Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kritik an den Hôpitaux Robert Schuman wächst
Politik 4 Min. 25.02.2021

Kritik an den Hôpitaux Robert Schuman wächst

Die Hôpitaux Robert Schuman geraten immer stärker unter Druck, weil die Mitglieder des Verwaltungsrates, Jean-Luois Schiltz, Michel Wurth und Claude Seywert prioritär am 18. Januar gegen Covid geimpft wurden.

Kritik an den Hôpitaux Robert Schuman wächst

Die Hôpitaux Robert Schuman geraten immer stärker unter Druck, weil die Mitglieder des Verwaltungsrates, Jean-Luois Schiltz, Michel Wurth und Claude Seywert prioritär am 18. Januar gegen Covid geimpft wurden.
Foto: Anouk Antony
Politik 4 Min. 25.02.2021

Kritik an den Hôpitaux Robert Schuman wächst

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Der Verwaltungsrat der Hôpitaux Robert Schuman wurde prioritär geimpft. Die Kritik wächst, auch seitens der Politik. Die Kliniken wollen nun in einer eilends einberufenen Pressekonferenz am Donnerstagmorgen Stellung zu den Vorwürfen beziehen.

Nachdem Radio 100,7 vergangene Woche gemeldet hatte, dass der Präsident des Verwaltungsrats, Jean-Louis Schiltz, und die beiden Vizepräsidenten Michel Wurth und Claude Seywert, bereits am 15. Januar gegen Covid geimpft wurden, obwohl sie laut der nationalen Impfstrategie noch nicht an der Reihe waren, geraten die Hôpitaux Robert Schuman (HRS) zunehmend unter Beschuss.

Die HRS werden in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstagmorgen nun Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Wir werden zeitnahm berichten. 

Der frühere CSV-Minister Jean-Louis Schiltz ist Vorsitzender der Stiftung Hopitaux Robert Schuman
Der frühere CSV-Minister Jean-Louis Schiltz ist Vorsitzender der Stiftung Hopitaux Robert Schuman
Foto: Guy Jallay

In einer ersten Stellungnahme hatte der Pressesprecher der Kliniken, Marc Glesener, versucht, die Vorwürfe zu entkräften. Schiltz, Wurth und Seywert hätten das Vakzin bereits erhalten, bevor der Dachverband der Krankenhäuser (FHL) darüber informiert habe, dass Mitglieder der Verwaltungsräte nicht prioritär geimpft werden sollten. Zudem würden sich die Mitglieder des HRS-Verwaltungsrats regelmäßig für Besprechungen in den Kliniken aufhalten, vor allem Präsident Schiltz.

Dann stellte sich allerdings heraus, dass die Mitteilung bereits am 13. Januar mündlich erfolgt war, und zwar im Rahmen einer Besprechung zwischen dem Gesundheitsministerium, der FHL und den Krankenhäusern. Die schriftliche Anweisung kam am 18. Januar per Mail. Zudem sieht die Konvention zwischen dem Gesundheitsministerium und den Krankenhäusern vom 8. Januar vor, dass lediglich Personen, die vertraglich an eine Klinik gebunden sind, vorrangig geimpft werden dürfen. Laut Impfstrategie sollen die Verwaltungsräte erst zum Schluss der zweiten Phase geimpft werden.


Bericht: HRS-Verwaltungsrat kannte Impf-Vorgaben der Santé
Drei Verwaltungsratsmitglieder der Hôpitaux Robert Schuman hätten sich bewusst impfen lassen, obwohl der offizielle Impfplan der Santé sie erst in der zweiten Phase vorsieht. Das meldet Radio 100,7.

Seither bemüht man sich in den HRS um Schadensbegrenzung. So meinte der HRS-Generaldirektor Claude Schummer auf Nachfrage, die Konvention sei recht vage formuliert. Die HRS hätten die Mitglieder des Verwaltungsrats geimpft, weil sie sich immer wieder in den Kliniken aufhalten würden und somit einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt wären. Man müsse dafür sorgen, dass die Krankenhäuser weiter reibungslos funktionieren könnten, so Schummer weiter. Die „Business continuity“ müsse garantiert sein. Wenn die anderen Kliniken ihre Verwaltungsräte nicht impfen würden, dann sei das deren Problem. Die anderen Häuser haben auf eine prioritäre Impfung ihrer Spitzen verzichtet. Zudem will der Radiosender 100,7 wissen, dass die HRS-Ausschusssitzungen fast ausschließlich online stattgefunden haben. 

