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Lehrbeauftragte: Schluss mit zweifelhaften Praktiken
Politik 22.12.2015

Lehrbeauftragte: Schluss mit zweifelhaften Praktiken

Lehrbeauftragte im Secondaire haben die gleichen Pflichten wie diplomierte Lehrer, aber längst nicht die gleichen Rechte.

Lehrbeauftragte: Schluss mit zweifelhaften Praktiken

Lehrbeauftragte im Secondaire haben die gleichen Pflichten wie diplomierte Lehrer, aber längst nicht die gleichen Rechte.
Foto: Chris Karaba
Politik 22.12.2015

Lehrbeauftragte: Schluss mit zweifelhaften Praktiken

Manche Chargés im Secondaire leiden unter prekären Arbeitsbedingungen, die sie in finanzielle Schwierigkeiten bringen können. In seiner Antwort auf zwei parlamentarische Anfragen zum Thema erklärt Bildungsminister Claude Meisch, was er dagegen tun möchte.

(mig) - Einen Tag nach der Veröffentlichung eines Artikels im "Luxemburger Wort" über prekäre Arbeitsbedingungen von Lehrbeauftragten im Secondaire („Zweifelhafte Praxis“ vom 26. November) gingen im Parlament zwei parlamentarische Fragen zu diesem Thema ein. David Wagner von Déi Lénk und Claude Adam von Déi Gréng richteten sich in getrennten Schreiben und mit unterschiedlichen Fragen an Bildungsminister Claude Meisch, erhielten unabhängig von ihrer Fragestellung aber exakt die gleiche Antwort.

In dem Zeitungsartikel war die Rede von ungünstigen Arbeitsverträgen und von rück- bzw. nicht-datierten Zusatzverträgen mit weniger Unterrichtsstunden, die Chargés unter Druck unterschreiben, aus Angst, ihre Stelle zu verlieren. Eine Praxis, die in manchen Schulen gang und gäbe ist, obwohl das Bildungsministerium den Schulen Anweisungen gab, Lehrbeauftragten stets eine „Voll-Tâche“ anzubieten, außer sie wünschen eine Dreiviertel- oder Halbtagsstelle.

Willkür mancher Schuldirektoren

Die in manchen Schulen willkürlich und nach Lust und Laune des Schuldirektors festgelegten Unterrichtsstunden bringen die Chargés in eine prekäre Situation, da sie vor Schulbeginn nicht wissen, ob und wie viele Stunden sie beschäftigt werden.

In seiner Antwort räumt der Minister ein, von dieser Praxis Kenntnis zu haben, ohne allerdings die Anzahl an Zusatzverträgen, die eine Kürzung der Unterrichtsstunden enthalten, zu nennen. Meisch erinnert daran, die Schuldirektoren im Januar 2015 schriftlich dazu aufgefordert zu haben, auf Arbeitszeitkürzungen zu verzichten, außer dies entspreche dem ausdrücklichen Wunsch der Lehrbeauftragten.

Unbefristete Verträge sind die Regel

Im Prinzip sollte der unbefristete Vertrag die Regel sein. Im Falle eines befristeten Arbeitsvertrags, so die Vorgabe des Ministeriums, sollten die Lehrbeauftragten nach Möglichkeit, und wenn sie das möchten, eine „Voll-Tâche“ erhalten.

Claude Meisch hat bereits mehrfach erklärt, die Situation der Chargés regularisieren zu wollen. Aus den Richtlinien, was die Arbeitsverträge angeht, soll nun ein Gesetz werden. Lehrbeauftragte mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag können künftig zwischen einer Vollzeit, einer Dreiviertel- und einer Halbtagsstelle wählen.

Die befristeten Verträge gelten nur noch für Lehrervertretungen, die weder von einem diplomierten Lehrer, einem Lehramtskandidaten, einem Stagiaire, noch von einem unbefristet angestellten Lehrbeauftragten geleistet werden können.


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