Lasst uns wieder alleine aufklären gehen
(wel) - Seit vergangenem Schuljahr ist es dem Planning Familial (PF) formell verboten, seine Aufklärungsstunden bei den elf- bis zwölfjährigen Schülern des Zyklus 4.2 der Grundschule ohne die Anwesenheit des Klassenlehrers zu halten. Das gehört wieder abgeschafft, fordert die Organisation am Montag in einer Mitteilung. Trotz mehrerer Treffen mit dem Inspektoren- und Beraterkollegium des Bildungsministeriums konnte kein Kompromiss gefunden werden. Und das, obwohl das Konzept des PF gut überlegt, ausgereift und seit langem erprobt sei und ein Spezialist von Außen, der weder die Kinder noch ihre Eltern kennt, den Vorteil mitbringt, eine Art geschützten und vertraulichen Raum zu schaffen.
Die Intervention eines Externen habe einen Mehrwert, könne aber nicht die Arbeit des Lehrers ersetzen. Er müsse die Kinder auf die Arbeit des PF vorbereiten und auch die Folgearbeit während des ganzen Schuljahrs leisten. Deswegen müsse das Thema Aufklärung auch in die Lehrergrundausbildung aufgenommen werden, so wie das Gesetz es im Übrigen vorsieht, verlangt der Beratungsdienst.
Gratis-Verhütungsmittel ohne Altersbegrenzung
Das Planning Familial (PF) fordert außerdem eine Rückerstattung von Verhütungsmitteln ohne Altersbegrenzung. Schließlich seien 38 Prozent der Frauen, die eine Schwangerschaft in Luxemburg abbrechen älter als 30 Jahre. Die kürzlich erfolgte Erhöhung des Alters von 25 auf 30 Jahre, bis zu dem Pille und Spirale von der Gesundheitskasse bezahlt werden, reiche jedenfalls nicht. Es müssten zudem auch Verhütungsimplantate und die Notfallverhütung, wie die Pille oder Spirale danach, in den Leistungskatalog aufgenommen werden. Und generell müsste eine Sensibilisierungskampagne die breite Öffentlichkeit über Verhütung und Notfallverhütung aufklären.
Seit mehr als zehn Jahren fordert der Beratungs- und Hilfsdienst in Sachen Sexualität und Beziehungsfragen auch eine nationale Umfrage über die sexuelle und affektive Gesundheit. Denn mit repräsentativen Daten zur Abtreibungsquote, zu sexuellen und Schutzpraktiken oder zur Verhütungsabsicherung könne man eine auf solider Basis beruhende Gesundheitspolitik betreiben. Und wiederholt hat das PF auch schon verlangt, dass Hygieneartikel nur mit einem Mehrwertsteuersatz von drei und nicht von 17 Prozent belegt werden - sie seien keine Luxusgüter, sondern eine Notwendigkeit.
Maßnahmen gegen Sexualverbrechen verstärken
Auch den Kampf gegen Sexualverbrechen legt das PF dem Formateur ans Herz: Sie müssen gesetzlich als nicht verjährbar verankert werden, so wie in der Schweiz, in Großbritannien und in Kalifornien auch. Gefordert wird auch eine nationale Präventions- und Informationskampagne über die Rechte der Personen sowie die Prozeduren, die im Fall einer Vergewaltigung und sexueller Gewalt zu verfolgen sind. Gestärkt gehöre auch der Schulunterricht über Rechte und Gleichheit, Sexualität und Zuneigung, dessen Aufgabe es ist, unter anderem Werte, Respekt oder die Voraussetzung der Einwilligung zu vermitteln. Er müsse sich vom kleinsten Alter an über den gesamten Unterricht ziehen, denn diese Gewaltakte seien gesellschaftlich bedingt und um die Gesellschaft zu ändern, brauche man Zeit.