Lehrbeauftragte im Fondamental

"Ohne Chargés würde der Schulbetrieb zusammenbrechen"

Die Lehrbeauftragten sind ein wichtiger Pfeiler im Grundschulwesen.
Die Lehrbeauftragten sind ein wichtiger Pfeiler im Grundschulwesen.
Foto: Pierre Matgé

(mig) - "Ohne Chargés würde der Schulbetrieb zusammenbrechen." Das sagte am Donnerstag Nico Wennmacher vom Landesverband (FNCTTFEL) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Lehrergewerkschaft SEW/OGBL. Der Landesverband, in ihren Ursprüngen eine reine Eisenbahngewerkschaft, setzt sich seit 25 Jahren für die Interessen der Lehrbeauftragten ein und fordert bessere Arbeitsbedingungen für die rund 1.000 Beschäftigten.

Hintergrund ist der Lehrermangel, der dazu geführt hat, dass viele Lehrbeauftragte Klassenposten übernehmen mussten "und die gleiche Verantwortung haben wie diplomierte Lehrer", so die Argumentation der Sektionsvorsitzenden Isabelle Bichler, die seit 30 Jahren als Lehrbeauftragte im Fondamental arbeitet."Wir haben nie eine zweite Karriere für die Lehrbeauftragten gefordert", beteuerte Bichler. "Aber wir fordern eine Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen."

"Schlechter Wille"

Das beginnt mit dem zweiten Bildungsweg, der es Lehrbeauftragten ermöglicht, an der Universität Luxemburg das Lehrerdiplom nachzuholen. Dabei handelt es sich um eine berufsbegleitende Ausbildung. Doch nur wenige schaffen das Zulassungsexamen zur Ausbildung. Bichler stellt das in Frage und unterstellt der Universität "schlechten Willen", vor allem bei der Vorbereitung der Kandidaten auf die Zulassungsprüfung.

Von 80 Kandidaten, die sich 2016/17 für die Prüfung angemeldet hätten, seien 55 zurückbehalten worden, "aber nur 24 haben die Prüfung bestanden", so Bichler. 2017/18 hätten nur zehn von 22 Kandidaten das Examen bestanden.

Bichler erinnerte in dem Zusammenhang an ein Versprechen des Bildungsministers, während drei Jahren jedes Jahr 50 Ausbildungsplätze zu finanzieren, u.a. um Lehrbeauftragten im Zuge der Abschaffung des Religionsunterrichts, die Chance zu geben, beruflich umzusatteln. Bichler forderte mehr Unterstützung seitens des Ministeriums für Lehrbeauftragte, die das Diplom nachholen wollen.

Gleichstellung bei der Alters-Décharge

Die Gewerkschaft fordert weiter eine Gleichstellung der Alters-Décharge sowie eine Anpassung der Tâche, also 23 Wochenstunden statt 24, "weil wir die gleiche Arbeit machen wie diplomierte Lehrer", so Bichler.

Ein Dorn im Auge der Lehrbeauftragten ist dann auch die Affektationsprozedur. Lehrbeauftragte, auch wenn sie schon über Jahre an einer Schule unterrichten, müssen sich Jahr für Jahr wieder neu bewerben und um ihre Stelle zittern. Hier fordert der Landesverband das Recht, nach einigen Jahren in der Schule bleiben zu dürfen.

Die Gehälterfrage

Eine weitere Forderung betrifft Lehrbeauftragte, die das dreijährige Referendariat machen, um einen unbefristeten Vertrag zu erhalten. Beanstandet wird, dass Lehrbeauftragte im Referendariat nur eine Stunde Décharge pro Woche in Anspruch nehmen dürfen. Bei Lehramtsreferendaren sind es zwei Wochenstunden.

Zudem fordert die Gewerkschaft eine Anpassung der Gehälter für Lehrbeauftragte, die schon über viele Jahre im Bildungswesen tätig sind, aber mit einem befristeten Arbeitsvertrag. Der Weg zu einem unbefristeten Vertrag (CDI) führt über das dreijährige Referendariat, "währenddessen das Gehalt aufgrund der 80-Prozent-Klausel schrumpft", so Bichler.

Hier ist es die Forderung der Gewerkschaft, den Lehrbeauftragten das Recht auf ein "Supplément de traitement" während der Referendarszeit zuzugestehen, so wie es auch bei diplomierten Lehrern der Fall ist, die nach einer Zeit als Chargé via Stage die Karriere wechseln (vom Staatsangestellten zum Staatsbeamten).