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Kirchen unter Denkmalschutz
Politik 9 3 Min. 01.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Sakralbauten als Kulturdenkmäler

Kirchen unter Denkmalschutz

Die Kapelle in Grentzingen steht endgültig unter Denkmalschutz.
Sakralbauten als Kulturdenkmäler

Kirchen unter Denkmalschutz

Die Kapelle in Grentzingen steht endgültig unter Denkmalschutz.
Jim Wanderscheid
Politik 9 3 Min. 01.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Sakralbauten als Kulturdenkmäler

Kirchen unter Denkmalschutz

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Nach dem positiven Gutachten des Staatsrats ist die Liste der nationalen Denkmäler wieder etwas länger geworden. 20 Gebäude wurden erstmals unter Denkmalschutz gestellt. Auch zehn Kirchen und Kapellen gelten nun offiziell als „monument national“.

Von Dani Schumacher

Nachdem es einen gewissen Rückstau gegeben hatte, kommt nun wieder Bewegung in das Dossier Denkmalschutz. Ende Januar hatte der Staatsrat bereits 30 Anträge abgesegnet. Am 24. Oktober Woche folgten 20 weitere Gutachten. Als „monument national“ eingestuft wurden u.a. das Postgebäude in der Hauptstadt, das Streikdenkmal in Wiltz, das Weinmuseum in Ehnen, die Synagoge in Mondorf oder noch die „Villa Collart“ in Steinfort.

Wie im Januar finden sich auch diesmal mehrere Sakralbauten auf der Liste: Nach dem positiven Gutachten des Staatsrats gelten zehn weitere Kirchen und Kapellen offiziell als geschützt. Unter Denkmalschutz gestellt wurden die Kirchen  in  Oetringen, Fels, Fouhren,  Buschdorf, Manternach (zusammen mit dem Friedhof und der Lourdes-Grotte)  und in  Dalheim. Zudem gelten fortan die Kapellen in Walsdorf, Grentzingen, Hemstal und  Obereisenbach als "monument national".

Obwohl in diesem Jahr 31 Gotteshäuser in die Liste der nationalen Denkmäler aufgenommen wurden, bleibt die Zahl überschaubar. Zu Beginn des Jahres waren gerade einmal 67 Kirchen und Kapellen offiziell geschützt, nun sind es also fast 100. Schätzungen zufolge gibt es etwa 500 Sakralbauten im ganzen Land.

Ältere Anträge

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass die wachsende Zahl der denkmalgeschützten Kirchen etwas mit der bevorstehenden Abschaffung der Kirchenfabriken zu tun hat. Dem ist aber offensichtlich nicht so. Denn die Anträge für die zehn Kirchen und Kapellen, die nun geschützt wurden, waren von den Gemeinden bereits in den Jahren 2013 und 2014 eingegangen, also noch bevor die Regierung und das Erzbistum sich im Januar 2015 darauf verständigt hatten, die Kirchenfabriken abzuschaffen. Nur die Anfrage für die Kapelle in Hemstal erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt, und zwar im Mai 2015. Nach dem positiven Gutachten der Kommission für Denkmalschutz hatte die Regierung ihre Verordnungen im Sommer an den Staatsrat übersandt.

Nur knapp ein Fünftel der Luxemburger Sakralbauten steht unter Denkmalschutz. 

Interessant ist, dass einige Kirchenfabriken sich nachträglich der Initiative der Kommunen angeschlossen und sich ebenfalls für den Schutz der Kirche starkgemacht hatten. Beispiel Tandel: Der Gemeinderat von Tandel hatte bereits am 6. Mai 2014 eine „demande de classement“ für die Kirche in Fouhren und die Kapelle in Walsdorf eingereicht. Am 3. Mai dieses Jahres hat auch die Kirchenfabrik von Fouhren einen Antrag gestellt. Andere Kirchenfabriken – etwa Dalheim und Oetringen-Schrassig – waren dem Beispiel der Gemeindeväter sofort gefolgt.

Der Aufruf des Syfel

Nach der Einigung zwischen Regierung und katholischer Kirche hatte der Dachverband der Kirchenfabriken seine Mitglieder im März 2015 aufgerufen, „beim Kulturministerium einen Antrag zu stellen, die denkmalwürdigen Kirchen und Kapellen und das kunsthistorisch wertvolle Mobiliar unter Denkmalschutz stellen zu lassen“ um sie „vor ihrer Zerstörung zu bewahren“.

Wie viele Kirchenräte dem Aufruf gefolgt sind, ist nicht gewusst. Das Interesse sei groß gewesen, bestätigt Marc Linden, Vizepräsident des Syfel. Ob die Verantwortlichen aber tatsächlich einen Antrag gestellt haben, vermag er nicht zu sagen. Das Kulturministerium stellt jedenfalls fest, dass die Zahl der Anträge wächst. Das Statut des „Monument national“ schützt zwar vor baulichen Veränderungen und vor dem Abriss, denkmalgeschützte Kirchen können aber gegebenenfalls entweiht und einer anderen Nutzung zugeführt werden.

Mit seinem Aufruf vom März 2015 verfolgte der Syfel aber noch ein anderes Ziel. Die ursprüngliche Fassung des Gesetzentwurfs von Innenminister Dan Kersch sah nämlich vor, dass die Kommunen die Kirchen des geplanten Kirchenfonds nicht bezuschussen dürften. Allerdings gab es ein Schlupfloch: Wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht und es ein entsprechendes Reglement gibt, dann hätten sich die Kommunen finanziell an den Renovierungsarbeiten beteiligen können. Nachdem der Staatsrat das strikte Kofinanzierungsverbot gekippt hat, ist der „Umweg“ über den Denkmalschutz nicht mehr nötig.

Der Staatsrat muss beim Denkmalschutz immer dann sein Urteil abgeben, wenn sich das zu schützende Objekt in öffentlicher Hand befindet, das heißt, wenn es dem Staat, einer Gemeinde, einem „établissement public“ oder einem „établissement d'utilité publique“ gehört. Da die Kirchen zum jetzigen Zeitpunkt entweder den Kommunen oder den Kirchenfabriken gehören, muss ein Gutachten der Hohen Körperschaft eingeholt werden. So will es das Denkmalschutzgesetz aus dem Jahr 1983. Der Staatsrat bestätigt allerdings den Denkmalschutz nur, die Gebäude sind bereits am dem Zeitpunkt geschützt, an dem das Kulturministerium die Prozedur in Gang setzt.


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