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Lehrer-Protest auf Facebook: "Wollen Zeichen setzen"
Politik 2 Min. 16.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Lehrer-Protest auf Facebook: "Wollen Zeichen setzen"

Lehrer machen auf Facebook ihrem Unmut über die Pläne des Bildungsministers Luft.

Lehrer-Protest auf Facebook: "Wollen Zeichen setzen"

Lehrer machen auf Facebook ihrem Unmut über die Pläne des Bildungsministers Luft.
Symbolbild: dpa
Politik 2 Min. 16.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Lehrer-Protest auf Facebook: "Wollen Zeichen setzen"

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Die geplante Lockerung bei den Aufnahmebedingungen für Direktorenposten in den spezialisierten Lyzeen stößt auf breites Echo in den sozialen Netzwerken.

In der Lehrerschaft brodelt es. Binnen zwölf Stunden haben sich knapp 2.000 Personen in einer privaten Facebook-Gruppe zusammengeschlossen, um gegen die für Mittwoch geplante Abstimmung in der Chamber über das Gesetzesprojekt 7662 zu protestieren. 

Die Pläne von Bildungsminister Claude Meisch (DP) sehen eine Lockerung der Aufnahmebedingungen für leitende Posten in den Lyzeen vor. Kritiker sehen darin einen Versuch des Ministers, das Schulsystem schleichend zu privatisieren. Demnach sollen künftig auch Personen aus der Privatwirtschaft für Direktorenposten an den vier spezialisierten Lyzeen wie etwa der Ackerbauschule infrage kommen. 

Das „Luxemburger Wort“ hat einen Mitgründer der Facebook-Gruppe „Fir qualifizéiert Schoulpersonal - Géint Privatiséierung!“ zu der Protestaktion befragt. Der Lyzeumslehrer wollte für das Interview anonym bleiben.

Herr M.*, was hat Sie zur Gründung dieser privaten Gruppe veranlasst? 

Ich bin nicht nur Lehrer an einem Lyzeum, sondern auch Vater von zwei Kindern. Die Entwicklung bereitet mir große Sorgen. Die Gewerkschaften sind in der Sache aktiv geworden, aber Resultate lassen auf sich warten. Ich habe daher am Sonntag gemeinsam mit anderen entschieden, diese Gruppe ins Leben zu rufen. Der schnelle Zulauf überrascht mich selbst.

Die Zeit drängt: Bereits am Mittwoch soll das Gesetz verabschiedet werden. Was kann der Protest vom Schreibtisch bewirken? 

Wir können selbsttätig keine Demo oder ähnliches organisieren, das wäre angesichts der aktuellen Corona-Auflagen auch schwierig umzusetzen. Uns war es aber wichtig, ein Zeichen zu setzen und vielleicht den einen oder anderen Deputierten zum Umdenken zu bewegen. 


Das Bildungsministerium denkt darüber nach, die Schüler der oberen Sekundarstufe teils im Präsenz- und teils im Fernunterricht zu unterrichten. Hintergrund ist die zunehmende Zahl an Neuinfektionen bei 16- bis 19-Jährigen in der gesamten Bevölkerung.
Gewerkschaften und LTPES gegen Privatisierung im Bildungswesen
Der Gesetzesentwurf von Bildungsminister Claude Meisch, der schulische Direktionsposten für den privaten Sektor öffnen würde, trifft bei den Gewerkschaften und der Erzieherschule LTPES auf wenig Zustimmung.

Warum ist die Gruppe nicht öffentlich?

Viele Lehrer trauen sich nicht, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Bei gewissen Direktionen kommt das auch nicht gut an. Hinzu kommen die Beschränkungen durch das Beamtenstatut. Lehrer haben jedoch ein Anrecht auf eine Privatmeinung. Diese sollen sie in diesem Forum äußern können. 

Was ist Ihr Hauptkritikpunkt? 

Ich finde, man sollte das Handwerk des Lehrens und auch die drei Amtssprachen beherrschen, wenn man eine solche Stelle antritt. Ein Direktor eines Lyzeums hat das Recht, den Unterricht seiner Professoren zu bewerten. Wie soll ein Direktor, der beispielsweise nur Französisch beherrscht, einen Kollegen bewerten, der Deutsch oder Englisch unterrichtet? In den Schulen sehen wir ja bereits jetzt schon, dass sogar manchmal drei oder vier Sprachen nicht ausreichen, um miteinander zu kommunizieren. Wir unterrichten Schüler aus etwa 120 Nationalitäten. 

Was spricht dagegen, wenn Schulen sich Kompetenzen von außen holen? 

Ich bin nicht dagegen, dass Quereinsteiger in den Lyzeen rekrutiert werden. Ich war selbst in der Privatwirtschaft und in der Forschung aktiv. Aber wenn wir unter rund 6.000 Sekundarschullehrern keine geeigneten Kandidaten für zirka 80 Direktorenposten finden, dann läuft doch prinzipiell etwas falsch. 


Sie ist in vollem Gange, doch niemand nimmt Notiz davon: die schleichende Privatisierung des öffentlichen Schulsystems durch Bildungsminister Claude Meisch (DP).
Claude Meischs Schattenagenda
Sie erfolgt schleichend und häppchenweise: die Privatisierung des öffentlichen Bildungssystems.

Der vom Bildungsministerium als Begründung für das Gesetzesprojekt angeführte Personalmangel existiert also gar nicht? 

Natürlich gibt es in den Schulen viele Stellen, die nicht besetzt werden können, etwa im Bereich Mathematik. Viele meiner Kollegen müssen Mehrarbeit leisten, weil Personal fehlt. Das darf aber nicht dazu führen, dass wir die Anforderungen an angehende Pädagogen herabsetzen. Ein Quereinsteiger, der etwa nur ein Bachelor-Studium aufweisen kann, hat weniger Expertise als jemand mit einem Master-Abschluss.

*Name der Redaktion bekannt

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