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Kurze Rede, klare Wahl
Jean Asselborn beglückwünscht Etienne Schneider, den neuen und alten Spitzenkandidaten der LSAP.

Kurze Rede, klare Wahl

Jean Asselborn beglückwünscht Etienne Schneider, den neuen und alten Spitzenkandidaten der LSAP.
Politik 4 Min. 25.03.2018

Kurze Rede, klare Wahl

Marc SCHLAMMES
Marc SCHLAMMES
Er war der einzige Kandidat und wurde am Ende mit 94,74 Prozent zum Spitzenkandidaten gekürt: Etienne Schneider führt die LSAP in die Parlamentswahlen, wie schon 2013. Damals erreichte er 99 Prozent.

Seine Bewerbungsrede fällt kurz und knapp aus. Gerade mal 20 Minuten spricht Etienne Schneider zu den 371 Delegierten im Centre Barblé in Strassen. Das reicht an Überzeugungsarbeit, um mit 94,74 Prozent der Stimmen zum zweiten Mal nach 2013 zum Spitzenkandidaten der Sozialisten gekürt zu werden.

Da sich die Partei erst Ende Juni, Anfang Juli auf ihr Wahlprogramm verständigen wird, bleibt der Auftritt von Schneider vage und oberflächlich. Er lässt lediglich durchblicken, dass sich dieses Programm an den vier Adjektiven aus dem Leitfaden der LSAP - fortschrittlich, gerecht, solidarisch, sozial - orientieren wird.


Keine Zweifel lässt er am Wahlziel zu: "Wir wollen die Wahlen am 14. Oktober gewinnen." Seinen Optimismus begründet er mit dem Hinweis, dass die vier Listen der Partei mit 60 "Machern" besetzt seien und dass es in diesen Zeiten Macher brauche, um das Land zu modernisieren.

"Schlafmützen der CSV"

Seinen direkten Gegenspieler im Zentrum spricht er diese Eigenschaft ab. "Claude Wiseler war zehn Jahr Minister, ohne, dass es aufgefallen ist." Folglich dürften die Wähler das Land auch nicht den "Schlafmützen der CSV" oder dem rechtslastigen Bündnis aus ADR und Wee2050 überlassen. 

Das Terrain für den Spitzenkandidaten bereitet an diesem Sonntagvormittag Jean Asselborn, der die LSAP 2004 und 2009 in die Chamberwahlen führte und 2013 von Etienne Schneider als Spitzenkandidat abgelöst wurde. Wie der Edelhelfer im Radsport, ist Asselborn bemüht, seinem Nachfolger eine gute Ausgangsposition zu verschaffen und gibt ihm unter anderem mit auf den Weg, seine Schwächen zu verstecken. "Wir zählen auf deine Stärken."

Außenminister Asselborn: Extratouren stoßen nicht auf sozialistische Gegenliebe.
Außenminister Asselborn: Extratouren stoßen nicht auf sozialistische Gegenliebe.
Guy Jallay

Mit der Regierungsbilanz 2013/18 ist Asselborn zufrieden. An den Kongress ergeht daher sein Appell, dafür zu sorgen, dass die Menschen im Land nicht erst im Oktober 2028 merken, dass es eine gute Legislaturperiode gewesen sei, sondern dies bereits im Oktober 2018 an den Wahlurnen zum Ausdruck bringen.

Wir sind das Original in sozialen Fragen."

Aufgrund der geleisteten Arbeit - "Es wurden noch nie so viele Gesetzvorlagen verabschiedet wie in den vergangenen viereinhalb Jahren" - versprüht auch Alex Bodry Zuversicht: "Die Wahlen können gewonnen werden und wir werden die Wahlen gewinnen." Seinen Optimismus macht der Fraktionsvorsitzende neben den eigenen Verdiensten auch an der "Armut der konkreten Ideen" der größten Oppositionspartei fest. "Die CSV hat eine Nebelkerze nach der anderen gezündet", stellt er dem einstigen Koalitionspartner ein schlechtes Zeugnis aus.

Parteichef Claude Haagen und Generalsekretär Yves Cruchten sind zuversichtlich, dass die LSAP gestärkt aus den Wahlen hervorgeht.
Parteichef Claude Haagen und Generalsekretär Yves Cruchten sind zuversichtlich, dass die LSAP gestärkt aus den Wahlen hervorgeht.
Guy Jallay

"Wir sind das Original in sozialen Fragen" liefert derweil Parteipräsident Claude Haagen seiner Basis ein Argument, weshalb die LSAP gestärkt aus den Chamberwahlen hervorgehen werde. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, erachtet er es als wichtigste Aufgabe, "die Schere zwischen Arm und Reich zusammenzuführen". Dieses Unterfangen will der Parteichef unter anderem zusammen mit den Gewerkschaften wie dem OGBL angehen, sucht er den Schulterschluss mit dem Arbeitnehmervertretungen.


"In der Politik ist alles möglich"
An diesem Wochenende laden die CSV und die LSAP zu ihren jeweiligen Nationalkongressen ein. Das "Luxemburger Wort" hat den beiden Parteipräsidenten Marc Spautz (CSV) und Claude Haagen (LSAP) auf den Zahn gefühlt.

Auch wenn das Wahlprogramm erst noch verfasst werden muss, so zitiert Haagen, der die Anwesenden gleich zu Beginn in Kongressstimmung zu versetzen vermag, "rote Linien", die mit der LSAP nicht zu überschreiten sind. An den Renten werde nicht gerüttelt und der Indexmechanismus bleibe unangetastet.

"Integratives Wachstum"

Er wiederholt die Forderung, dass es mit seiner Partei, sollte sie in der Verantwortung bleiben, zu einer Mindestlohnerhöhung von 100 Euro komme und betont, dass die Wachstumsfrage den Wahlkampf dominieren werde. Die Sozialisten wollen sich für ein "integratives Wachstum" einsetzen, bei dem der Mensch im Mittelpunkt stehe. Die Herausforderung bestehe darin, eine Wachstumspolitik zu praktizieren, die allen Bürgern zugute komme, stellt Claude Haagen klar.



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