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Lenert: "Jetzt kommt die kritische Phase"
Politik 3 Min. 17.03.2020

Lenert: "Jetzt kommt die kritische Phase"

Paulette Lenert bei ihrer Erklärung zum Stand der Corona-Bekämpfung.

Lenert: "Jetzt kommt die kritische Phase"

Paulette Lenert bei ihrer Erklärung zum Stand der Corona-Bekämpfung.
Foto: Lex Kleren
Politik 3 Min. 17.03.2020

Lenert: "Jetzt kommt die kritische Phase"

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Auch Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) wandte sich am Dienstag an die Abgeordneten: Die Situation sei schlimm und es sei absolut notwendig, die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten.

140 Infektionsfälle, sechs Personen hospitalisiert und eine auf der Intensivstation waren es insgesamt im Land, als Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) am Dienstag ihre Erklärung mit dem Stand der Dinge abgab: "Wir gehen auf den Höhepunkt der Viruserkrankungen zu. Wir müssen alle unsere Aktivitäten einschränken. Die Situation ist ernst", sagte sie und appellierte eindringlich daran, die Vorsorgemaßnahmen einzuhalten


Politik, Chamber, aktuelle Stunde zum Corona-Virus, Ankündigung Xavier Bettel, Paulette Lenert, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
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Die Kurve sehe nicht anders aus als in anderen Ländern, wie viele bereits geheilt sind, könne man noch nicht sagen - 14 Tage bräuchte es dazu. "Seit Montag besteht das Gesundheitsministerium nur noch aus dem Krisenstab - wir machen nichts anderes mehr. Alle unsere Mittel werden für die Corona-Bekämpfung eingesetzt." 

Material, bislang gehortet, wird jetzt verteilt

Es bestehe auch ein permanenter Austausch mit den Spitälern, den Ärzten und dem CGDIS und man arbeite permanent daran, die Kommunikation an die Neuigkeiten und die häufig gestellten Fragen anzupassen. 

1 500 Tests seien bislang schon durchgeführt worden und mittlerweile beteiligen sich daran auch die Privatlabore. Es werde ein ständiges Monitoring des Bedarfs an Intensivbetten, an Personal und an Material durchgeführt, um direkt dort zu reagieren, wo etwas gebraucht wird. 

Material wird massiv geklaut

Bislang ging man noch ganz zurückhaltend mit der Vergabe von Material um -  viele Menschen  machten sich deswegen auch Sorgen -, denn es wurden zwar Bestellungen aufgegeben, aber erst seit kurzem ist bekannt, dass die Waren, wie Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Beatmungsgeräte wohl auch tatsächlich unterwegs seien

Jetzt kommen die kritischen Wochen, deswegen geben wir das bestehende Material jetzt heraus.

Paulette Lenert

"Wir alle haben in Eigeninitiative alle unsere Kontakte genutzt, um an Material zu kommen. Das ist zwar noch nicht da, ich bin aber zuversichtlich, dass es bald ankommt. Jetzt kommen die kritischen Wochen, deswegen geben wir das bestehende Material jetzt heraus." Dieses muss übrigens an geheimen Orten von der Armee bewacht werden, denn es wird massiv geklaut. "Wir machen alles, um unser Material zu sichern."

Acht Kategorien für die Materialverteilung 

Foto: Lex Kleren

So würden unter anderem 120.000 Schutzmasken nun von der Armee an in acht Kategorien aufgeteilte Personengruppen verteilt: An Ärzte und Pfleger, Apotheken, Gesundheitsberufler, wie Zahnärzte und Physiotherapeuten, an Labore oder auch Pflegedienste - überall dort, wo man nahe aneinander arbeiten müsse

Lenert warb um Verständnis, dass Personen, die hinter einem Schalter arbeiten und Distanz wahren können, nicht zu diesen Prioritäten gehörten.    

Ausgebaut werden auch massiv die Kapazitäten in den Krankenhäusern und es werden Zusatzstrukturen für die Urgencen aufgebaut. So entsteht rund um das CHL und auch in der Luxexopo solch ein Notfallzentrum. Die Reha-Patienten in den Krankenhäusern werden derweil nach Colpach und Mondorf verlegt, weil sie einfacher zu betreuen sind

Zusätzliche Maisons médicales fangen Mittwoch an

Die Gesundheitsministerin kündigte auch an, dass ab Mittwoch, 10 Uhr, die bestehenden Maisons médicales im Norden, Zentrum und Süden ihre Türen öffneten. Im Zentrum wird zusätzlich im nationalen Sportinstitut INS eine Struktur eingerichtet. "Alle Leute mit Atembeschwerden kommen dort in eine filiere respiratoir und werden massiv und systematisch getestet. Auch für den Osten werden wir noch eine Lösung finden. Es wird nicht an Infrastrukturen fehlen", zeigte sie sich zuversichtlich. 

Lenert verwies noch auf die Möglichkeit, dass Ärzte und Zahnärzte auch auf  Telekonsultationen übergehen, um zu sichten, was dringend ist und die Fälle entsprechend orientieren. Dazu werde ein virtuelles Wartezimmer geschaffen. 

Den Mut bewahren

Man werde alles tun, "um das Personal im Gesundheitssektor auf den Beinen zu behalten" und den Pendlern ermöglichen, weiter ins Land zu kommen beziehungsweise ihnen Hotelzimmer anzubieten, wo sie mit ihren Kindern unterkommen können, damit sie das Territorium gar nicht verlassen müssen.  

Das Leben wird weitergehen.

Abschließend appellierte sie an die nationale Solidarität und machte Mut: "Das Leben wird weitergehen." 


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