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"Lehrer werden als Geiseln für politische Zwecke geopfert"
Politik 03.06.2016 Aus unserem online-Archiv
Féduse

"Lehrer werden als Geiseln für politische Zwecke geopfert"

Der Werteunterricht soll bereits bei der kommenden Rentrée im Secondaire eingeführt werden.
Féduse

"Lehrer werden als Geiseln für politische Zwecke geopfert"

Der Werteunterricht soll bereits bei der kommenden Rentrée im Secondaire eingeführt werden.
Foto: Pierre Matge
Politik 03.06.2016 Aus unserem online-Archiv
Féduse

"Lehrer werden als Geiseln für politische Zwecke geopfert"

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Noch vor der Sommerpause soll der Gesetzentwurf zum Werteunterricht vom Parlament verabschiedet werden. Die Féduse übt Kritik an der obligatorischen Ausbildung. Das neue Fach sei lediglich "rot-grün-blaue" Kosmetik.

(ml) - Die 16-stündige obligatorische Ausbildung, der sich die künftigen Lehrer des neuen Werteunterrichts unterziehen müssen, gehört abgeschafft, zumindest was die erfahrenen Lehrer betrifft. Dies fordert die Fédération des Universitaires au Service de l'Etat (Féduse). Das Fach "Leben und Gesellschaft" stelle lediglich eine Programmänderung dar - mehr nicht. Dabei handele es sich um "rot-grün-blaue Kosmetik". Das ganze Brimborium sei nichts Anderes als "ein Tanz um das goldene Kalb", heißt es in einer Pressemitteilung.

Manche Religions- und Moralunterrichtlehrer hätten sich zur Verfügung gestellt, weil Not am Mann sei, oder weil ihnen noch Stunden fehlen würden. Andere seien gestandene Lehrer, die dieses Fach bereits seit Jahrzehnten unterrichten. Für sie mache eine weitere Ausbildung keinen Sinn. Dennoch würden sämtliche Lehrer bis Ende Oktober durch die 16-stündige Ausbildung geschleust werden. Für einige Lehrkräfte könne die Ausbildung von Nutzen sein, für andere sei es jedoch eine Zumutung.

"Chaos im Bildungswesen"

Die Féduse wirft zudem die Frage auf, was eigentlich 16 Stunden Ausbildung für ein neues Fach bedeuten. Wäre der Werteunterricht grundlegend anders als der aktuelle Religions- und Moralunterricht, würden 16 Stunden bei weitem nicht ausreichen, um das neue Fach zu beherrschen. Das pädagogische Praktikum für Lehrer in den Sekundarschulen sehe 264 Stunden für die Theorie und wenigstens 144 Stunden praktische Begleitung vor.

Es stelle sich immer mehr heraus, dass hier Theater betrieben wird, so die Féduse.  Aus politischen Gründen würde die Regierung Chaos im Bildungswesen stiften. "Die Lehrer werden als Geiseln für politische Zwecke geopfert", heißt es in der Pressemitteilung. Minister Claude Meisch wird aufgefordert, eine neutrale, unideologische Schulpolitik zu betreiben und ein klares Programm für den Werteunterricht festzulegen.


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