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Kirchenfonds: "Eine starke Dynamik"
Die Verantwortlichen des Kirchenfonds zogen nach zwölf Monaten Bilanz. V.l.n.r.: Leo Wagener (administrateur), Norbert Haupert (Präsident des Verwaltungsrats), Philip Mauel (administrateur délégué) und Marc Wagener (administrateur).

Kirchenfonds: "Eine starke Dynamik"

Foto: Guy Jallay
Die Verantwortlichen des Kirchenfonds zogen nach zwölf Monaten Bilanz. V.l.n.r.: Leo Wagener (administrateur), Norbert Haupert (Präsident des Verwaltungsrats), Philip Mauel (administrateur délégué) und Marc Wagener (administrateur).
Politik 4 Min. 04.06.2019

Kirchenfonds: "Eine starke Dynamik"

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Gut ein Jahr nachdem der Kirchenfonds seine Arbeit aufgenommen hat, haben die Verantwortlichen Bilanz gezogen, und die fällt ziemlich positiv aus.

25.8. Kathedrale / Kirche u. Staat / Fahne foto:Guy Jallay
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Vor gut einem Jahr hat der Kirchenfonds seine Arbeit aufgenommen. Am Montag zogen die Verantwortlichen eine erste Bilanz.

"Es gab eine starke Dynamik", resümierte der Vorsitzende des Aufsichtsrats des Kirchenfonds, Norbert Haupert, am Dienstag. Kein Wunder, denn der Kirchenfonds musste fast bei null anfangen und ganz neue Strukturen aufbauen. Die vergangenen  zwölf Monate waren folglich durch eine intensive Aufbauarbeit gekennzeichnet. Allein der Verwaltungsrat kam 14 Mal zusammen.

Norbert Haupert steht an der Spitze des Kirchenfonds. Sein Mandat und die der anderen Verwaltungsratsmitglieder wurde um ein Jahr verlängert.
Norbert Haupert steht an der Spitze des Kirchenfonds. Sein Mandat und die der anderen Verwaltungsratsmitglieder wurde um ein Jahr verlängert.
Foto: Guy Jallay

Nach einem Jahr fällt die Bilanz durchwegs positiv aus. "Ich bin sehr positiv überrascht", meinte  auch Generalvikar Leo Wagener in seiner Funktion als Verwaltungsratsmitglied. Der Fonds biete viele Chancen, beinhalte aber auch Risiken. Wenn der Fond erst einmal richtig Schritt gefasst hat und alles richtig läuft, gehöre das Bistum Luxemburg in Bezug auf die kirchliche Verwaltung und die Transparenz zu den Spitzenreitern in ganz Europa.


Das Gesetz tritt drei Monate nach der Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft.
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Und genau dies war auch eines der großen Ziele, als der Kirchenfonds am 1. Mai 2018 ins Leben gerufen wurde. Er trat an die Stelle der alten Kirchenfabriken, die mit dem Gesetz vom 13. Februar 2018 nach über 200 Jahren abgeschafft wurde.

135 Kirchen gehören dem Fonds

Von den 486 Kirchen und Kapellen im ganzen Land befinden sich 135 im Besitz des Fonds, die restlichen 351 gehören den Kommunen. Dabei fällt auf, dass im Süden des Landes besonders viele Kirchen dem Fonds gehören. In den eher ländlich geprägten Gegenden im Norden, im Westen und an der Mosel sind meist die Gemeinden Eigentümer der Sakralbauten.

Allerdings wurden bislang nur 18 Konventionen zwischen den Gemeinden und den Kirchenfabriken unterzeichnet. Betroffen sind 22 Kirchen. In diesen Konventionen werden für die Kirchen, die sich in kommunalem Besitz befinden, die  Nutzungsmodalitäten festgeschrieben.  In den vergangenen zwölf Monaten wurden drei Kirchen, bzw. Kapellen entweiht: die Kirche von Lasauvage, die Kapelle von Weyer bei Fischbach sowie die Privatkapelle im Schloss von Ansemburg.

Viele Sozialwohnungen

Neben den Kirchen gingen nach der Abschaffung der alten Kirchenfabriken aber auch eine ganze Reihe von Immobilien in den Besitz des Fonds über. Wie Philip Mauel, administrateur-délégué, am Dienstag mitteilte, gehören dem Fonds 160 Gebäude, etwa Vereinsgebäude mit Büros und Versammlungssälen, aber auch Sozialwohnungen, die vom Wohnungsbauministerium bezuschusst werden. Was nun die Sozialwohnungen anbelangt, so wurden 35 Einheiten bereits fertiggestellt, 85 befinden sich in Arbeit und weitere 250 sind in Planung.

Zudem besitzt der Kirchenfonds etwa 400 Hektar Wald, die zusammen mit der Forstverwaltung bewirtschaftet werden. Das genaue Inventar wird in den kommenden Monaten erstellt. Dazu kommen noch einmal 1.500 Hektar  Land, meist Felder, Wiesen und Weiden.

2,5 Millionen Defizit

Die Finanzsituation des Kirchenfonds sieht nach dem ersten Jahr nicht ganz so gut aus. Laut Marc Wagener fuhr der Fonds ein Defizit von 2,5 Millionen Euro ein. Allerdings stehen dem Liquiditäten in Höhe von 15,5 Millionen Euro gegenüber.

Als der Fonds vor einem Jahr seine Arbeit aufnahm, mussten die Verantwortlichen sich erst einmal einen Überblick über die Konten verschaffen: 1.300 verschiedene Konten waren von den alten Kirchenfabriken an den Fonds übergegangen. Mittlerweile konnten die Zahl auf 800 reduziert werden. Geht es nach dem Finanzexperten Marc Wagener sollen es aus organisatorischen Gründen noch weniger werden, wobei Konten nur dann aufgegeben werden, wenn die Basis dies auch will. 

Die Arbeit an der Basis liegt den Verantwortlichen des Fonds ganz besonders am Herzen. Ohne sie wäre die ganze Aufbauarbeit in den vergangenen Monaten erst gar nicht möglich gewesen.  Etwa 1.000 Freiwillige engagieren sich derzeit in den neuen kommunalen Kirchenfabriken oder in den 33 Conseil de gestion paroissiaux (CGP).  Dazu kommen 110 Angestellte auf Ebene der Pfarreien, etwa Organisten oder Küster. Die  Cellule de coordination et d'assistance, die als Bindeglied zwischen dem Verwaltungsrat und den 33 CGP funktioniert, zählt zehn Festangestellte.




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