Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kompetenzzentren in den Krankenhäusern: Streit oder Symbiose
Politik 3 Min. 06.04.2015

Kompetenzzentren in den Krankenhäusern: Streit oder Symbiose

Der neue Spitalplan sieht die Schaffung von zehn spezialisierten Zentren vor.

Kompetenzzentren in den Krankenhäusern: Streit oder Symbiose

Der neue Spitalplan sieht die Schaffung von zehn spezialisierten Zentren vor.
Shutterstock
Politik 3 Min. 06.04.2015

Kompetenzzentren in den Krankenhäusern: Streit oder Symbiose

Der neue Spitalplan sieht die Schaffung von Kompetenzzentren vor. Welches Zentrum wohin kommt, müssen allerdings die Spitäler untereinander ausmachen. Die schwierige Entscheidungsfindung obliegt der FHL.

Von Bérengère Beffort

Der neue Spitalplan gibt die Richtung vor: Zehn Kompetenzzentren sollen sich künftig bestimmten Krankheitsbildern widmen. Die spezialisierten Zentren werden die Ressourcen, Therapien und Fachwissen an ein paar Standorten bündeln und zur Verbesserung der medizinischen Versorgung beitragen. Eine optimierte Organisation, die nicht zuletzt darauf abzielt, die öffentliche Krankenkasse zu entlasten.

Das Ziel ist klar, doch über die konkrete Umsetzung verliert die politische Vorlage kein Wort. Die entsprechende großherzogliche Verordnung liefert keine näheren Anweisungen. Vielmehr spielt die Politik den Ball an die Krankenhäuser weiter.

Krankenhäuser müssen liefern

Diese Vorgehensweise lässt den Akteuren des Spitalwesens zwar einen gewissen Spielraum, um sich die Pflegeleistungen für u. a. Krebserkrankungen, Diabetes oder auch Schlaganfälle aufzuteilen. Es macht die Lage aber nicht einfacher, weil seit jeher ein Konkurrenzdenken zwischen den vier großen Spitalträgern des Landes herrscht und jeder die besten Leistungen für sich beansprucht. 

Die Föderation der Krankenhäuser (FHL), welche die Zuteilung leiten soll, nimmt die Herausforderung mit Fassung an. „Die Politik überträgt den Spitälern die Verantwortung“, sagt FHL-Präsident Paul Junck. An sich sei der Ansatz nicht verkehrt, weil die Spitäler als Akteure am ehesten Bescheid wissen, wie die Gesundheitsleistungen koordiniert werden können.

Als Verband bietet die FHL eine zentrale Plattform für den Austausch sowie die Meinungsbildung zwischen den Krankenhäusern, und hat schon in Sachen Zusammenarbeit gute Erfahrungen beim gemeinsamen Materialeinkauf gesammelt. Darauf könne man aufbauen, zeigt sich Paul Junck zuversichtlich.

Es geht an die Substanz

Die Zuordnung ist dennoch kein leichtes Unterfangen. Denn hier geht es um das Kerngeschäft der Krankenhäuser. Dort wo individuelle und regionale Interessen die Entscheidungen prägten, geht es jetzt darum, das System übergreifend auszurichten.

„Es wird nicht einfach sein“, räumt der FHL-Präsident ein. Jedes Krankenhaus bilde eine eigene juristische Entität, jeder Träger müsse eigene 
Herausforderungen bewältigen. Außerdem würde der Sektor nicht über eine eingehende Dokumentation der medizinischen Aktivitäten innerhalb der Krankenhäuser verfügen, um sich ein umfassendes Bild der Tätigkeiten machen zu können.

Die Politik überträgt den Spitälern die Verantwortung.

Paul Junck setzt auf Transparenz bei den Gesprächen mit den Spitalvertretern. Sachbezogen, methodisch, unaufgeregt, soll die Planung vonstatten gehen. Die Aufteilung will er an klare Kriterien knüpfen.

FHL definiert das Umfeld

Die FHL zeichnet zunächst auf, was es mit einem Kompetenzzentrum auf sich hat. Wie muss ein Kompetenzzentrum aufgestellt sein, welche Leistungen muss es gewährleisten und wie muss die Ärzteschaft zusammenarbeiten? Diese Fragen und die daraus resultierenden Standards sollen dann zur Auswahl beitragen.

FHL-Präsident Paul Junck.
FHL-Präsident Paul Junck.
Lex Kleren

Wesentlich bleibt aber, dass sich die Krankenhausgruppen Chem, CHL, CHdN und Hôpitaux Robert Schuman grundsätzlich auf die Diskussion einlassen. Eine genaue Zeitschiene hat die Regierung nicht vorgeschrieben. Bis wann die Gespräche abgeschlossen sein müssen und die FHL dem Gesundheitsministerium ihre Vorschläge unterbreiten muss, ist im Spitalplan nicht definiert.

"In charge but not in control"

Sind die Krankenhäuser bereit, ihre Rolle neu zu definieren, so ruft der FHL-Präsident die politischen Verantwortlichen dazu auf, für ein gutes Umfeld zu sorgen. Dazu gehöre die Dokumentation der medizinischen Aktivitäten, die fortgesetzt werden müsse; die Beteiligung aller Akteure an der globalen Kostenrechnung; und insgesamt gelte es, die Patienten und Ärzte mehr in die Pflicht zu nehmen. Eine bessere Steuerung des Gesundheitssystems setze voraus, dass alle Teilnehmer einen Beitrag leisten.

„Wir müssen mit einem gedeckelten Budget zurechtkommen und die Leistungen, die von den Krankenhausärzten und den Patienten beansprucht werden, gewährleisten. Allerdings verfügen wir nicht über ein Steuerinstrument. Wir sind ,in charge but not in control‘“, bemängelt Paul Junck.

Der finanzielle Druck im Gesundheitssystem wird erneut bei den Verhandlungen über das 
Gesamtbudget der Krankenhäuser zur Diskussion stehen. Den Zwängen könne man nur Rechnung tragen, wenn man mehr 
Einfluss nehmen könne, gibt die FHL zu verstehen. Dafür müsse auch die Rolle der Ärzteschaft in den Spitälern näher geregelt werden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Spitalgesetz : Konstruktive Gespräche mit der FHL
Zwei Stunden lang haben die Krankenhausföderation und Gesundheitsministerin Lydia Mutsch am Freitag über das Spitalgesetz beraten. Beide Seiten sprachen nach der Sitzung von einem sachlichen Meinungsaustausch.
Die Krankenhausföderation ist generell zufrieden mit dem neuen Spitalgesetz.
FHL zum neuen Spitalgesetz: Kein Verständnis für Ärger der Ärzte
Die "Fédération des hôpitaux luxembourgeois" ist der Ansicht, dass das neue Spitalgesetz in die richtige Richtung geht. Sie begrüßt, dass die Rolle der Krankenhausleitungen gestärkt wird, und will, dass die Ärzte stärker in die Organisation der Spitäler eingebunden werden.
Die Vertreter der vier Spitalgruppen wollen die Krankenhausärzte stärker in die Organisation der Spitäler einbinden.
Neuer Spitalplan: Koordinierte Behandlung
Die Zukunft des Spitalwesens hängt von einer guten Koordination zwischen den Krankenhäusern ab. Das trifft besonders auf die Schaffung von rund zehn Kompetenzzentren zu. Der neue Spitalplan setzt den allgemeinen Rahmen, genaue Anweisungen gibt es nicht.
Anfang 2015 soll der neue Spitalplan in Kraft treten
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.