Auch Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) will das Ganze möglichst schnell vom Tisch haben. Im Rahmen einer Pressekonferenz zum sogenannten Gesondheetsdësch zu der Angelegenheit befragt, sprach sie am Dienstag von „Interpretationsdivergenzen“. Man habe sich ausgesprochen. Damit sei die Sache für sie vom Tisch.

Kritik aus der Chamber

Für die Abgeordneten ist dies aber nicht der Fall. Man dürfe seine Position nicht ausnützen, um sich einen Vorteil zu verschaffen, erklärte die CSV-Fraktionsvorsitzende Martine Hansen am Mittwoch auf Nachfrage: „Die Reihenfolge muss konsequent eingehalten werden.“ Das gelte für Sportler und  Politiker genau so wie eben für die Mitglieder der Aufsichtsräte. Allerdings sei zurzeit noch nicht genau gewusst, wie klar seitens Gesundheitsministerium kommuniziert worden sei, gibt Hansen zu bedenken. Das Ministerium müsse die Reihenfolge ganz genau festlegen. Dann gebe es keine Schlupflöcher. Wer sich dann trotzdem einen Vorteil verschaffe, müsse auch die Konsequenzen tragen. 

Es ist nicht das, was die Regierung geplant hat. Priorität hat das medizinische Personal.

Josée Lorsché

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Mars Di Bartolomeo (LSAP), spricht von einem „Fehler“. Wenn die Betroffenen oder die Klinikleitung Zweifel ob der Reihenfolge bei der Impfstrategie gehabt hätten, hätten sie noch einmal nachhaken müssen, meint Di Bartolomeo: „Sie haben unklug gehandelt.“ Allerdings dürfe man nun nicht die gesamte Impfstrategie wegen des Vorfalls infrage stellen.

Auch Josée Lorsché sieht die Vorgehensweise der HRS kritisch: „Es ist nicht das, was die Regierung geplant hat. Priorität hat das medizinische Personal“, so die Fraktionsvorsitzende von Déi Gréng. Sie geht davon aus, dass etwas „schiefgelaufen ist“, wobei sich allerdings die Frage stelle, wieso dies passieren konnte. Auch Lorsché verweist darauf, dass noch nicht alle Fakten bekannt seien und sie sich daher kein abschließendes Urteil bilden könne. 

Ähnlich sieht es auch ihr Kollege von der DP. Egal wie es zu der Impfaktion gekommen sei, sei das Ganze „sehr unglücklich“, sagt Gilles Baum.  Sollte der Impfstoff den Mitgliedern des Verwaltungsrates von der Klinik angeboten worden sein, hätten sie den Reflex haben müssen, das Angebot abzulehnen. 

„Ein mittelgroßer Skandal“

Marc Baum (Déi Lénk) spricht von einem „mittelgroßen Skandal“. Die Mitglieder des HRS-Verwaltungsrats hätten von ihrer Machtposition profitiert, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Für den Abgeordneten stellt sich die Frage, wie es weiter gehen soll. Da es sich um ein privat geführtes Krankenhaus handele, könne niemand zum Rücktritt gezwungen werden. Allerdings müsse man in Erwägung ziehen, ob man nicht  Sanktionen einführen müsse. 

Sven Clement (Piraten) geht mit seiner Kritik noch einen Schritt weiter. Am Mittwochmorgen hatte er in der  RTL-Sendung  „Invité vun der Redaktioun“ sogar von „Diebstahl“ gesprochen. Der Impfstoff sei mit Steuergeldern bezahlt und an die Krankenhäuser ausgeliefert worden, damit das vertraglich gebundene Gesundheitspersonal geimpft werden könne.  Schiltz, Wurth und Seywert seien weder über einen Vertrag an die HRS gebunden noch stünden sie in direktem Kontakt mit den Patienten.  Dass die Konvention zwischen den Kliniken und dem Staat zu vage sei, ließ Clement nicht gelten. Das sei eine „billige Ausrede“. 

Für Fernand Kartheiser (ADR) ist die frühzeitige Impfung „deontologisch inakzeptabel“. Für ihn handelt es sich um einen Fall von Amtsmissbrauch. Die Entscheidung, welche Konsequenzen sie aus der Angelegenheit ziehen sollen, liege allein bei Schiltz, Wurth und Seywert. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Impfaktion im HRS: Schiltz opfert Schummer
Nach "Wort"-Informationen soll Generaldirektor Claude Schummer als Sündenbock herhalten, dass sich drei Verwaltungsratsmitglieder der Hopitaux Robert Schuman vorzeitig impfen ließen.
Der Verwaltungsratspräsident der Hôpitaux Robert Schuman, Jean-Louis Schiltz, am Donnerstag bei der Pressekonferenz.