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"La chambre rose": Meisch reagiert
Politik 11.06.2019

"La chambre rose": Meisch reagiert

Bildungsminister Claude Meisch hält den Vorwurf der Homophobie für gerechtfertigt.

"La chambre rose": Meisch reagiert

Bildungsminister Claude Meisch hält den Vorwurf der Homophobie für gerechtfertigt.
Foto: Chris Karaba
Politik 11.06.2019

"La chambre rose": Meisch reagiert

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
"Xavier und Etienne wollen ihr Zimmer rosa streichen." Diese Sachaufgabe aus dem Mathematikbuch "Clic & Maths 3e" ist Gegenstand einer parlamentarischen Frage der LSAP, die seit Mittwoch für großen Wirbel sorgt.

Normalerweise haben Minister einen Monat Zeit, um parlamentarische Anfragen von Abgeordneten zu beantworten. In diesem Fall sprach Bildumgsminister Claude Meisch aber schon innerhalb 24 Stunden Klartext, als er auf eine Anfrage des "Luxemburger Wort" reagierte. Es geht um homophobe Darstellungen in offiziellen Schulbüchern. Was ist passiert?

Im Mathematikbuch "Clic & Maths 3e", das in den Klassen der 3e, der 2e und der 1ere der Sektionen E, F und G genutzt wird, befindet sich eine Sachaufgabe mit dem Titel "La chambre rose". Zwei Jungs - Xavier und Etienne - wollen jeder sein Zimmer rosa streichen: der eine etwas dunkler, der andere etwas heller. Die Aufgabe besteht darin herauszufinden, wie viele Anteile Weiß und wie viele Anteile Rot gemischt werden müssen, um den gewünschten Farbton zu erreichen.

Der LSAP-Abgeordnete Franz Fayot erkundigte sich bei Bildungsminister Claude Meisch (DP), wie es sein kann, dass solche homophoben Inhalte in einem offiziellen Schulbuch vorkommen. Hinzu kommt, dass mit den beiden Jungs offenkundig Premierminister Xavier Bettel und Vizepremier Etienne Schneider gemeint sind.

Auf "Wort"-Nachfrage erklärte der Bildungsminister am Donnerstag, dass 2011/12 eine Arbeitsgruppe mit vier Mathematiklehrern an der Überarbeitung der Mathematikbücher beteiligt war und eine erste neue Fassung gedruckt wurde, "die völlig in Ordnung war". 2015 sei eine zweite Fassung erschienen, "in der komischerweise zwei Mädchennamen durch Xavier und Etienne ersetzt wurden"

Für Claude Meisch ist klar, dass es sich um einen schlechten Witz handelt, und "dass der Vorwurf der Homophobie absolut berechtigt ist."

Die Änderung ist Meisch zufolge am Bildungsministerium vorbei direkt zwischen der Arbeitsgruppe und dem belgischen Verlagshaus vorgenommen worden. 2016 habe man die interne Prozedur angepasst, seither läuft der Kontakt zwischen Arbeitsgruppe und Verlagshaus zwecks Kontrolle über das Bildungsministerium (SCRIPT). 


2019/20 werden etwas weniger als die Hälfte der neuen Lehrerposten im Fondamental mit Quereinsteigern besetzt.
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Wenige Wochen vor den Sommerferien steckt das Bildungsministerium in den Vorbereitungen für die Lehrerrekrutierung. Ohne Quereinsteiger können die Stellen im Fondamental nicht besetzt werden.

Die Angelegenheit ist inzwischen verjährt. Der Minister bedauert dies. Seines Erachtens hätte es zu einem disziplinarischen Verfahren gegen die betroffenen Lehrer kommen müssen. Drei von ihnen seien inzwischen im Ruhestand und einer noch als Lehrer aktiv.

Das Buch, das in dieser Fassung erstmals 2015 erschien, wird nun aus dem Verkehr gezogen und erneut überarbeitet.

In seiner Antwort auf die parlamentarische Frage des LSAP-Abgeordneten Franz Fayot bedankte sich Bildungsminister Claude Meisch bei diesem, dass er den "bedauerlichen Wortlaut" der Mathe-Aufgabe ans Licht gebracht hat. Er teile seine Ansicht, dass der Vorfall wichtige Fragen aufwerfe.

Hier die parlamentarische Frage und deren Antwort im Wortlaut: