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Lenert: "Müssen die Infektionszahlen wieder senken"
Politik 1 5 Min. 14.10.2020

Lenert: "Müssen die Infektionszahlen wieder senken"

Paulette Lenert stellt die momentane Situation dar und mahnt zur Vorsicht.

Lenert: "Müssen die Infektionszahlen wieder senken"

Paulette Lenert stellt die momentane Situation dar und mahnt zur Vorsicht.
Foto: Anouk Antony
Politik 1 5 Min. 14.10.2020

Lenert: "Müssen die Infektionszahlen wieder senken"

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die Neuinfektionen steigen in alarmierender Weise. Gesundheitsministerin Paulette Lenert mahnt zur Vorsicht, damit die Tendenz wieder gebrochen wird.

Seit einiger Zeit steigen - wie für diese Zeit erwartet - die Covid-19-Neuinfektionen wieder an. Nachdem Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) am Mittwoch die Mitglieder der Gesundheitskommission informierte, trat sie vor die Presse. 

Lagen die Neuinfektionen vor ein paar Wochen noch bei weniger als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und damit unterhalb der Grenze, als  Risikogebiet eingestuft zu werden, wären es heute 217 pro 100.000 über zwei Wochen geschaut, gab sie an. „Wir registrieren mit 806 neuen Fällen einen alarmierenden Anstieg von 47 Prozent mehr Neuinfektionen als in der Vorwoche. Das ist beunruhigend“, sagte sie und erklärte nochmals die Arbeitsmethode des Ministeriums und gab Verhaltensregeln heraus.  

Quarantäne und Isolation einhalten

Mit dem Anstieg der Infektionen stiegen auch die Kontakte, die zurückverfolgt werden mussten. Hier bleibt es mit 40 Prozent bei einer hohen Zahl an Personen, die sich bereits in Quarantäne befanden. „Wir sind nach wie vor gut in dieser Hinsicht. Es ist aber auch wichtig, die Quarantäne und Isolation zu respektieren, denn nur dann werden die Infektionsketten unterbrochen“, betonte die Ministerin und mahnte: „Wir sind beim Tracing gut aufgestellt, halten so hohe Zahlen aber nicht über Wochen und Monate durch.“

Wir sind beim Tracing gut aufgestellt, halten so hohe Zahlen aber nicht über Wochen und Monate durch.

Unverändert ist auch, dass die Zahlen bei den 15- bis 29-Jährigen hoch sind - doppelt so hoch wie bei den anderen Altersgruppen. „Wir stellen in den vergangenen zwei Tagen aber auch einen Infektionsanstieg bei den älteren Personen ab 65 Jahren fest. Das erklärt sich mit dem Virus, der generell nun mehr zirkuliert. Es ist eine Population, die riskiert, mehr Komplikationen zu machen.“

Kein blinder Aktionismus

Lenert erteilte dennoch einem „blinden Aktionismus, der sich nur an diesen Zahlen orientiert“ eine Abfuhr. „Wir betrachten nuanciert auch andere Indikatoren, wie die Situation in den Spitälern, die Infektionsrate und wie viele Personen sich mit Symptomen an Ärzte oder Polykliniken wenden. Und wir sprechen uns mit den Experten ab.“  

In den Krankenhäusern sei man nun in die Phase zwei übergegangen, werde aber erst ab Phase drei die normalen Aktivitäten wieder herunterfahren. Es bestehe auch noch kein Anlass, die Centre de consultation wiederzueröffnen. „Noch sind vor allem junge Menschen von Covid-19 betroffen.“ 


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Die Todesrate bleibe noch stabil, auch wenn innerhalb der letzten Woche sechs Personen gestorben sind. Ihr Durchschnittsalter lag bei Mitte 80 und sie waren in einem ploymorbiden Zustand. Und auch die Ursachen sind ähnlich wie in den Wochen davor: An erster Stelle und zu 25 Prozent steckt man sich in der Familie an, in der Schule an zweiter Stelle uns dann auf Reisen. „Es gibt momentan keine Cluster, es gilt, überall aufzupassen.“

Labore sind überlastet

Sorgen bereiten die langen Schlangen vor den Laboren, wobei viele ohne Verschreibung eines Covid-Tests kommen. Lenert appellierte daran, sich an die Vorgaben zu halten: Man soll sich nicht auf Verdacht und ohne Verschreibung präventiv testen lassen. Sondern einen Arzt kontaktieren, der dann auch nur bei Verdacht auf Covid-19 einen Test verschreiben soll. 

„Bei allem Verständnis dafür, schnell getestet werden zu wollen - es bringt die Labore, die ja auch noch andere Untersuchungen zu machen haben, in eine problematische Lage. Wir denken daran, kurzfristig auch eine Drive-in-Teststation für Leute mit einem angeordneten Test einzurichten und werden zur Entlastung der Labore die mobile Teststation mehr einsetzen“, stellte Lenert in Aussicht. 

Sie verwies auch darauf, dass der Regierungsrat eine Verordnung erlassen hat, um die neuen Schnelltests zuzulassen. "Sie sollen ganz gezielt eingesetzt werden von Medizinern und bestimmten Gesundheitsberufen. Sie sind auch noch nicht in allen Situationen effizient." 

Appell: Jeder muss seinen Beitrag leisten

Für Lenert ist es wichtig, dass die Zahlen wieder sinken. „Wir wussten, dass es im Herbst kritisch wird. Wir haben es im Sommer geschafft, die Infektionen wieder in den Griff zu bekommen und müssten es auch jetzt schaffen. Wir werden es mit Wellen zu tun haben und müssen versuchen sie so klein wie möglich zu halten.“ Es sei wichtig, dass jeder seinen Beitrag leistet.

Sie wiederholte die wichtigsten Regeln: Bei Symptomen präventiv zum Arzt gehen und Handhygiene und Distanzregeln einhalten. „Die physische Distanz ist wichtig, denn man steckt sich über Aerosole an. Vermeiden Sie es, zu viel unter Leute zu gehen. Distanz halten und Maske tragen sind noch die besten Mittel, sich nicht anzustecken.“

Ich höre immer wieder, dass es doch nur ein kleines Grippchen sei. Das ist es nicht - es ist eine schwere Erkrankung.

Um das Tracing zu erleichtern, regte sie an Buch zu führen über die Kontakte, die man hatte. „Wenn man sich die Kontakte merkt, spart das bis zur Hälfte der Zeit beim Tracing. Es ist schwer, sich an alles Detail zu erinnern, wenn man es nicht notiert hat.“ Die Gesundheitsministerin sagte aber auch nochmals in aller Deutlichkeit: „Ich höre immer wieder, dass es doch nur ein kleines Grippchen sei. Das ist es nicht - es ist eine schwere Erkrankung.“

Zu den Impfungen, die Ende des Jahres verfügbar sein sollen, vermeldete Lenert, dass Luxemburg sich ein Kontingent über die EU gesichert habe und derzeit schon innerhalb einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe an einer Impfstrategie gearbeitet werde. 

 

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