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Lenert appelliert, die Verbreitung von Affenpocken zu verhindern
Politik 5 Min. 19.08.2022
Infektionskrankheiten

Lenert appelliert, die Verbreitung von Affenpocken zu verhindern

Gesundheitsministerin Paulette Lenert und Santé-Direktor Dr. Jean-Claude Schmit klären über Monkeypox auf.
Infektionskrankheiten

Lenert appelliert, die Verbreitung von Affenpocken zu verhindern

Gesundheitsministerin Paulette Lenert und Santé-Direktor Dr. Jean-Claude Schmit klären über Monkeypox auf.
Foto: Anouk Antony
Politik 5 Min. 19.08.2022
Infektionskrankheiten

Lenert appelliert, die Verbreitung von Affenpocken zu verhindern

Annette WELSCH
Annette WELSCH
46 Fälle sind derzeit bestätigt und 383 Personen haben sich zur Impfung angemeldet. Derweil läuft die Sensibilisierung.

Seit einigen Wochen breiten sich die Monkeypox (MPX, Affenpocken) aus, Ende Juli rief die Weltgesundheitsbehörde die höchste Alarmstufe aus und klassierte den Ausbruch als „Notlage von internationaler Tragweite“. Am Freitag trat Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) gemeinsam mit dem Direktor der Gesundheitsbehörde, Dr. Jean-Claude Schmit, erstmals dazu vor die Presse und informierte über die Situation. Kritik an der Kommunikation wies sie zurück.

46 bestätigte Fälle gebe es in Luxemburg bislang, bei denen aber kein schwerer Verlauf dabei sei, teilte sie mit. 15.659 Fälle waren es in der EU am 15. August.  133 Personen haben sich seit Dienstag impfen lassen, seitdem der Impfstoff, der von der EU gekauft und abhängig von der Bevölkerungszahl verteilt wurde, verfügbar ist. 


26.07.2022, USA, Fort Detrick: Eine kolorierte transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme von Partikeln des Affenpockenvirus (grün), kultiviert und gereinigt aus einer Zellkultur, aufgenommen in der NIAID Integrated Research Facility, veröffentlicht am 26. Juli 2022 in Fort Detrick, Maryland. Angesichts der schnellen weiten Verbreitung der Affenpocken hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die höchste Alarmstufe ausgerufen. Inzwischen seien mehr als 16 000 Affenpocken-Fälle in 75 Ländern bestätigt. Foto: Niaid/Niaid/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Strategie des Gesundheitsministeriums gegen Affenpocken
Ab August gibt es die ersten Impfungen gegen Affenpocken in Luxemburg. Was sind die weiteren Maßnahmen des Gesundheitsministeriums?

„Laut Risikobewertung der EU ist die Weiterverbreitung in der Kommunität der Männer, die mit mehreren Männern sexuellen Kontakt haben, als hoch eingestuft. Unsere Informationskampagne ist so ausgerichtet, dass man gezielt diese Gruppe erreicht, wir haben mit deren Vereinigungen auch einen direkten Ansprechpartner. Sie ist aber nicht darauf beschränkt, denn jeder kann sich anstecken. Es ist eine Frage der Zeit, bis das Virus auf die Normalbevölkerung überspringt“, erklärte Lenert.  

Es ist eine Frage der Zeit, bis das Virus auf die Normalbevölkerung überspringt.

Paulette Lenert

Wichtig sei, dass die Betroffenen sich verantwortungsvoll verhalten, damit eine Verbreitung verhindert wird. Man habe auch das Gesundheitspersonal sensibilisiert, damit es entsprechend reagieren kann. Zur Information der breiten Öffentlichkeit sei die Webseite aktualisiert worden und es gebe Flyer zur Impfung mit Antworten auf die häufigsten Fragen. Wer Fragen habe, könne sich an die Sanitärinspektion, die Gesundheitsdirektion oder an seinen Arzt wenden. Auch die Covid-Hotline stünde bereit, Fragen zu MPX zu beantworten. 

Zahl neuer Fälle scheint zu sinken

Der aktuelle Ausbruch stehe nicht mit Afrika in Verbindung, machte Dr. Schmit deutlich. Am 7. März kam es in Spanien zum ersten Fall, in 43 von 52 Ländern der WHO-Region Europa gebe es bislang rund 20.000 Fälle. „Beruhigend ist, dass es aktuell aussieht, als sinken die neuen Fälle“, betonte er. Betroffen seien hauptsächlich junge Männer zwischen 30 und 40, die über 50-Jährigen weniger. Nur 5,8 Prozent müssten hospitalisiert werden, die Todesrate sei sehr niedrig.

„Die klinischen Symptome des Ausbruchs in Europa sind im Gegensatz zu den Aufnahmen, die aus Afrika zirkulieren, viel diskreter. Es kommt zu ein paar Pusteln, aber keinen Hunderten. Sie sind meistens im Genital- und Analbereich und gehen mit Fieber, Muskelschmerzen und geschwollenen Lymphknoten einher, wie bei jeder Viruserkrankung“, erklärte der Santé-Direktor. Einige Personen hätten keine Symptome, seien aber ansteckend. 

Am 15. Juni wurde der erste Fall in Luxemburg registriert. Bislang seien alle Infizierten Männer sowie ein Kind, dem es aber gut gehe. Es gab weitere 48 Verdachtsfälle, die sich als negativ herausstellten. „Wir haben gute Diagnosekapazitäten - die Abteilung für Infektionskrankheiten im CHL und das Staatslabor sind gut aufgestellt und eine Reihe Privatlabore werden auch Tests anbieten.“ 

Für die Übertragung sei direkter, enger, körperlicher Kontakt nötig, der nicht sexueller Art sein muss. „Wenn die Pusteln aufbrechen, werden viele Viren frei, die durch Verletzungen in den anderen Körper eindringen können. Mit Covid ist es nicht zu vergleichen.“

Maximal 50 Personen können pro Tag geimpft werden

Die Impfung, die die Hauptwaffe ist, ist der normale Pockenimpfstoff, der allerdings in keinem Land mehr gelagert wird, weil Pocken seit 1976 als ausgerottet gelten. 1.400 Dosen bekam Luxemburg von der EU zugeteilt, die für maximal 700 Personen reichen werden, 2.500 hatte man beantragt. „Die kleinen Länder sind gut weggekommen. Deutschland bekam nur 21.000 Dosen, Portugal nur das Doppelte von Luxemburg. Eine zweite Lieferung wird nun im Dezember erwartet“, stellte Dr. Schmit in Aussicht. 


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Wie viele Vakzine gebraucht werden, hänge von der Impfbereitschaft ab. Bislang haben sich 383 Personen zur Impfung angemeldet. Einem ersten Ansturm am Dienstag von 242 Personen, folgten 97 und 62 - pro Tag können maximal 50 Personen geimpft werden. „Der Andrang wird nicht bleiben, es ist wichtig zu sensibilisieren, damit diejenigen die Impfung erhalten, die sie brauchen.“  

Da könnte es mit Impfstoff für 700 Personen eng werden. Derzeit wird wissenschaftlich diskutiert, ob vielleicht eine Dosis reicht. „Es sieht nicht danach aus, dass das genügt und man sollte auch nicht die Wartezeit von 28 Tagen zwischen den beiden Impfungen verlängern“, sagt Dr. Schmit. „Man kann aber den aktuellen Impfstoff, anstatt ihn unter die Haut zu spritzen, auch intradermal in die Haut spritzen. Vieles deutet darauf hin, dass dann ein Zehntel des Vakzins ausreicht, aber das machen wir nicht im Alleingang als einziges Land.“  

Sexworker schwer für die Impfung zu motivieren

Anvisiert mit der Impfung sind die Männer, die mit Männern sexuellen Kontakt und mehrere Partner haben, Sexworker sowie Personen nach einem Kontakt mit einer infizierten Person. Bis zu zwei Wochen danach kann durch die Impfung eine Infektion und der Ausbruch der Krankheit noch verhindert werden. Für Männer, die Sex mit Männern haben, die aber in einer stabilen Partnerschaft leben, sei die Impfung nicht nötig. „Nicht jeder, der uns oder das CHL kontaktiert, hat ein Infektionsrisiko, viele wollen nur reden und sich informieren - die Möglichkeit allein reicht ihnen schon.“

Für Männer, die Sex mit Männern haben, aber in einer stabilen Partnerschaft leben, ist die Impfung nicht nötig.

Dr. Jean-Claude Schmit

Als schwierig sieht Dr. Schmit es an, die Sexworker zur Impfung zu motivieren. „Sie kommen zumeist als Grenzgänger aus Frankreich und haben keine Sozialversicherung.“ Geimpft würden sie dennoch, auch wenn sie die Kriterien des Wohnsitzes und der luxemburgischen Sozialversicherung nicht erfüllten. „Mit diesen Kriterien wollten wir lediglich die Prioritäten festlegen“, erklärte Dr. Schmit. 


ILLUSTRATION - 20.07.2022, USA, Wilton Manors: Eine Krankenschwester bereitet eine Affenpocken-Impfung im Pride Center at Equality Park vor. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen ist wegen der Affenpocken-Nachweise in vielen Ländern ein Expertenausschuss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf (Schweiz) zusammengetroffen. Er sollte prüfen, ob die Situation eine größere Bedrohung der öffentlichen Gesundheit darstellt und berät die WHO darin, ob sie eine «Notlage von internationaler Tragweite» ausrufen soll. Foto: Al Diaz/Miami Herald via ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Auf die Kritik, warum ausschließlich im CHL und nicht auch bei Hausärzten geimpft werden kann, antwortete der Santé-Direktor: „Wir wollen keine Dosis verlieren. Der Impfstoff ist gefroren und die Logistik zu komplex, um ihn zu verteilen. Im CHL sind zudem Infektiologen disponibel, die dafür sorgen, dass nur die geimpft werden, die diesen Schutz brauchen.“

Ein gegen MPX zugelassenes Medikament gibt es derzeit noch nicht. Es bleibt nur die Behandlung der Symptome, sprich Schmerzen. „Man sollte auf alle Fälle vermeiden, dass die Pusteln sich durch Kratzen noch zusätzlich mit Bakterien infizieren. Das kann schlimme Entzündungen geben und Narben hinterlassen“, warnte Dr. Schmit. 

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