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Landwirtschaft spürt Corona-Folgen
Politik 2 Min. 28.05.2020

Landwirtschaft spürt Corona-Folgen

Die hiesigen Bauern unterstreichen immer wieder, dass es sich bei der Lebensmittelherstellung um einen systemrelevanten Wirtschaftsbereich handelt und fordern zum Konsum lokaler Produkte auf.

Landwirtschaft spürt Corona-Folgen

Die hiesigen Bauern unterstreichen immer wieder, dass es sich bei der Lebensmittelherstellung um einen systemrelevanten Wirtschaftsbereich handelt und fordern zum Konsum lokaler Produkte auf.
Foto: John Lamberty
Politik 2 Min. 28.05.2020

Landwirtschaft spürt Corona-Folgen

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
In der zuständigen parlamentarischen Kommission wurde über die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den luxemburgischen Agrarsektor gesprochen. Bauern fordern finanzielle Hilfen.

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise beschäftigte sich die parlamentarische Agrarkommission am Donnerstag mit dem Zustand der luxemburgischen Landwirtschaft. Laut Kommissionspräsidentin Tess Burton hat Landwirtschaftsminister Romain Schneider (beide LSAP) ein Hilfspaket für die Zeit nach den Pfingstferien angekündigt. Wie dieses genau aussehen wird, ob es mehr aus direkten oder indirekten Hilfen bestehen soll, ist allerdings noch nicht klar. Er habe aber auch betont, dass der heimische Agrarsektor die Krise besser als das Ausland gemeistert habe. 

Dennoch seien viele Betriebe, vor allem pädagogische Bauernhöfe, durch das Raster gefallen, weil sie, mit Ausnahme der Weinstuben, über keine Autorisation d'établissement verfügten, die aber eine Voraussetzung für finanzielle Hilfen darstellt.

Jeff Engelen: Situation kritischer als angenommen

Um die Landwirtschaft wieder anzukurbeln, soll ab kommendem Monat verstärkt für lokale Produkte geworben werden. In der Krise habe sich bereits gezeigt, dass der Direktverkauf gestiegen sei. „Wenn es überhaupt einen positiven Aspekt an dieser Krise gibt, dann dass die Menschen ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung eines lokal ausgerichteten Konsums entwickelt haben“, so Burton. Deswegen halte die Regierung auch am Bioaktionsplan und den darin definierten Zielen, unter anderem 100 Prozent Bio bis 2050, fest. 

Jeff Engelen (ADR) glaubt, dass die Situation kritischer ist, als von der Regierung angenommen. Viele Bauern hätten ihre Rinder wegen der Krise nicht auf den Markt gebracht und würden dies in den nächsten zwei bis drei Monaten nachholen. Dies werde zu einem Überangebot und damit auch zu einem Preisverfall führen. Die wirklichen Folgen der Covid-19-Pandemie zeigten sich also erst mit einiger Zeitverzögerung. 

Lokale Produktion wichtig 

Aufseiten der Landwirte bewertet man die aktuelle Situation zwiegespalten. Wie Josiane Wilmes, Direktorin der Bauerenzentral, gestern bei „RTL Radio“ erklärte, leide vor allem der Bereich des Rindfleischs, wo der Preis teilweise um mehr als 20 Prozent zurückgegangen sei. Dies führte sie vor allem auf die geschlossenen Gastronomiebetriebe zurück, was besonders den Weinbau stark getroffen habe. Der Milchpreis sei hingegen stabil geblieben. Die Politik müsse die nötigen Akzente setzen und den Bauern finanzielle Hilfen gewähren, die sie bis heute nicht erhalten hätten. Viele Betriebe konnten ihre Produkte nicht mehr auf dem freien Markt verkaufen, die dadurch entstandenen Einkommensausfälle müssten kompensiert werden. 


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In einer am Nachmittag verschickten Pressemitteilung heißt es zudem, die Corona-Krise habe die Bedeutung der lokalen Lebensmittelproduktion noch einmal unterstrichen. In Bezug auf die neue EU-Agrarstrategie „Farm to Fork“ und die Biodiversitätsstrategie 2030 ist es der Appell, den Bauern nicht zu viele Restriktionen, beispielsweise beim Pflanzenschutz, aufzuerlegen. 

Davor warnt auch die Baueren-Allianz, ebenfalls in einer Pressemitteilung. Ansonsten könne es nämlich zur Abwanderung eines Teils der Lebensmittelproduktion in Drittstaaten mit wesentlich niedrigeren Standards kommen.

  

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