Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kommentar: Es geht um mehr als um Flüchtlingsheime
Politik 05.02.2016

Kommentar: Es geht um mehr als um Flüchtlingsheime

Integrationsministerin Corinne Cahen besuchte in den vergangenen Monaten mehr als ein Flüchtlingsheim und nutzte die Medienaufmerksamkeit, um der Bevölkerung zu verdeutlichen, dass an der Solidarität kein Weg vorbeiführt.

Kommentar: Es geht um mehr als um Flüchtlingsheime

Integrationsministerin Corinne Cahen besuchte in den vergangenen Monaten mehr als ein Flüchtlingsheim und nutzte die Medienaufmerksamkeit, um der Bevölkerung zu verdeutlichen, dass an der Solidarität kein Weg vorbeiführt.
Foto: Gerry Huberty
Politik 05.02.2016

Kommentar: Es geht um mehr als um Flüchtlingsheime

Kerstin SMIRR
Kerstin SMIRR
Bisher haben sich Jean Asselborn und Corinne Cahen in der Flüchtlingspolitik gut geschlagen. Doch ist es Zeit, dass auch ihre Ministerkollegen sich dem Thema endlich annehmen. Ein Kommentar von Kerstin Smirr.

Von Kerstin Smirr

Dass ein Minister plötzlich zum Krisenmanager mutieren kann, konnten Jean Asselborn und Corinne Cahen in den vergangenen Monaten hautnah miterleben. Auf EU-Ebene hatte der Außenminister alle Hände voll damit zu tun, seinen osteuropäischen Kollegen den Begriff “Solidarität” zu erläutern.

In Luxemburg schaffte es die Integrationsministerin, ausreichend Unterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Zugute kam Corinne Cahen dabei die allgemeine "Refugees Welcome"-Stimmung in der Bevölkerung. Sie ließ auch die Blockadehaltung vieler Bürgermeister schwinden, mit der Cahens Vorgängerin Marie-Josée Jacobs beim letzten großen Flüchtlingszustrom in den Jahren 2011 und 2012 zu kämpfen hatte.

Im Herbst 2011 wurden Flüchtlinge auf Campingplätzen untergebracht, weil Erstaufnahme-Einrichtungen fehlten.
Im Herbst 2011 wurden Flüchtlinge auf Campingplätzen untergebracht, weil Erstaufnahme-Einrichtungen fehlten.
Foto: Marc Wilwert

Doch auch wenn uns das Bild campierender Flüchtlinge dieses Mal erspart bleibt: Die CSV-LSAP-Regierung konnte sich sicher sein, dass die Schutzsuchenden aus den Westbalkanstaaten rasch in ihre Heimat zurückkehren würden.

Dieses Mal ist das anders. Die Anerkennungsquote für Asylbewerber ist bereits im vergangenen Jahr gestiegen. Und sie wird sich weiter erhöhen, wenn in den nächsten Monaten viele bisher noch unbearbeitete Anträge von Menschen aus Syrien und dem Irak positiv beschieden werden.

In Zukunft wird es nicht mehr reichen, sich in Informationsveranstaltungen den Fragen der Bürger zu Flüchtlingsheimen zu stellen. Es werden neue Fragen kommen und sie werden nicht nur das Immigrations- und Integrationsministerium treffen.

Herr Meisch, wie viele Lehrer werden zusätzlich eingestellt? Frau Mutsch, wie garantieren Sie, dass sich Flüchtlinge auf arabisch Ärzten und Psychologen anvertrauen können? Herr Schmit, welche auf die Zielgruppe zugeschnittenen Arbeitsmaßnahmen werden eingeführt? Herr Hansen, wie verhindern Sie, dass sich in der Bevölkerung die bereits jetzt hörbare Gleichung “mehr Flüchtlinge = weniger sozialer Wohnraum für Luxemburger” flächendeckend durchsetzt?

Antworten auf alle diese Fragen haben wir bisher noch keine gehört, dabei drängt die Zeit. Denn je länger die Regierung wartet, die Flüchtlingskrise als gesamtheitliches Thema anzupacken, desto schwieriger wird die Integration, desto größer wird die Gefahr, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt. Das Krisenmanagement ist noch lange nicht beendet.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Flüchtlinge in Luxemburg: Nicht alle wollen bleiben
Nicht alle Flüchtlinge, die sich bei der Integrationsbehörde Olai melden, wollen dauerhaft in Luxemburg bleiben. Laut Außenminister Jean Asselborn beantragen etwa 24 Prozent überhaupt kein Asyl im Großherzogtum.
Dossier: Die Flüchtlingspolitik in Luxemburg
Rund 1000 Hilfsbedürftige aus dem Ausland kamen 2014 nach Luxemburg, um hier einen Asylantrag zu stellen. Wie leben diese Menschen? Welche Lebensgeschichte bringen sie mit? Und welche Unterstützung leisten Gemeinden und Staat? Ein Dossier.
15.05.24 syrische Fluechtlinge in 
 Luxemburg, Weilerbach, Foto: Marc Wilwert
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.