Gläubigen aus seiner alten Pfarrei haben Wagener nicht vergessen, im Gegenteil: Sie sammelten spontan Geld, um ihm einen Bischofsstab Bischofsstab zu schenken, der aus einem 255 Jahre alten Eichenholzbalken von dort gefertigt wurde. Die Priester des Erzbistums schenkten Wagener die Kasel, also das Messgewand, das er bei der Weihe trägt. Seine Heimatpfarrei, die heute zur Pfarrei Parc Our Saint-Nicolas gehört, gab die passende Mitra (Bischofsmütze) zu diesem Gewand dazu. Und auch Erzbischof Hollerich schenkte seinem Weihbischof ein so kleines wie kostbares Amtszeichen: Weil Hollerich am 5. Oktober zum Kardinal erhoben wird und dann vom Papst einen neuen Ring bekommt, wird Wagener den bisherigen Bischofsring tragen dürfen. Der frühere Erzbischof Fernand Franck schenkte dem Weihbischof ein Brustkreuz.

  • Welche Personen stehen künftig an der Spitze der Luxemburger Kirche?

Da ist an erster Stelle Jean-Claude Hollerich zu nennen, der seit 2011 Erzbischof des Erzbistums Luxemburg ist. Er ist Vorsteher seines Erzbistums mit voller Leitungsgewalt. Doch Hollerich hat auch zahlreiche weitere Ämter, darunter den Vorsitz der Kommission der EU-Bischofskonferenzen. Zudem wird er bald Mitglied des Kardinalskollegiums sein und den Papst bei der Gesamtleitung der Kirche unterstützen. Deshalb kann er bei der Leitung der Luxemburger Kirche auf zwei weitere Geistliche setzen. Das sind Leo Wagener und Patrick Muller.


SS Francesco
Leo Wagener beim Papst
Der vor Kurzem zum Weihbischof ernannte Generalvikar traf am Donnerstag den Papst.

Wagener hat eine Doppelfunktion: Als Weihbischof unterstützt er den Erzbischof bei dessen Aufgaben, nimmt Termine wahr, spendet Firmungen. Zudem ist er weiterhin Generalvikar, also Verwaltungsleiter des Erzbistums. Dabei sind seine Schwerpunkte künftig Finanzen und Immobilien.

Seit dem 30. Juli gibt es einen zweiten Generalvikar. Patrick Mullers Schwerpunkte sind die Bereiche Personal und Pastoral. Als Präses des Luxemburger Priesterseminars trägt er zudem Verantwortung für die Ausbildung der angehenden Geistlichen.


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