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Kinderbetreuung: Neue Spielregeln für alle Kitas
Ab der Rentrée 2016/17 können auch Grenzgänger die Chèques-service beziehen. Für Betreuungsplätze in Luxemburg. Und unter gewissen Voraussetzungen in der Grenzregion.

Kinderbetreuung: Neue Spielregeln für alle Kitas

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Ab der Rentrée 2016/17 können auch Grenzgänger die Chèques-service beziehen. Für Betreuungsplätze in Luxemburg. Und unter gewissen Voraussetzungen in der Grenzregion.
Politik 2 Min. 08.02.2016

Kinderbetreuung: Neue Spielregeln für alle Kitas

Bérengère BEFFORT
Die Kindertagesstätten müssen bald neue Qualitätsstandards einhalten. Weil die Chèques-services auch für Einrichtungen im Ausland genutzt werden können, sollen überall die selben Regeln gelten. Ist dies realisierbar?

(BB) - Mit der Reform des Jugendgesetzes führt die Regierung neue Qualitätsstandards für die Kindertagesstätten ein. Will eine Kita die Chèques-service der Eltern entgegennehmen, so ist die pädagogische Arbeit an klare Kriterien gebunden. Denn die Kleinen sollen nicht nur versorgt, sondern richtig fit gemacht werden in ihrer sozialen, kognitiven und motorischen Entwicklung. Ausgewiesenes Ziel ist es laut Reformvorhaben, die Kinder auf das Luxemburger Bildungssystem bestens vorzubereiten.

Eine grenzüberschreitende Nutzung

Doch genau dieses nationalpolitische Ziel wirft viele Fragen auf, wenn die Chèques-service künftig auch für Betreuungsplätze in der Grenzregion genutzt werden können.

Denn anders als bislang können die Gutscheine für die Kinderbetreuung grenzüberschreitend eingesetzt werden. Das bedeutet in erster Linie, dass auch Grenzgänger von den staatlichen Beihilfen für einen Betreuungsplatz in Luxemburg profitieren können. Aber auch und unter gewissen Bedingungen für einen von Luxemburg subventionierten Platz in ihrem Heimatland.

Kontrollen und nationale Bildungsziele

Die Reform könnte also in der Grenzregion neue Dienstleister auf den Plan rufen. Die Kitas in Trier, Metz oder Arlon müssten dieselben Qualitätskriterien und Regeln einhalten wie die Einrichtungen in Luxemburg. Fraglich ist aber, wer in diesem Fall  den Personalschlüssel oder die Anwendung der drei Amtssprachen kontrollieren würde.

Inwiefern eine ausländische Kita eine Vorbereitung auf das Luxemburger Schulsystem gewährleisten muss, ist eine weitere Frage. "Wir haben mehrmals Fragen im parlamentarischen Fachausschuss und im Beisein des Ministers aufgeworfen, aber keine zufriedenstellende Antwort erhalten", moniert die CSV-Abgeordnete Françoise Hetto. Im vorliegenden Gesetzentwurf, der bald zur Abstimmung stehen soll, seien die Bestimmungen für ausländische Träger unzureichend definiert, so die Oppositionsabgeordnete.

Ministerium will beschwichtigen

Auf Nachfrage hin wollte das Ministerium für Bildung und Kindheit beschwichtigen. Prinzipiell müssten sich alle Einrichtungen im In- und Ausland an dieselben Kriterien halten. Der Reformtext beruhe auf einem "soliden Fundament".

Das System der Chèques-service sei an hohe sprachliche und qualitative Anforderungen geknüpft, die besonders auf das luxemburgische Bildungssystem zugeschnitten sind, so ein Beauftragter des Ministeriums weiter. Ein Angebot im Ausland möge demnach "kaum attraktiv sein". Bislang habe sich auch kein kommerzieller Träger bei den hiesigen Instanzen gemeldet, um die Chèques-service in der Grenzregion einzulösen.

Die CSV-Abgeordnete drängt dennoch auf mehr Klarheit. "Wenn die Chèques-service  im Ausland genutzt werden können, muss der gesetzliche Rahmen eine entsprechend gute Umsetzung sicherstellen", sagt Françoise Hetto und warnt vor einem System mit zweierlei Maß.

Den parlamentarischen Bericht zur Reform hat die CSV nicht gutgeheißen. Der Text wurde mit den Stimmen der blau-rot-grünen Abgeordneten gebilligt. Nun soll es bald zum Votum im Kammerplenum kommen. Zum Wohl der Kinder, aller Akteure und einer effizienten Nutzung der Gutscheine sollte es jedenfalls klare Verhältnisse geben.


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